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Alles Käse!

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24/03/2017
 

Ein Wettrennen gegen einen Käse? Was nach einer Idee der britischen Komikertruppe Monty Python klingt, ist Realität: Beim Cooper’s Hill Cheese Rolling and Wake in der englischen Grafschaft Gloucestershire laufen die Teilnehmer tatsächlich einem rollenden Käse hinterher – und das kann sogar gefährlich werden. Teil 9 der Continental GripWorld-Serie „Verrückte Läufe“.

Runter kommen sie immer: Beim „Cooper’s Hill Cheese Rolling and Wake“ in England stürzen die Teilnehmer einen steilen Abhang hinab, einem rollenden Käse hinterher (rechts unten im Bild). Foto: Dave Farrance

 

Der Anblick ist unglaublich: Hunderte Menschen, die sich auf Kommando einen steilen Abhang hinunterstürzen: Sie rennen, laufen, fallen, rollen, stolpern und stürzen – und vorweg rollt ein Käselaib. Wer den einfängt, hat gewonnen. Seit dem 15. Jahrhundert gibt es diesen total verrückten Wettbewerb. Wie die Idee zum „Cooper’s Hill Cheese Rolling and Wake“ entstand – das ist bis heute nicht ganz geklärt. Die einen sprechen davon, dass mit dem ungewöhnlichen Käselauf vor hunderten von Jahren Weiderechte erkämpft wurden. Andere verweisen auf einen heidnischen Brauch, mit dem einst das neue Jahr begrüßt wurde. Wie auch immer – heute ist der "Cooper's Hill Cheese"-Lauf das beliebteste Volksfest im englischen Brockworth in der Grafschaft Gloucestershire im Südwesten des Inselreichs. Die Regeln sind einfach: Ein neun Pfund schwerer Double-Gloucester-Käselaib rollt den Steilhang des Cooper’s Hill hinunter, und die Teilnehmer versuchen ihn einzufangen, bzw. als erste ins Ziel zu kommen. Doch der Wettbewerb ist nichts für schwache Nerven. Und vor allem nichts für sensible Knochen.

Ein Käsehut tut gut: Diese drei Teilnehmerinnen haben den Wisconsin Cheese Marathon erfolgreich absolviert. Foto: Wisconsin Cheese Marathon

 

Immer wieder müssen gestürzte Teilnehmer von Sanitätern versorgt werden, Prellungen und verdrehte Knie sind keine Seltenheit. Wer teilnimmt, tut dies auf eigene Gefahr. Vor drei Jahren wollte die Polizei den Veranstaltungsort sogar sperren, zu gefährlich, hieß es. Doch die drohende Absage schien angesichts der aufgebrachten Bevölkerung noch gefährlicher, das Rennen fand statt, so, wie in den vergangenen 600 Jahren. Das Verletzungsrisiko macht sicher auch einen Teil des Reizes aus in einem Land, in dem man sich auch gerne mit einem Ei unter dem Arm prügelt und das ganze Rugby nennt… Eine Anmeldegebühr für den Käselauf gibt es nicht. Man fährt einfach zum Veranstaltungsort und meldet sich bei den Organisatoren. Man solle lediglich „sichergehen, dass das eigene Testament auf dem neuestem Stand ist und man die Wettkampf-Hose später nicht mehr braucht“, heißt es beim Veranstalter.

Beim Wisconsin Cheese Marathon in den USA kommt es vor allem aufs "cheesy costume" an, auf die kitschigste, bzw. käsigste Verkleidung. Foto: Wisconsin Cheese Marathon

 

Ursprünglich wurde der Wettbewerb nur für die Bewohner von Brockworth organisiert, doch heute kann jeder mitmachen. Im Verlauf der Jahre wurden die Regeln ein wenig abgeändert. Da nie jemand wirklich so schnell lief wie der Käse rollte, der erreicht nämlich Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 100 km/h, gewinnt heute der Teilnehmer, der am schnellsten im Ziel ist. Während der Käse also oft schon das Ziel erreicht hat, sieht man eine wagemutige Menschentraube hinterher purzeln. Als Preis für den Gewinner gibt es – natürlich – den Käse.

 

Offenbar ist der Käse-Wettkampf auch ein Exportschlager: Auch in Kanada läuft eine Meute jedes Jahr einem bergab rollenden Laib hinterher. Jeden August zieht es zehntausende Zuschauer nach Whistler-Blackcomb in Britisch-Kolumbien, um dem dortigen Käselauf beizuwohnen. Die Regeln sind ähnlich – nur dass es sich beim Star der Veranstaltung um einen Boerenkaas handelt, also einen Hartkäse aus Rohmilch. Ob es allerdings unter den Käsesorten Geschwindigkeitsunterschiede gibt, das ist bisher nicht bekannt.

 

Es gibt allerdings auch weit weniger gefährliche Käseläufe, bei denen man nicht blaue Augen oder verknackste Knie riskiert. Zum Beispiel den Wisconsin Cheese Marathon, laut Eigenwerbung der „cheesiest run of the world" – wobei hier mit der Doppeldeutigkeit von cheesy gespielt wird, das Wort bedeutet ebenso "käsig" wie "kitschig" oder "billig". Bei diesem Wettbewerb in Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin bestimmt aber kein echter Käse das Tempo, sondern die Teilnehmer selbst. Und die tragen jedwede erdenkliche Form von Käse-Verkleidungen: Käsehüte, Käsekostüme, Käse-Schuhe… Zu gewinnen ist eine riesige Medaille in Käseform. Rund 4000 Läufer strömen jährlich zu dem Lauf in die Region, die tatsächlich für ihren Käse berühmt ist.

Der Schiedsrichter hat beim „Cooper’s Hill Cheese Rolling and Wake“ nicht viel mehr zu tun als das Gewicht des Käses – neun Pfund – zu überprüfen. Foto: Warwick University Real Ale Society

 

Für Lauf- und Käsefans heißt also: Ran an den Käse. Am 6. Mai gibt es den „Wisconsin Cheese Marathon“ in Kenosha (USA), am 29. Mai folgt der „Cooper’s Hill Cheese Rolling and Wake“ in Brockworth (Großbritannien) und im August (Termin noch unbekannt) rollt der Käse beim „Canadian Cheese Rolling Festival“ in Whistler-Blackcomb (Kanada).

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