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Portugal verdient sich den ersten Titel

UEFA Euro 2016

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12/07/2016
 

Der erste große internationale Titel der portugiesischen Nationalmannschaft wird in der Heimat frenetisch gefeiert. Final-Verlierer Frankreich findet Trost in einem rührenden Video und schon wenige Tage nach dem Endspiel geht der Blick auf die nächste EM, die 2020 in 13 Ländern Europas ausgetragen wird.

 

Auch wenn der vielleicht beste Fußballer des Planeten am Ende den silbernen Siegerpokal entgegennahm, endete die 15. Europameisterschaft mit einem überraschenden Gewinner. Selbst vor dem Finale hatten die Experten den Portugiesen um ihren schillernden Kapitän Cristiano Ronaldo den Titel nicht wirklich zugetraut, zu überlegen schienen die offensivstarken Franzosen um Torschützenkönig (6 Tore) und besten Turnierspielers Antoine Griezmann – nicht zuletzt durch den überzeugenden 2:0-Sieg im Halbfinale gegen Weltmeister Deutschland. Am Ende jubelte aber jene Mannschaft, die in der Vorrunde sieglos auf Platz drei gelandet war – hinter Island und Ungarn. Den 1:0-Sieg nach Verlängerung im Finale und den damit einhergehenden EM-Titel mit Portugal bezeichnete Ronaldo im Anschluss als „einen der glücklichsten Momente meines Lebens.“

51 Spiele, 24 Mannschaften, ein Sieger: Portugal feiert den EM-Titel 2016 – und den ersten großen Erfolg bei einem wichtigen Turnier überhaupt. Foto: Imago

 

Das Endspiel in Saint Denis vor 75.868 Zuschauern war ein Spiegelbild des Turnierverlaufs. Das Duell war selten hochklassig, dafür aber stets umkämpft und von abwartender Haltung geprägt. Dass am Ende der Außenseiter durch das Tor des eingewechselten Éder triumphierte und eine schwarze Serie beenden konnte, passte zu den bisherigen Ereignissen dieser EM: Im Viertelfinale hatte Deutschland sein Italien-Trauma bei großen Turnieren überwunden, im Halbfinale Frankreich sein Deutschland-Trauma und im Endspiel eben Portugal sein Final-Trauma: 2004 hatte es im Endspiel der Heim-EM ein 0:1 gegen Griechenland gegeben. Eine schmerzliche Pleite, deren Narbe erst in der magischen Nacht von Paris am 10. Juli 2016 verheilte. Auch bei Superstar Ronaldo, der bei der 0:1-Pleite gegen Griechenland als 19-Jähriger auf dem Rasen gestanden hatte: „Ich habe seit 2004 dafür gebetet, dass ich noch eine Chance bekomme", sagte Ronaldo, der im Finale zwölf Jahre später bereits nach 25 Minuten verletzt und tränenüberströmt den Rasen verlassen musste. „Zum Glück ist alles gut für uns ausgegangen", sagte er nun, „das ist ein unvergesslicher Moment."


Der erste große Titel ist der späte Lohn einer erfolgreichen portugiesischen Generation: Bei den vergangenen fünf Europameisterschaften erreichte Portugal vier Mal das Halbfinale, zudem erreichte Portugal Platz vier bei der WM 2006 in Deutschland. In der Heimat wurden sogleich Lobeshymnen gedichtet: „Der 10. Juli wird Portugals Feiertag“, schrieb Correio da Manha“. Und „Expresso“ jubilierte stellvertretend für alle elf Millionen Einwohner des Landes: „Der Titel ist für den Rest unseres Lebens.“

Bittere Tränen, die sich erst spät in Freudentränen verwandelten: Cristiano Ronaldo am Boden nach dem Foul von Dimitri Payet, das ihn weite Teile des Endspiels kostete. Foto: Imago

 

Zwar stürzte das Spiel die französischen Spieler und Fans in ein Tal der Tränen, die sich im Gegensatz zu Ronaldos Tränen nicht in Freudentränen verwandelten, doch im Moment der schlimmen Niederlage tröstete ein emotionaler Moment über den Schmerz und bescherte vielen Franzosen Trost: Ein Video eines kleinen portugiesischen Kindes, das sich rührend um einen schluchzenden erwachsenen französischen Fan kümmerte bewegte im Internet Millionen und war ein Abschluss im Zeichen des respektvollen Miteinanders, nachdem zu Turnierbeginn schlimme Szenen englischer und russischer Hooligans das Land schwer getroffen hatten.


Nicht nur durch das Verhalten ihrer Anhänger waren beide Nationen große Verlierer des Turniers. Auch sportlich enttäuschten das punktlos ausgeschiedene Russland und die in der Heimat nach dem 1:2 gegen Island im Achtelfinale gescheiterten mit Häme überschütteten Engländer.

Höhenflug jäh gestoppt: Antoine Griezmann (r.) wurde Vize-Europameister, Torschützenkönig und bester Spieler der EM – und doch überwog die Trauer. Foto: Imago

 

Auch die Türkei, Schweden und Österreich enttäuschten, dafür eroberten die Viertelfinalist Island und Halbfinalist Wales die Herzen der europäischen Fußballfans uns wurden in der Heimat von Zehntausenden Anhängern gefeiert.


Die großen Favoriten verabschiedeten sich nach und nach und meist leise aus dem Turnier. Müde Spanier scheiterten bereits im Achtelfinale mit 0:2 an Italien. Die „Gli Azurri“ mussten sich in der nächsten Runde nach einem epischen Elfmeterschießen Deutschland geschlagen geben, der Weltmeister verlor seinerseits eine Runde später 0:2 gegen Frankreich. Große Kritik musste sich das DFB-Team in der Heimat aufgrund des verpassten Titels aber nicht anhören.

Erst das Boateng-Aus, dann das EM-Aus: Ohne den Star-Verteidiger (Mitte) konnten Schweinsteiger (r.) und Co das Ruder nicht mehr rumreißen. Foto: Imago

 

Auf der anderen Seite des Turnierbaums erwischte es die hoch gehandelten Kroaten im Achtelfinale in der Verlängerung gegen Portugal (0:1), Titel-Anwärter Belgien verabschiedete sich mit einer schwachen Leistung beim 1:3 gegen Wales im Viertelfinale.


Nach 51 Spielen, in denen 108 Tore vor 2.427.303 Zuschauern in den Stadien fielen, zog die Uefa schließlich ein positives Fazit des Turniers: Einnahmen in Höhe von 1,93 Milliarden Euro stehen nur Ausgaben von 1,1 Milliarden Euro gegenüber, das macht 830 Millionen Euro Gewinn und einen Gewinnanstieg von 34 Prozent im Vergleich zur EM 2012. Das Geld wird an die 55 Uefa-Nationalverbände fließen. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Uefa-Turnierdirektor Martin Kallen. Und weiter: „Wir haben, was die Organisation angeht, keinerlei Probleme gehabt – auch nicht mit der Sicherheit.“


Dennoch erklärte UEFA-Vizepräsident Ángel María Villar Llona in Paris, über die Kritik an vom 16 auf 24 Mannschaften vergrößerten Turnierformat „nachdenken“ zu wollen. Denn die 15. Auflage wird nicht als sportlich hochwertig in Erinnerung bleiben, viele Experten zeigten sich enttäuscht vom Niveau des Turniers. Dass die EM 2020 wieder mit weniger Teams stattfindet, gilt allerdings als ausgeschlossen.


Die Europameisterschaft in vier Jahren wird zudem erstmals in 13 Ländern ausgetragen. Zwischen dem irischen Dublin im Westen bis der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku im Osten müssten die Fans rund 5.300 Kilometer zurücklegen. Die beiden Halbfinals und das Endspiel gingen bei der Vergabe im Jahr 2014 an England mit dem Wembley-Stadion in London.


Da es nicht bloß einen EM-Gastgeber gibt, müssen sich alle der 13 Ausrichter auf sportlichem Wege qualifizieren. Dennoch dürfen sich folgende Austragungsorte auf das Turnier freuen: London, München, Baku, Glasgow, Dublin, Brüssel, Kopenhagen, Budapest, Rom, Bilbao, Amsterdam, Bukarest und Sankt Petersburg.