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Abkupfern erwünscht!

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Nachmachen gilt meist als politisch unkorrekt. Außer im eigenen Unternehmen: Thierry Wipff, Leiter Produktionsmanagement Nutzfahrzeugreifen bei Continental, schwört sein Team auf Kooperation statt Konkurrenz ein.

Als Thierry Wipff den versammelten Werksleitern seine Idee zum ersten Mal vorstellte, erntete er verblüffte Mienen: Die einzelnen Werke, in denen Continental Nutzfahrzeugreifen fertigt, sollten künftig nicht mehr miteinander wetteifern, sondern voneinander abkupfern? Das war etwas völlig Neues, ja, fast schon Unerhörtes, was er da verlangte.

Im slowakischen Puchov, wo Continental ein Werk für Nutzfahrzeugreifen betreibt, waren die Werksleiter zu einem Workshop zusammen gekommen,– angereist z.B. aus Otrokovice in der benachbarten Tschechischen Republik, aus Mount Vernon in den USA, aus Petaling Jaya in Malaysia oder aus Modipuram in Indien. „Viele hatten etwas ganz anderes erwartet“, erzählt Wipff. Jeder wollte das beste Werk für Nutzfahrzeugreifen bei Continental führen, getreu dem Unternehmenswert „Gewinnermentalität“. Dem Produktionschef ist das nicht genug: „Wir stehen im Wettbewerb mit echten Konkurrenten – und das sind nicht die anderen Werke, sondern andere Reifenhersteller.“

„Was hast Du heute schon kopiert?“

Der viertgrößte Reifenproduzent der Welt ist Continental bereits, die Nummer drei will man werden. „Dazu müssen wir an jedem Standort die Qualität liefern, die der Kunde wünscht. Das geht nur, wenn sich die Leute untereinander austauschen. Und zwar auf allen Ebenen – ob bei Ingenieursleistungen, in der Produktion oder im Qualitätsmanagement“, erklärt Thierry Wipff. Die Herausforderung: Benchmarking – also die vergleichende Bewertung einzelner Werke – gilt als politisch korrekt. Doch ist es auch akzeptabel, dass man wie mit Copy-Paste am Computer einfach etwas von anderen übernimmt? – „Absolut!“ findet Wipff. Zur Gewinnermentalität gehört neben dem Kampfgeist genauso die permanente Bereitschaft, etwas dazu zu lernen – auch von anderen. „Unser Ziel ist die Spitzenleistung. Und die hängt besonders von dem engen Austausch unseres weltweiten Teams ab“, sagt Wipff. „Wir müssen das Rad nicht jedes Mal neu erfinden.“


Beim „Walk & Talk“, wie der studierte Ingenieur seine regelmäßigen Rundgänge in den Werken nennt, fragt er die Mitarbeiter zum Beispiel ganz konkret: „Was hast du heute kopiert?“ – „Erst waren die Leute sehr überrascht“, erzählt Wipff. Jetzt sind sie daran gewöhnt – und haben immer öfter eine positive Antwort parat. Auch wenn irgendwo eine Maschine kaputt ist, fragt Wipff: „Hast du Kollegen in anderen Werken gefragt, ob die das Problem auch schon mal hatten?“ Oft gibt es schon eine Lösung, die man direkt übernehmen kann.

Kampf dem Silodenken

„Silodenken“ nennen Konzernmanager die Bunkermentalität, die viele schon aus der Schule kennen: von Kindern, die ihr Wissen lieber für sich behielten und andere nicht abschreiben ließen. Bei Mitarbeitern in einem Konzern steckt meist die Sorge dahinter, austauschbar zu werden – und damit womöglich überflüssig. Diese Sorge ist bei Continental jedoch unbegründet, weiß Thierry Wipff: „Wir brauchen unsere Werke, jedes produziert spezielle Reifentypen und bedient ganz bestimmte Märkte.“ Und genau wie in der Schule heute das Lernen mit- und voneinander im Vordergrund steht, ist auch in modernen Unternehmen ein Bereichs-, Länder- und eben auch Werksgrenzen überschreitendes Agieren gefragt. Nur so kann sich der Konzern als Ganzes erfolgreich im Wettbewerb behaupten – und seine ehrgeizigen Wachstumsziele erreichen.

Bevor man das Gute teilen kann, muss man freilich erst mal herausfinden, was eigentlich gut und somit nachahmenswert ist. „Wir haben eine Liste all jener Gebiete gemacht, auf denen ein Werk spitze ist“, erzählt Thierry Wipff. Diese „Domains of excellence“ reichen von einer hervorragenden Instandhaltung über vorbildliches Energiesparen bis zu einem besonders guten Konzept für die Werbung neuer Mitarbeiter. „Die Ergebnisse sind beeindruckend“, freut sich Wipff. Und: „Es gibt nicht das eine Werk, das alle kopieren sollen. Jedes einzelne Werk hat schon Besonderes geleistet. Und somit kann jedes etwas vom anderen lernen.“ 

Fremde Kulturen verstehen

Damit der Austausch auch über Ländergrenzen hinweg klappt, ist Englisch als Firmensprache Pflicht. Selbst Wipff, dessen Büro nach Stationen in Frankreich und Rumänien schon seit fünf Jahren in Hannover liegt, spricht bei der Arbeit kein Deutsch – er hat es nie gebraucht. Wichtig sei vor allem Respekt für die fremde Kultur, meint Thierry Wipff. Der in Marokko aufgewachsene Franzose ist „Kulturschocks“ gewohnt – und hat früh gelernt, damit umzugehen. Eine Erfahrung, die ihm heute zu Gute kommt: „Als internationales Unternehmen gehen wir in Märkte, deren lokale Kultur wir nicht ändern können, sondern nur verstehen“, sagt Wipff. „Vielfalt heißt, dass es nicht das eine perfekte Programm für alles gibt. Sondern dass jede Kultur ihre Eigenheiten hat.“

Entscheidend für den Erfolg sei, dass das ganze Team gut zusammenspielt. „Wie beim Fußball“, sagt Wipff, „Nicht die Mannschaft mit dem größten Star gewinnt, sondern die, in der alle Spieler ihre Stärken für den gemeinsamen Erfolg einbringen.“ 

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