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Achtung, Eisbär von links!

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01/09/2017
 

Laufen durch die Sahara? Den Dschungel? Auf Hawaii? Lächerlich. Wer's wirklich extrem haben will, läuft am Nordpol. Der North Pole Marathon ist der vielleicht verrückteste Laufwettbewerb der Welt: minus 40 Grad, wilde Eisbären – und die wohl höchste Teilnahmegebühr der Marathon-Geschichte.

North Pole Marathon

 

Bewaffnete Streckenposten bei einem Marathon – das riecht nach Gefahr. Doch bei diesem Laufwettbewerb treten keine Häftlinge aus Hochsicherheitsgefängnissen gegeneinander an. Auch keine Staatsoberhäupter oder Mafia-Paten, die von Bodyguards geschützt werden müssten. Nein, beim North Pole Marathon lauert eine echte Naturgewalt im ewigen Eis rechts und links der Laufstrecke: Eisbären. Wenn es am 89. Breitengrad 42,195 Kilometer über das Packeis der Arktis geht, sind Temperaturen von bis zu minus 40 Grad das geringste Problem. Bislang aber sind alle insgesamt 350 Teilnehmer seit 2002 einigermaßen heil ins Ziel gekommen.

North Pole Marathon

 

Der Ire Richard Donovan war der erste Sportler, der in der Nordpol-Region einen Marathon lief. Im April 2002 war er allerdings auch der einzige Teilnehmer – er hatte sich von einem Spezial-Reise-Unternehmen ins Camp Barneo fliegen lassen. Das ist der letzte Außenposten der Zivilisation, rund 100 Kilometer vom geografischen Nordpol entfernt. Er lief immer im Kreis – zu weit vom Camp entfernen sollte sich niemand, schon gar nicht irgendein verrückter Sportler ohne Arktis-Erfahrung. Ganz unbedarft war Donovan allerdings nicht. Wenige Wochen zuvor hatte er bei der Uraufführung des Südpol-Marathons am anderen Ende der Welt nach neun Stunden bei extremsten Bedingungen (3000 Meter Höhe, trockene Luft, minus 30 Grad) als erster die Ziellinie überquert – und hatte damit die anderen neun Teilnehmer hinter sich gelassen. Das spornte ihn an, gleich darauf zum Nordpol zu fliegen und auch hier, beim ersten Versuch noch ganz alleine, über die Marathondistanz zu laufen.

North Pole Marathon

 

Daraufhin gründete der Ire das Unternehmen Polar Running Adventures und veranstaltete nur ein Jahr später den ersten offiziellen Marathon-Wettbewerb am Nordpol. Vierzehn Mal sind seitdem insgesamt mehr als 350 Teilnehmer aus rund 40 Ländern an den Start gegangen. Allein die Anreise ist ein Abenteuer. Vom russischen Murmansk, wahlweise auch von Norwegen aus, geht es mit einem besonderen Flugzeug, das dank Skier unter dem Fahrwerk für derartige Verhältnisse geeignet ist, in das Barneo Ice Camp. Die mit zwei Turbotriebwerken ausgestattete Antonov AN-74 kann in Gebieten mit bis zu minus 60 Grad eingesetzt werden. In dem Basislager, das sich auf einer sich bewegenden Eisfläche befindet, warten beheizte Schlaf- und Gemeinschaftszelte.

North Pole Marathon

 

Die Strecke besteht aus einem vier Kilometer langen Rundkurs, der dementsprechend gut zehn Mal absolviert werden muss. Das Gelände ist hügelig, mit weichem Schnee bedeckt und eine wahre Augenweide – wenn man weiße Landschaften mag. Ausdauer ist gefragt. Denn die Witterung ist unvorhersehbar und unerbittlich. Arktische Temperaturen und eisige Winde sind – natürlich – keine Seltenheit. Auch deshalb variieren die Bestzeiten von Jahr zu Jahr. Der Rekord der Männer (3:36:10 Stunden, Thomas Maguire) stammt noch aus dem Jahr 2007, der der Frauen (4:52:45 Stunden, Anne-Marie Flammersfeld) aus 2014. Den erfolgreichen Teilnehmern übrigens gebührt eine besondere Ehre: Wer es über die Ziellinie schafft, dem winkt die Aufnahme in den „Marathon Grand Slam Club“, jenen Kreis von Läufern, die auf allen Kontinenten sowie am Nordpol einen Marathon absolviert haben. Derzeit gehören nur knapp 100 Läufer und Läuferinnen dazu.

North Pole Marathon

 

Doch nicht nur das macht den Nordpol-Marathon zu einer besonderen Veranstaltung. Der Wettbewerb ist der einzige Marathon der Welt, der auf Wasser gelaufen wird. Zwar auf gefrorenem, aber immerhin: Man läuft auf dem Arktischen Ozean. Der North Pole Marathon wurde außerdem von Guinness World Records als der nördlichste Marathon der Welt ausgezeichnet – was angesichts der geografischen Lage keine Überraschung ist. Der nächste Lauf findet statt am 9. April 2018. Das Teilnehmerfeld ist auf 55 Plätze beschränkt. Wer mitmachen will, sollte allerdings zwei Dinge bedenken: Will man zum einen wirklich in eines der letzten von Menschen nahezu unberührten Gebiete der Welt reisen, nur um die Laufschuhe zu schnüren? Und will man zum anderen die Teilnahmegebühr bezahlen? 16.000 Euro für einen Marathonlauf – auch das ist wohl ein Rekord.

North Pole Marathon

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