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Die übers Wasser lief

Rekorde

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28/03/2018
 

Ja, es gibt wirklich Menschen die über Wasser laufen – die britische BBC-Fernseh-Mitarbeiterin Lindsey Russell zum Beispiel. Die Moderatorin der ältesten Kindersendung der Welt lief in einer Art Hamsterrad fast zehn Stunden lang über die Irische See.


„Vielleicht klingt das jetzt ein bisschen verrückt, aber ich werde über die Irische See laufen – in einem Hamsterrad“, kündigte Lindsey Russell im Februar 2016 in der BBC-Kindersendung „Blue Peter" an. Das klang verrückt – und war doch wahr: In einer drei Meter hohen, kugelförmigen und aufblasbaren Konstruktion startete sie schon bald einen ganz besonderen Lauf: 35 Kilometer weit wollte sie über das offene Meer laufen.

 

Entstanden war das Vorhaben im Rahmen einer Veranstaltung der Wohltätigkeitsorganisation „Sport Relief“. Alle zwei Jahre organisiert diese in Zusammenarbeit mit der BBC Sport-Spendenläufe und Sport-Events, um Geld für hilfsbedürftige Menschen zu sammeln. „Natürlich wollen wir die Leute nicht dazu animieren, sich selbst ein Hamsterrad zu bauen und über die Irische See zu laufen“, sagte Russell im Vorfeld. „Aber ob schwimmen, laufen oder klettern – Sport ist immer gut und beliebt. Und wenn wir durch die Aktion auf Sport Relief und auf die armen Menschen, die wir unterstützen, aufmerksam machen können und erreichen, dass noch mehr Leute ein bisschen spenden, wäre das großartig.“ Aufmerksamkeit war ihr mit der Hamsterrad-Aktion garantiert. Doch war noch Einiges zu tun, bis sie in Donaghadee in Nordirland an Bord ihres eigenwilligen, schwimmenden Laufgeräts gehen konnte. Das Ziel, Portpatrick in Schottland, war da noch ein kleiner Punkt am Horizont.

Lindsey Russell, Moderatorin von "Blue Peter", mit ihrem Co-Moderator Radzi Chinyanganya. Foto: BBC

 

Vier Monate Ausdauer- und Krafttraining, sechs Mal pro Woche ins Fitnessstudio und immer wieder mentale Übungen – „ungefähr die Hälfte der Challenge ist Kopfsache“, so Russell – standen zunächst auf dem straffen Programmplan. Zwar hatte die aufgeweckte Moderatorin aus Oxford schon den London Marathon 2015 mit einer Endzeit von 3:36:30 Stunden erfolgreich absolviert, doch diese Herausforderung war doch eine neue Dimension. Und das nicht nur für Lindsey Russell. Auch die Ingenieure des Lauf-Rades, die Brüder James und Grant Cooper, sahen sich einer kniffligen Aufgabe gegenüber. „Es war einfach etwas, das noch keiner zuvor gebaut hat. Für uns eine der schwierigsten Herausforderungen unserer Karriere“, sagen die beiden Tüftler rückblickend. „Wenn du Leuten von dem Projekt erzählt hast, haben die nur gesagt: Das ist lächerlich, das wird niemals funktionieren. Es denen zu beweisen, dass es eben doch funktioniert, war natürlich großartig.“

 

Nachdem „Bobby“, wie das Hamsterrad liebevoll getauft wurde, dann endlich fertig war, begannen die Testläufe. Erst ging es in einen kleinen Hafen, um es unter sicheren Bedingungen auf die Wassertauglichkeit zu prüfen. Daraufhin stand die Probe auf dem offenen Meer an. Dann bei Dunkelheit. Und dann bei heftigem Wellengang. „Eigentlich haben wir versucht, es unter den schlechtmöglichsten Bedingungen zu testen“, erzählt Russell. Denn man wisse ja nie so recht, was passiert. So perfekt das Training, so erfrischt der Geist, so präzise die Konstruktion – auf das Wetter haben auch die spitzfindigsten Ingenieure keinen Einfluss.

Lindsey Russell an der irischen Küste bei Donaghadee – irgendwo da drüben liegt Schottland, das Ziel ihres Wasserlaufs. Foto: BBC / Youtube

 

Und dann ist es soweit. Lindsey Russell alias „The Wave Runner“ (dt.: Die Wellenläuferin) betritt am 25. Februar 2016 um 6:30 Ortszeit im Hafen von Donaghadee ihr Wasserlaufrad. Am Horizont grüßt der Sonnenaufgang – durch eine graue Wolkendecke. Exakt 34,8 Kilometer liegen zwischen der Moderatorin und dem schottischen Festland. Bis in die späten Abendstunden will sie sich vorwärts kämpfen, vor ihr die offene See, am Horizont das Ziel. Doch nach siebzehn Seemeilen, also rund 31 Kilometern, nach neun Stunden und fünfzig Minuten kommt die Hiobsbotschaft – das Wetter macht dem Vorhaben kurz vor Schluss einen Strich durch die Rechnung. Erschöpft und ausgepowert steigt Lindsey Russell auf das Begleitboot. Aber auch wenn nicht alles nach Plan lief, als Erfolg kann sie ihren Wasserlauf dennoch verbuchen – denn noch nie lief jemand so eine weite Strecke in einem Hamsterrad über das offene Meer.

Ein Leben wie im Hamsterrad – zumindest für ein paar Stunden. Foto: BBC / Youtube

 

Mit Herausforderungen kennt sich die rothaarige Moderatorin übrigens aus: Um den Job bei BBCs „Blue Peter“ zu ergattern, setzte sich die damals 22-jährige, frisch gebackene Absolventin der University of Bristol in einem Wettbewerb gegen mehr als 20.000 Konkurrenten durch. Die Fernsehshow ist unter Kindern in England so bekannt wie hierzulande „Die Sendung mit der Maus“, sie wird seit 1958 ausgestrahlt und ist damit die am längsten produzierte Kinder-Fernsehsendung der Welt – dieses Jahr feiert sie nach mehr als 5000 Sendungen 60-jähriges Jubiläum. Russell dürfte sich damit einen Kindheitstraum erfüllt haben. Und schon nach drei Jahren als Moderatorin hat sie im Rahmen des Sport Relief Events Einmaliges geschafft. Dass sie Portpatrick dann auf einer Barkasse und nicht im Laufrad erreichte, war sicher zu verkraften – denn da warteten schon unzählige Fans, um der beliebten Moderation zuzujubeln. Denn gewonnen hatte sie sowieso schon. Und das nächste Projekt war schon geplant. 2018 läuft Russell gemeinsam mit ihrem Co-Moderator Radzi Chinyanganya einen "Mile-a-thon", 26 einzelne Rennen über jeweils eine Meile mit Kindern von 26 verschiedenen Schulen.

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