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Kampf bei Sturm, Blitz und Donner

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16/10/2017
 

Gewitterstürme, sintflutartige Regenfälle, Geisterstädte, Bären und Berglöwen: Wer das als optimale Laufbedingungen ansieht, für den ist der Ultralauf Hardrock 100 in den Rocky Mountains exakt das richtige Laufabenteuer.


Kilian Jornet beugt sich vor. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt. Den linken Arm hält der Spanier in einer Schlinge eng an den eigenen Körper gepresst. Er hat sich die Schulter ausgekugelt. Mit dem rechten Arm berührt er den „Hardrock“ – das gemalte Bild eines Widderkopfes, das auf einem Stein prangt.  Ein symbolischer Akt zum Ende des Laufs, das Berühren des Steins ersetzt die Ziellinie. Gerade hat er den diesjährigen Hardrock 100 gewonnen – einen Ultralauf durch Schnee, Wasser, Gewitter und Sturm in durchschnittlich 3500 Metern Höhe.

Wer keinen Schnee mag, sollte den Hardrock 100 besser meiden. 

 

100,5 Meilen. Das sind etwas mehr als 160 Kilometer, die der Hardrock 100 die Teilnehmer des Ultralaufs durch die Rocky Mountains führt. Was in der beschaulichen Gemeinde Silverton in Colorado beginnt, ist danach jedoch alles andere als beschaulich. Denn anschließend beginnt ein regelrechter Kampf gegen die Elemente, bei einer Höhendifferenz von 10.000 Metern, die während des Laufs überwunden werden muss: Die Ultraläufer waten durch Flüsse, steigen steile Bergkuppen empor, wühlen sich durch Schneedecken und kämpfen gegen die extremen Wetterbedingungen. Hier ist passendes Schuhwerk gefragt. Innerhalb von 48 Stunden müssen die Teilnehmer wieder zurück in Silverton sein. Die Gemeinde direkt am Rand des San-Juan-Gebirges – einer Gebirgskette der Rocky Mountains – mit gerade mal 630 Einwohnern bildet auch das Ziel des Ultralaufes. 


Das Zeitfenster ist mit 48 Stunden vermeintlich großzügig ausgelegt, um die Sicherheit der Athleten zu garantieren. Denn gerade das Wetter hat erheblichen Einfluss auf den Hardrock 100. Die Phase, in der das Gelände des Hardrock 100 weitestgehend vom Schnee befreit ist, die sommerlichen Starkregenfälle aber noch nicht voll eingesetzt haben, ist kurz. Die Veranstalter versuchen den Lauf deshalb genau in diesem kleinen Fenster zu platzieren. Doch genaue Vorhersagen sind fast unmöglich.

Trügerisches Bild… Läufer des Hardrock 100. 

 

Das Wetter wurde auch dem Spanier Kilian Jornet bei seinem Sieg 2017 beinahe zum Verhängnis. Nach 13 der 100 zu absolvierenden Meilen rutschte er in den Bergen im Schnee aus und verletzte sich dabei schwer an der Schulter. „Am Anfang war es schmerzhaft, dann wurde es besser, aber dann, als der Sturm losbrach, wurde es richtig schmerzhaft", sagte Jornet nach dem Rennen. Er ließ die Schulter notdürftig ärztlich behandeln und lief den Rest des Hardrock 100 mit einem Arm in der Schlinge zu Ende. Erschwerte Bedingungen bei einem Lauf, der es eh schon in sich hat.


Denn Jahr für Jahr wird der Hardrock 100 von fiesen Monsunregen heimgesucht. Der typische Monsun kann für die Ultraläufer schnell sehr gefährlich werden: Der Tag startet zwar oft mit blauem Himmel, doch je mehr sich die Luft im Laufe des Tages erwärmt, desto dunkler werden die Gewitterschwaden, die über den Rocky Mountains aufziehen. Am späten Nachmittag kommt es dann zu sintflutartigen Regenfällen und schweren Gewitterstürmen. Ans Laufen ist dann nicht zu denken. Deshalb sind die Läufer dazu aufgefordert, die Gipfel des Gebirges am Nachmittag verlassen zu haben. Nicht immer klappt das. 2014 wurde der Kanadier Adam Campbell in den Bergen von einem Unwetter überrascht und nur ganz knapp von einem einschlagenden Blitz verfehlt. Die Batterie seiner Stirnlampe brannte aufgrund der massiven Hitze komplett aus. Campbell blieb glücklicherweise unverletzt und beendete den Hardrock 100 damals sogar noch als drittplatzierter.

Steil bergauf: Die Ultraläufer kämpfen sich eine Höhendifferenz von 10.000 Metern auf und ab. 

 

Aber auch abseits des Wetters hat der Hardrock 100 einiges zu bieten. Der Wettbewerb führt zum Beispiel durch die Ruinen von Sherman, einem ehemaligen Bergbau-Außenposten, der heute zur Geisterstadt verkommen ist. Aufgrund der unterschiedlichen Höhen, die erklommen werden, durchlaufen die Ultrasportler gleich mehrere Klimazonen. Dabei bleibt es nicht aus, dass die Läufer auch auf verschiedene Wildtiere treffen. Nicht selten passiert es, dass ein Elch mit seinen Jungen den Weg der Athleten kreuzt. Auch Bären und Berglöwen wurden bereits angetroffen.


Seit 1992 findet der Ultralauf in den Rocky Mountains jährlich statt. Besonderheit: Der Hardrock 100 ist ein Rundkurs, der Jahr für Jahr abwechselnd im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn absolviert wird, um zu gewährleisten, dass den Teilnehmern nicht langweilig wird. Zweimal musste selbst der Hardrock 100 dem Wetter gegenüber kleinbeigeben; die äußeren Bedingungen waren so extrem, dass an einen Ultralauf nicht zu denken war: 1995 war nahezu die komplette Strecke unter massiven Schneemassen begraben und 2002 verhinderten flächendeckende Waldbrände den Lauf. Der nächste Hardrock 100 startet am 20. Juli 2018.

Der Hardrock 100 führt die Teilnehmer 100 Meilen durch die Rocky Mountains.

 

Der Hardrock 100-Ultralauf ist übrigens nur einer von fünf Läufen des „Rocky Mountain Slam“, einem der weltweit härtesten Ultralaufwettkämpfe. Um diesen zu bestehen muss der Athlet neben dem Hardrock 100 noch drei der folgenden vier Läufe durch die Rocky Mountains erfolgreich beenden: Den Leadville Trail 100, den Bear 100 Mile Endurance Run, den Bighorn 100 oder den Wasatch Front 100 Mile Endurance Run.


Immer wachsam: In den Bergen begegnen die Läufer nicht selten Elchen, Bären und Berglöwen.

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