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Mit Cognac zum Olympiasieg

Rekorde

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27/02/2018
 

Der eine schnaufte wie eine Lokomotive, ein weiterer lief ohne Schuhe – und eine Marathon-Pionierin kämpfte für die Rechte der Frauen: Nicht immer werden Läufer allein durch Bestzeiten berühmt. GripWorld erinnert an sieben sehr unterschiedliche Legenden des Laufens.

Eine Statue, die den altgriechischen Nachrichten-Übermittler und Marathon-Pionier Pheidippides zeigt. Foto: HammerOfTheGods27

 

Pheidippides – der Dauerläufer

Einsam bahnt sich der griechische Soldat und Meldeläufer Pheidippides seinen Weg. Sein Weg beginnt in der kleinen Küstenstadt Marathon, wo soeben die griechische Armee einen Sieg über die Perser errungen hat. Es ist der 12. September 490 vor Christus. In sengender Mittagshitze läuft Pheidippides mit schwerem Brustpanzer und in Soldatenrock auf ledernden Sandalen entlang des Meeres und durch das Pentelikon-Gebirge Richtung Athen. Schließlich erreicht er nach knapp 40 Kilometern die griechische Hauptstadt und verkündet mit letzter Kraft seine Nachricht: „Nenikekamen !" (Wir haben gesiegt!“) Danach bricht Pheidippides vor Erschöpfung zusammen und stirbt. Diese tragische Legende gilt als Geburtsstunde des Marathons. Und obwohl Pheidippides damit der erste Marathon-Sportler der Welt war, geriet der Grieche lange Zeit in Vergessenheit. Erst mit Ausgrabungen im Jahr 1890 rund um die Schlacht von Marathon geriet Pheidippides mit seiner Laufleistung wieder in Erinnerung. In der Folge wurde 1896 der erste offizielle Marathonlauf ausgetragen, der 40 Kilometer von Marathon nach Athen führte. Die heute offizielle Distanz von 42,195 Kilometern wurde übrigens erstmals bei den olympischen Spielen von London 1908 gelaufen. Die seltsame Länge ergab sich zum einen aus der Umrechnung von Meilen in Kilometer – und aus einem Fehler: Die ursprünglich geplante Distanz von 26 Meilen (41,84 Kilometer) reichte nicht vom Startpunkt am königlichen Schloss Windsor bis zum Ziel im Stadion – es fehlten 385 Yards, die noch hinzugerechnet wurden. So kam man dann auf umgerechnet 42,195 Kilometer.

SpyridonLouis

Der Grieche Spyridon Louis gewann 1896 sensationell olympisches Marathon-Gold – mit Cognac im Blut.

 

Spyridon Louis – der Cognac-Trinker 

Doping ist keine Erfindung neuerer Zeit, im Gegenteil. Bereits beim ersten offiziellen Marathon 1896 half der damalige Sieger ein wenig nach. Der Grieche Spyridon Louis trat in diesem Jahr zusammen mit 16 anderen Athleten zum ersten Marathon der Neuzeit in Griechenland an. Der Druck für ihn war hoch, denn schließlich sollte die Goldmedaille an sein Heimatland, den Gastgeber der olympischen Spiele, gehen. Als Soldat brachte Louis zwar eine gute Kondition mit, war aber alles andere als der Favorit. Unter den Teilnehmern waren viele erfahrene Mittelstreckenläufer. Drei der Topläufer setzten sich gleich nach dem Start an die Spitze. Der Franzose Albin Lermusiaux lief sogar so schnell, dass er schon weit vor dem Ziel von den jubelnden Zuschauern zum Sieger erklärt wurde – doch Lermusiaux hielt das Tempo nicht durch und brach erschöpft zusammen. Ebenso erging es dem Australier Edwin Flack und dem Amerikaner Arthur Blake, die der brütenden Hitze nicht gewachsen waren. Der Grieche Louis bekam von all dem nichts mit, zu groß war sein Abstand zum vorderen Feld. Dann sah er auf halber Strecke seinen Schwiegervater am Streckenrand stehen, mit einem Glas in der Hand. Eine Erfrischung, die es in sich hatte – statt Wasser bekam Louis im Vorbeilaufen ein Glas Cognac in die Hand gedrückt. Der trinkfeste Grieche zögerte nicht, gestärkt lief er weiter und erreichte nach 2:58:50 Stunden als erster das Ziel im Stadion, wo er von den 70.000 Zuschauern frenetisch gefeiert wurde. Zum Nationalheld aufgestiegen zog sich Louis zurück auf sein Stück Land, das er zum Dank erhalten hatte – er nahm nie wieder an olympischen Wettkämpfen teil.

 

Paavo Nurmi – der 1-Stunden-Mann

Dem Finnen Paavo Nurmi gelang in seiner Laufkarriere etwas Unglaubliches. Zwischen 1920 und 1928 gewann er neun olympische Goldmedaillen, erzielte 22 offizielle Weltrekorde und blieb während seiner Karriere in 80 Cross-Wettkämpfen und über die Distanz von 10.000 Metern ungeschlagen – soweit, so gut. Seinen sportlichen Höhepunkt aber erlebte Nurmi bei den olympischen Spielen 1924 in Paris. Dort erreichte er Einmaliges, etwas, das bis heute kein Sportler mehr geschafft hat. Er gewann erst die Goldmedaille über die 1500 Meter, holte anschließend Gold über 5000 Meter. Das Besondere: Beide Läufe fanden innerhalb von nur einer knappen Stunde statt. Eine Leistung, an die erst 80 Jahre später der Marokkaner Hicham El Guerrouj 2004 in Athen heranreichte. Ihm gelang ebenfalls ein Doppelsieg über die beiden Mittelstrecken – allerdings in einem Abstand von fünf Tagen. Paavo Nurmi war sein Doppelerfolg 1924 noch nicht genug. Ein Jahr nach den Spielen von Paris brach er zu einer Wettkampftournee in den Vereinigten Staaten auf. Dort nahm er innerhalb von fünf Monaten an 55 Lauf-Wettbewerben teil. Er gewann davon 53. In den Vereinigten Staaten ging Nurmi als “fliegender Finne” in die Sportgeschichte ein. Das Geheimnis seines Erfolges waren auch seine innovativen Trainingsmethoden. Nurmi lief regelmäßig hinter fahrenden Zügen her, an denen er sich festhielt. So waren seine Beine gezwungen, sich schneller als normal zu bewegen.

Paavo Nurmi

Paavo Nurmi bei den olympischen Spielen 1920 in Antwerpen.

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Die Lokomotive schnauft – und gewinnt: Emil Zatopek bei einem seiner vielen Siege.

 

Emil Zatopek – die Lokomotive

„Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.“ Mit diesem einfachen Dreiklang bringt Emil Zatopek seine Leidenschaft fürs Laufen 1948 auf den Punkt. Dass der tschechische Ausnahmesportler überhaupt läuft, verdankt er einem Zufall. Zatopek, Lehrling in einer Schuh-Fabrik im tschechischen Zlin, kommt beim jährlichen „Lauf von Zlin" unerwartet auf den zweiten Platz. Er hat nur aus einer Art Verpflichtung teilgenommen, Veranstalter ist sein Arbeitgeber. Fünf Jahre danach ist Emil Zatopek bereits nationaler Meister. Er wird Berufssoldat und vertritt die Tschechoslowakei als Armeesportler. 1948 holt er olympisches Gold über 10.000 Meter und Silber über 5000 Meter. Außerdem wird er 1950 und 1954 drei Mal Europameister. Als erstem und einzigem Läufer gelingt Zatopek dann noch der Hattrick: 1952 holt er bei den olympischen Spielen in Helsinki Gold über 5000 Meter und 10.000 Meter und gewinnt obendrein noch den Marathon – alles innerhalb von nur acht Tagen. Doch neben seinen sportlichen Erfolgen ist es vor allem sein Laufstil, der Zatopek berühmt macht. Die Sportpresse beschreibt ihn damals als "Karikatur eines Läufers, die da mit verkrampft nach links abgeknicktem Oberkörper, wackelndem Kopf, herausgestreckter Zunge und den Grimassen eines Inquisitionshäftlings um die Bahn hampelte“. Weil er beim Laufen immer besonders laut schnauft, bringt ihm das noch den Spitznamen „Lokomotive“ ein. Ein anderes Blatt titelt: „Das abscheulichste Horrorspektakel seit Frankenstein“. Zatopek lässt das kalt, er kommentiert seinen Laufstil so: „Ich bin einfach nicht talentiert genug, um beim Laufen noch zu lächeln.“

 

Kathrine Switzer – die Pionierin

Es ist kalt, Regen und Schnee wechseln sich ab. Um Punkt 12 Uhr mittags ertönt der Startschuss, 741 Teilnehmer beginnen einen der beliebtesten Langstreckenläufe der Welt: der Boston-Marathon gilt im Jahr 1967 als Mekka des Laufsports. 741 Starter, das ist für damalige Verhältnisse, lange vorm heutigen Lauf- und Fitnessboom, ein gewaltiges Starterfeld. Die ersten Kilometer des Marathons sind gelaufen, da nähert sich einer kleinen Läufergruppe das Begleitfahrzeug. Unvermittelt springt Rennleiter Jock Semple aus dem Auto und bahnt sich seinen Weg hinein in den Läuferpulk. „Raus aus meinem Rennen! Zur Hölle mit dir! Und gib mir die Startnummer“, brüllt Semple und reißt der Startnummer 261 am Pullover. Die Nummer 261: heute Symbol für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Denn mit dieser Nummer läuft seinerzeit die erste Frau weltweit einen offiziellen Marathon, die Studentin Kathrine Switzer. Das ist zu dieser Zeit verpönt, auch wenn in den Regularien, wie beim Boston-Marathon, gar kein explizites Teilnahmeverbot für weibliche Läuferinnen erwähnt ist. Die Attacke des Renndirektors kann abgewehrt werden: Von der Seite naht der Läufer Tom Miller und rempelt den Offiziellen von der Strecke. Miller, Hammerwerfer mit Ambitionen auf olympische Spiele und Ex-Footballspieler, ist der Freund von Switzer. Dass sie überhaupt eine Startnummer bekommen hat, liegt an ihrer Teilnahmeanmeldung, die sie nicht als Kathrine Virginia Switzer, sondern nur als K.V. Switzer einreichte. Switzer kommt nach 4:20 Stunden ins Ziel – kein Rekord, aber eine Zeit, die den Laufsport der Frauen nachhaltig verändern sollte. Heute ist Katherine Switzer eine beliebte Vortragsrednerin, ihre Biografie “Marathon Woman“ war ein Bestseller.

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Kathrine Switzer wird vom Renndirektor im schwarzen Anzug angegangen, er will sie aus dem Wettkampf werfen. Ihr Freund, der Hammerwerfer Tom Miller, eilt ihr zu Hilfe. Foto: Boston Herald

 

Abebe Bikila – der Barfußläufer 

Die Menschen trauen ihren Augen nicht, als der Äthiopier Abebe Bikila bei den olympischen Spielen 1960 in Rom beim Marathon nach 2:15:16 Stunden das Ziel erreicht. Es ist ein historischer Moment: Bikila läuft nicht nur eine neue Weltbestzeit, sondern holt auch die erste Goldmedaille für einen afrikanischen Läufer in der Geschichte der olympischen Spiele. Und: Bikila ist den kompletten Marathon barfuß gelaufen. Der schuhlose Sieg ist der Höhepunkt einer ungewöhnlichen Sportkarriere, die eigentlich gar keine werden sollte. Denn zum Laufen wird Bikila anfänglich gezwungen. Er ist Mitglied der Leibgarde des äthiopischen Kaisers Haile Selassie, der ein Jahr vor den olympischen Spielen den Befehl erlässt, eine Olympiamannschaft zu bilden. Alle Mitglieder der Leibgarde müssen zeigen, was sie draufhaben. Bikila läuft die Marathon-Distanz in 2:21:23 Stunden – gut genug um ins Trainingscamp zu fahren. Dort profitiert er dann noch von der Dummheit eines Kameraden, denn einer ist eigentlich noch besser als Bikila: Wami Birrato. Der aber entscheidet sich zu einem heimlichen Trainingslauf nach Addis Abeba und zurück – insgesamt 100 Kilometer. Zurück im Camp verschweigt Bikila den verbotenen Ausflug. Die unwissenden Trainer schicken ihn bereits am nächsten Tag auf einen Trainingslauf über 32 Kilometer. Zu viel für Birrato, der schließlich zusammenbricht und so den Weg für Bikila freimacht. Sein Sieg in Rom ist erst der Anfang. In den Folgejahren dominieren die Afrikaner über die Mittel- und Langstrecken und gewinnen eine Medaille nach der anderen. Bikila selbst kann vier Jahre später seinen Erfolg bei Olympia in Tokio wiederholen und gewinnt erneut Gold – diesmal allerdings mit Schuhen.

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Sieg ohne Schuhe: Der Äthiopier Abebe Bikila gewinnt Marathon-Gold bei Olympia 1960.

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Derzeitiger Weltrekordhalter im Marathon: Dennis Kipruto Kimetto bei seinem historischen Sieg in Berlin.

Foto: SCC EVENTS/PHOTORUN

 

Dennis Kipruto Kimetto – der Schnellste

2:02:57 Stunden – Weltrekord. Dennis Kipruto Kimetto ist beim Berlin Marathon 2014 gelungen, was noch kein Mensch zuvor geschafft hat. Erstmals lief ein Mensch den Marathon unter 2:03 Stunden. Verglichen mit dem ersten offiziell veranstalteten Marathon im Jahr 1896, bei dem der Grieche Spyridon Louis nach 2:58:50 Stunden das Ziel erreichte, ist das ein Unterschied von fast einer Stunde. Dabei fing Kimetto erst spät an professionell zu laufen. Seine Eltern waren einfache Landarbeiter, gemeinsam mit sieben Geschwistern wuchs er im kenianischen Kapngetuny auf. Erst im Alter von 24 Jahren wurde er von der afrikanischen Lauflegende Geoffrey Mutai entdeckt. In den Folgejahren gewann Kimetto diverse kenianische Straßenläufe, darunter auch den Halbmarathon in Nairobi 2011. Seine Karriere entwickelte sich rasant. 2012 nahm er an seinem ersten internationalen Rennen teil, dem Halbmarathon in Ras al Khaimah in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der erste Marathon-Sieg gelang Kimetto in Tokio 2013 mit einer Zeit von 2:06:50 Stunden. Beim Chicago-Marathon im gleichen Jahr verbesserte er seine Zeit auf 2:03:45 Stunden – nur 22 Sekunden über dem damaligen Weltrekord seines Entdeckers Geoffrey Mutai. Nach dem Weltrekord in Berlin hat Kimetto schon das nächste Ziel im Blick. Es ist so etwas wie der Heilige Gral der Läufer: einen Marathon in weniger als zwei Stunden zu laufen.

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