Produkte für PKW / Van / 4x4

New content item

Mats Hummels: „Am Ende bleibt nix“

UEFA Euro 2016

 Votes Print
 
08/07/2016
 

Mats Hummels war im EM-Halbfinale gesperrt nach zwei Gelben Karten. Der 27-Jährige, der in der vorigen Saison noch Kapitän von Borussia Dortmund war, steht seit dem 1. Juli beim FC Bayern München unter Vertrag. Nach dem 0:2 gegen Frankreich, das nun am Sonntag im Endspiel auf Portugal trifft, bezog der Abwehrspieler Stellung zum Spiel, bewertete den Turnierverlauf und die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft.


Wer hat der Mannschaft gegen Frankreich mehr gefehlt. Sie in der Abwehr oder Mario Gomez im Sturm?

„Mario, würde ich sagen. Wir haben in der Abwehr ja keinen schlechten Job gemacht und die Franzosen gut unter Kontrolle gehabt. Es hat vor allem einer gefehlt, der den Ball reinschießt.“


Was bleibt von diesem Turnier für die deutsche Mannschaft?

„Am Ende bleibt nix. Der Weltmeister will gewinnen. Wenn er das nicht schafft, ist das kein Erfolg. Wir haben gesehen, dass wir mit unserer Art, Fußball zu spielen, definitiv zu den Besten der Welt gehören. Daran wird sich hoffentlich in den kommenden Jahren auch nichts ändern.“

Mats Hummels nach dem 0:2 gegen Frankreich auf dem Spielfeld mit den Kollegen der deutschen Nationalmannschaft. (Foto: Imago)

 

Wie bewerten Sie die Leistung gegen die Franzosen?

„Wenn wir gegen Frankreich gewinnen, beschwert sich kein Mensch. Dann sagen alle: Verdienter Sieg für Deutschland. Das WM-Viertelfinale in Brasilien gegen die Franzosen war deutlich ausgeglichener als dieses EM-Halbfinale hier in Marseille. Und da haben wir ein Tor gemacht und die keins. Es waren am Ende Kleinigkeiten, die nicht auf unserer Seite waren.“


Der Elfmeter war allerdings sicher mehr als eine Kleinigkeit, noch dazu zu dem Zeitpunkt, kurz vor der Halbzeit.

„Das stimmt. Vor allem, wenn man sieht, wie sehr wir die Franzosen unter Kontrolle hatten, wie sehr wir sie hinten reingedrängt haben.“


Die Mannschaft ging aufgebracht in die Kabine. Wurde um diese Szene in der Pause besonders diskutiert? War der Ärger sehr groß?

„Ich durfte nicht in die Kabine. Ich bin von meinem Platz aufgestanden und wollte runtergehen. Aber dann ist mir eingefallen, dass ich als gesperrter Spieler ein Innenraumverbot habe.“

In dieser Szene unterläuft Bastian Schweinsteiger (Mitte) im Kampf mit Patrice Evra (links) und Samuel Umtiti (rechts) das Handspiel, das mit dem Elfmeter bestraft wird. (Foto: Imago)

 

Wie war die Stimmung nach dem Spiel in der Kabine?

„Auf Deutsch: Schei…! Eine Niederlage ist leichter zu akzeptieren, wenn der Gegner besser war.“


Also ist es schlimmer als vor vier Jahren beim Halbfinal-Aus gegen Italien?

„Ja, damals waren wir ja gar nicht richtig auf dem Platz. Dann gehst du runter und bist traurig, kannst das aber akzeptieren. Diesmal tat die Niederlage viel mehr weh, weil man sieht, dass man sich sowohl individuell als auch mannschaftlich vor keinem Gegner verstecken muss.“


Geht man mit der Niederlage aber doch entspannter um, weil man den Weltmeister-Titel schon hat?

„Ehrlich gesagt: Nein. Ich zum Beispiel weiß, dass ich jetzt nur noch eine Chance haben werde, eine EM zu gewinnen. Ich denke nämlich nicht, dass ich mit 35 noch irgendwo rumspringen werde. Und in meinem Alter sind ja viele. Wir sind nicht satt, weil wir mal ein Turnier gewonnen haben. Wir treten uns weiter in den Hintern, um Turniere zu gewinnen.“

Der Franzose Antoine Griezmann (Mitte), der zweimalige Torschütze, gegen Mesut Özil (links), Jonas Hector (Nr. 3) und Benedikt Höwedes (am Boden liegend). (Foto: Imago)

 

Also gehen Sie mit null Zufriedenheit in den Urlaub?

„Man ist auf keinem Fall zufrieden, wenn du auf diesem Niveau agierst und keinen Titel gewinnst. Das einzige, was glücklich machen kann, ist das Ding zu gewinnen.


Wenn Sie es zusammenfassen müssten: Woran hat es letztlich gelegen?

„Wir hatten alles, um dieses Spiel und dieses Turnier zu gewinnen. Es ist eben im Fußball so, dass wenige Szenen ausschlaggebend sind. Es ist kein Basketball, in dem in jedem Spiel 40, 50 Körbe fallen. Beim Fußball entscheiden ein, zwei Szenen.


Also war es die Chancenverwertung. Sieben Tore in sechs Spielen sind ja auch wirklich nicht viel für die deutsche Nationalmannschaft und den Weltmeister.

„Wenn man will, sagt man Chancenverwertung. Aber wenn wir ein Tor machen, haben wir immer noch verloren. Wenn wir zwei Tore machen, sind wir immer noch nicht weiter. Es war eine Mischung aus: Vorne die Dinger nicht reingemacht und hinten sehr viel dazu beigetragen, dass wir sie auch noch kassiert haben. Obwohl wir über weite Strecken dazu beigetragen haben, dass die Franzosen nicht ins Spiel kommen. Das ist das Skurrile: Die kleinen Fehler so schnell und so hart bestraft zu sehen.“

Bastian Schweinsteiger (links) versucht Thomas Müller zu trösten. Beide sind tief enttäuscht nach dem 0:2 der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich im EM-Halbfinale. (Foto: Imago)

 

Empfinden Sie es nun als ein komisches Ende eines komischen Turniers?

„Man muss schon sagen, dass das Niveau der EM nicht wie erhofft war. Es gibt viele Mannschaften, die mit dem Ball nicht so viel anfangen können, die sich mit vielen Männern hinter den Ball stellen wollen, anstatt mit Systematik zu agieren. Diese Tendenz war zu erkennen. Deswegen waren viele Spiele nicht auf so hohem Niveau.“


Wie wird es mit der deutschen Nationalmannschaft weitergehen?

„Ich glaube nicht, dass wir wieder so viele Spieler verlieren wie 2014. Im Kern der Stammspieler, werden wir relativ zusammenbleiben. Die jungen Spieler sind schon sehr weit, aber noch nicht am Ende ihrer Entwicklung. Da wird noch einiges nachkommen. Um gute Spieler müssen wir uns wenig Sorgen machen.“


Und um die älteren Spieler?

„Da werden wir doch nur wenige verlieren. So viele sind noch nicht in den 30ern von uns. Manu Neuer zählt eigentlich nicht. Der kann ja spielen, bis er 55 ist. Wir werden jedenfalls auch in Zukunft eine sehr gute individuelle Qualität auf den Platz bekommen.“


Joachim Löw hat nicht klipp und klar gesagt, dass er weitermacht.

„Es ist immer doof, im Moment einer solchen Enttäuschung diese Frage gestellt zu bekommen. Für mich war in den vergangenen Wochen und Monaten relativ klar, dass es weitergehen wird.“