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Küss' dem König die Füße!

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22/09/2017
 

Dafür muss man kein Altgriechisch können – aber Interesse für die Antike ist von Vorteil: Beim Spartathon geht es 246 Kilometer unter sengender Sonne und bei Nacht von Athen nach Sparta, auf den Spuren eines historischen Griechenland-Laufs.


Der Wind heult. Es ist kalt. Und es ist stockdunkel. Nur mit einer Stirnlampe auf dem Kopf tasten sich die Teilnehmer des Ultralaufs „Spartathlon“ vorsichtig den 1200 Meter hohen Berg Parthenion empor. Nur ein paar batteriebetriebene Blinklichter markieren den Weg. Hier wandeln die Ultraläufer auf historischen Spuren der griechischen Geschichte, die über 2500 Jahre in die Vergangenheit führen.

Was für eine Aussicht: Teile der Strecke verlaufen direkt entlang des Mittelmeeres.

 

Genauer gesagt ins Jahr 490 vor Christus: Die persische Flotte ist gerade mit einem Heer im griechischen Marathon eingefallen. In Athen wird darüber beraten, wie der persische Einmarsch noch verhindert werden kann. Schließlich wird der Grieche Pheidippides aus Athen nach Sparta entsandt, um den spartanischen König Leonidas um Hilfe beim Kampf gegen die Perser zu bitten. Pheidippides war ein sogenannter Tageläufer. Tageläufer konnten gewaltige Strecken laufenderweise zurücklegen und waren so ein ideales Kommunikationsmittel im in einzelne Stadtstaaten zersplitterten Griechenland. Pheidippides erreichte Sparta Erzählungen zufolge bereits einen Tag nach seiner Abreise in Athen – genauer gesagt nach 36 Stunden.


„Was ein Grieche vor tausenden von Jahren konnte, das kann ich doch schon lange!“ So muss der britische Royal-Air-Force-Kommandeur John Foden gedacht haben, als er sich 1982 entschied, Pheidippides’ Laufleistung nachzueifern. Gemeinsam mit vier Freunden machte sich der geschichtsbegeisterte Griechenland-Fan daran, die Originalstrecke aus dem Jahr 490 vor Christus nachzulaufen – soweit dies möglich war. Und tatsächlich schafften es Foden und zwei seiner Freunde in etwa 36 Stunden, die Distanz von 246 Kilometern zwischen Athen und Sparta zu laufen. Fodens Erfolg gilt als die Geburtsstunde des Spartathlon. Beim diesem einigermaßen verrückten Lauf begeben sich jedes Jahr die besten Ultraläufer auf die historischen Spuren von Pheidippides. Der Ultralauf startet deshalb traditionell am letzten Freitag im September um 7 Uhr morgens, denn auch Pheidippides soll an einem letzten Freitag im September früh morgens aufgebrochen sein.

Geschafft: Ein Ultraläufer umarmt den steinernen Fuß der Statue von König Leonidas.

 

Am 29. September findet der Spartahtlon in diesem Jahr statt. Es ist bereits die 35. Auflage des Ultralaufes. 1983, beim ersten offiziellen Spartathlon, waren 45 Athleten an den Start gegangen. Dieses Jahr sind 399 Teilnehmer qualifiziert. Das Ziel aller Teilnehmer ist dabei keine klassische Ziellinie, die überquert werden muss. Gewonnen hat vielmehr derjenige, der als erstes vor der Statue von König Leonidas niederkniet und die Füße des Königs berührt.


246 Kilometer in weniger als 36 Stunden: Das sind die Rahmendaten des Spartathlon – selbst für erfahrene Ultraläufer eine Herausforderung unter tagsüber sengender Sonne. Yiannis Kouros schaffte die Strecke 1984 sogar in 20 Stunden und 25 Minuten zu absolvieren. Damit ist er bis heute der schnellste Läufer – und mit vier Siegen bei vier Teilnahmen auch der erfolgreichste Spartathlon-Teilnehmer. Die erfolgreichste Frau ist eine Deutsche. Helga Backhaus war zwischen 1994 und 1997 viermal in Serie die schnellste Teilnehmerin. Doch der Spartathlon bringt viele Athleten auch an ihre Grenzen.

Sparta, ich komme! Ein Teilnehmer läuft durch die idyllische Landschaft Griechenlands.

 

Nicht einmal jeder dritte Läufer erreicht letztlich die Königsstatue in Sparta. Dabei verfügen die Athleten heute im Gegensatz zum Tageläufer Pheidippides über das passende Schuhwerk. Doch um die steinernen Füße des Königs berühren zu können, kämpfen sich die Läufer über Schotter, Stein und Asphalt – bei tagsüber mindestens 28 Grad. 246 Kilometer: Das entspricht in etwa der Entfernung zwischen Hamburg und Berlin. Doch die Ultraläufer starten an der Akropolis. Ihr Weg verläuft über raues Gelände. Sie kreuzen Weinberge und Olivenhaine, laufen vorbei an alten griechischen Tempeln, um sich dann auf den 1200 Meter hohen Auf- und Abstieg des Parthenion zu begeben.


Wenn die Läufer den Berg erreichen, ist es lange dunkel geworden. Hier sind die Athleten Pheidippides wohl am nächsten: In 2500 Jahren hat sich hier wenig geändert. Es gibt noch immer keinen befestigten Weg. Einzig ein paar blinkende Leuchten und eine Stirnlampe mehr haben die Spartathlon-Läufer. Als enorme Herausforderung für Körper und Geist beschreibt der Veranstalter den Streckenabschnitt über den Parthenion. Selbst die austrainiertesten Athleten würden spätestens auf dem Abstieg anfangen zu halluzinieren. 

1200 Meter hoch – der Parthenion gilt als besonders große Herausforderung.

 

Der Würzburger Florian Reus hat Respekt vor dem Parthenion: „Das sind steile und geröllige Bergab-Passagen, die es in sich haben. Wer hier nicht konzentriert ist, für den kann es böse enden." Reus gewann den Spartathlon 2015. Er gibt offen zu, dass die Angst beim Spartathlon mitläuft. „Das mag absurd klingen, doch ich habe meine besten Leistungen immer dann erbracht, wenn ich vor dem Wettkampf und den damit verbundenen Strapazen eine gehörige Portion Angst hatte", sagt der heute 33-Jährige.


Ob Angst, Erschöpfung oder Schmerz: Alles tritt für die Sportler in den Hintergrund, wenn sie vor der Statue von König Leonidas niederknien und einen der steinernen Füße küssen. Pheidippides wurde vor 2500 Jahren übrigens vom spartanischen König direkt wieder zurück nach Athen geschickt. Das bleibt den Teilnehmern heute erspart. 

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