Produkte für Industrie

Nach dem Launch ist vor dem Launch

Wenn Continental neue Reifen für Nutzfahrzeuge auf den Markt bringt, stecken Organisationstalente wie Andreia Bessa und José Esteves dahinter. Die Entwicklungsingenieure sorgen dafür, dass aus guten Ideen noch bessere Reifen werden – Generation für Generation.

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„Hi, I‘m Andreia“, sagt die junge Frau, ihre hellblauen Augen stahlen. Dezent lackierte Nägel, schnurgerades schulterlanges Haar, Perlen im Ohr: die Reifenentwicklerin bedient nicht gerade das Klischee einer Technik-Besessenen. Flink läuft sie die Treppe hinauf, durch die offene Tür in das Büro ihres Kollegen José Esteves. Der 27-Jährige stammt wie Andreia aus Portugal und arbeitet seit vier Jahren im Entwicklungszentrum von Continental in Hannover-Stöcken. Autos haben ihn schon immer interessiert, sagt er, folgerichtig zog es ihn nach dem Maschinenbau-Studium nach Deutschland, ins „Kraftzentrum der Autoindustrie“.  Gerade hat José für Continental 15 neue Nutzfahrzeugreifen entwickelt – eine komplette Produktlinie, die dieses Jahr auf den Markt kommt. Jetzt kümmert er sich darum, dass in der Produktion alles glatt läuft. Denn erledigt ist sein Job erst, wenn die Reifen in den  Verkauf gehen.

Andreia hat vor gut einem Jahr in der Forschung und Entwicklung von Continental angefangen, ihre Reifen existieren bisher nur auf dem Papier – oder vielmehr auf dem Bildschirm. „Wir haben alle virtuellen Versuche gemacht und festgelegt, wie die Reifen aussehen sollen“, erzählt die quirlige 31-Jährige, die schon als Kind lieber mit Lego spielte als mit Barbies. Die Gussformen für die Prototypen sind geordert, nächsten Monat fängt das Experimentieren an, ob die Reifen den Erwartungen entsprechen. Ab jetzt kostet jede Änderung Zeit und Geld – der Druck steigt. Zumal eine neue Kautschukmischung zum Einsatz kommt, um deren Entwicklung sich Andreia ebenfalls kümmert. „Man braucht immer noch einen Plan B, falls etwas schiefgeht“, sagt sie und lacht. „Ihre“ Reifen sind für Baufahrzeuge in der Region Europa und Nahost gedacht, sie müssen also besonders widerstandsfähig sein – und sämtliche gesetzliche Vorgaben der EU erfüllen. „Das ist eine der großen Herausforderungen“, weiß Andreia.

„Wir fühlen die Hitze, sehen die Straßen“

Seit Ende 2012 müssen Reifen in der EU nicht nur mit den Messwerten für das Rollgeräusch gekennzeichnet sein, sondern auch mit den Werten für Kraftstoffeffizienz und Nasshaftung. Hinzu kommt, dass in Europa ganz andere Bedingungen herrschen als etwa in der Türkei, ob beim Klima oder beim Zustand der Straßen. José nimmt ein scharfkantiges Stück Felsen von seinem Schreibtisch: ein Mitbringsel aus Oman. „Es erinnert mich daran, worauf die Lkws dort fahren müssen“, erzählt José mit seiner ruhigen Stimme.  „Continental will wachsen – dazu muss der Konzern neue Märkte erschließen, und wir müssen die Kunden dort verstehen lernen.“ Meist reisen die Ingenieure am Anfang einer Entwicklung in die Länder, in denen ihre Reifen verkauft werden sollen. „Wir fühlen die Hitze, sehen die Straßen, sprechen mit unserem lokalen Kundenservice und mit den Kunden“, erzählt José. Wie werden die Reifen dort benutzt? Was vermissen die Kunden? „So ein kurzer Besuch bringt mich oft auf völlig neue Ideen.“ Heraus kommen dabei Reifenmodelle, die  beispielsweise extra verstärkt sind für die Türkei oder besonders hitzebeständig für Nahost.

Kreativität brauchen Andreia und José vor allem am Anfang eines Entwicklungsprozesses, wenn das Marken-Management ihnen den Auftrag erteilt, einen Reifen mit bestimmten Eigenschaften zu entwickeln. Dann fertigen sie eine Machbarkeitsstudie an und dehnen dabei oft die Grenzen dessen, was umgesetzt werden kann. Etwa weil die unterschiedlichen Anforderungen Zielkonflikte verursachen, oder weil alles besser werden soll, ohne dass die Kosten steigen. „Um im Wettbewerb die Nase vorn zu haben, müssen wir sicherstellen, dass wir technologisch ganz vorn sind, und auch künftige Generationen schon vorweg denken“, sagt Andreia. Statt endloser Tests ist ein gutes Konzept mit präzisen Berechnungen gefragt, nebst Visualisierung am Computer. Unterstützung bekommen Andreia und José dabei von vielen Kollegen, denn für jeden Teil des Reifens, vom eingebauten Stahl über die Gummimischung bis hin zu Form, Aufbau und Performance, gibt es Experten. Das Marketing checkt, welchen Mehrwert der Reifen dem Kunden bringt, der Kundendienst und die Leute aus dem Feldversuch geben Tipps zu lokalen Besonderheiten. Sechs bis sieben Abteilungen sind an der Entwicklung eines Reifens beteiligt – und jede muss grünes Licht geben, damit die Entwicklung in die nächste Phase gehen kann. „Am Ende jedes erfolgreich absolvierten Meilensteins haben wir sehr viele Unterschriften auf unserem Laufzettel gesammelt“, schmunzelt José. 


Das große Rad drehen

Allein im stillen Kämmerlein erfindet bei Continental niemand einen Reifen. „Wir sind vor allem Projektmanager und müssen gut organisieren können, um unsere Projekte genau im Zeit- und Kostenplan abzuwickeln“, sagt Andreia, ihre Augen leuchten. Dafür, dass nichts schief geht, sorgen sichere Prozesse, das Feedback des Teams und auch des Managements. Denn wer in der Forschung und Entwicklung von Continental anfängt, dreht keine Proberunde, sondern gleich das große Rad. „Frisch von der Uni habe ich sofort viel Verantwortung bekommen – ein toller Ansporn“, erzählt José.  Andreia fällt ihm fast ins Wort: „Du spürst, dass es auf dich ankommt. Ohne Verantwortung  würde man nie so viel lernen.“  Die studierte Chemikerin hat schon für andere Automobilzulieferer gearbeitet, bevor sie 2010 bei Continental anheuerte, zunächst im Reifenwerk in Portugal. „Conti ist wirklich anders“, schwärmt sie.

Dass sie beim Antritt in Deutschland kein Wort Deutsch sprachen, war für ihren neuen Arbeitgeber nicht wichtig: „Unsere Effizienz im Job hängt zum Glück nicht von der Sprache ab“, erklärt Andreia. „Das Umfeld in Hannover-Stöcken ist absolut multikulturell, das schafft eine tolle Arbeitsatmosphäre, in der man das Beste aus allen Kulturen übernimmt.“ Allerdings fängt man sich hier auch schnell einen Virus ein: „Wir gucken auf der Straße automatisch allen Lkw auf die Reifen – sogar im Urlaub“, erzählt José und grinst. Wie ist der Zustand der Reifen? Und natürlich: Von welchem Hersteller stammen sie? „Es macht mich schon stolz, wenn ich einen Reifen sehe, den ich entwickelt habe“, sagt José.

Sorge, dass ihnen irgendwann die Ideen ausgehen, haben Andreia und José nicht: „Man kann etwas immer noch besser machen.“ Die Zukunft gehört vor allem „sauberen“ Reifen: weniger Emissionen und weniger Spritverbrauch durch geringeren Rollwiderstand. Schon jetzt haben die Reifenentwickler Ideen dafür im Kopf. Denn nach dem Launch ist vor dem Launch: Die nächste Generation Reifen kommt bestimmt.

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