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Dschungelbuch brutal

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08/11/2017
 

Er gilt als der gefährlichste Abenteuerlauf der Welt: der "Jungle Marathon" im brasilianischen Regenwald. Blasen an den Füßen und Krämpfe in der Wade? Darüber lachen die Teilnehmer, angesichts von Schlangen, fleischfressenden Pflanzen und tödlichen Spinnen.


Brasilien, das ist für viele Fußball, Piña Colada und Copacabana. Manche aber verbinden mit Brasilien vor allem Raubkatzen, Piranhas und Anakondas. Nein, hier ist nicht von Survival-König Rüdiger Nehberg die Rede. Sondern von einer ganz besonderen Spezies von Überlebenskünstlern: den Teilnehmern des Jungle Marathons im brasilianischen Tapajós-Nationalpark. 254 Kilometer Laufstrecke durch unwegsames Dschungelterrain im Amazonas-Regenwald, Flussüberquerungen, bei denen Piranhas oder Anakondas im Wasser lauern – und eine Luftfeuchtigkeit von fast hundert Prozent bei vierzig Grad im Schatten. Das sind nur einige der Fakten des vielleicht gefährlichsten Ultralaufs der Welt. Wer hier teilnimmt, muss ein Nervenkostüm aus Stahl haben. Oder gar keine Nerven.

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Bevor immer im Oktober der Startschuss zum abenteuerlichen Wettkampf ertönt, müssen die Teilnehmer an einem Dschungel-Überlebenstraining teilnehmen. Zwei Tage haben sie Zeit, sich zu akklimatisieren und die Ratschläge der Dschungel-Guides zu verinnerlichen. Solche Tipps sind: „So wenig wie möglich berühren", "Allem aus dem Weg gehen, was sich bewegt" oder: „Einen Jaguar riecht man bevor man ihn sieht.“ Gerade Letzterer ist ein entscheidender Tipp, denn der Jaguar gilt als König des Amazonas-Regenwaldes. Sein Name stammt von dem indianischen Wort yaguar ab und bedeutet so viel wie: „der Räuber, der seine Beute mit einem einzigen Sprung erlegt.“ Und Beute, das kann vieles sein: Kleintiere, Großtiere, Ultraläufer…

 

Nachdem das Überlebenstraining abgeschlossen ist, geht es dann in die Wildnis. Zum "Jungle Marathon", dem einzig wahren Dschungel-Marathon. Sechs Etappen stehen in den nächsten sechs Tagen auf dem Programm. Und das ist tatsächlich wie ein Überlebenskampf. Geschick, Mut und Kraft sind Grundvoraussetzungen zum erfolgreichen Bestehen. Vor allem auch Kraft: Jeder Teilnehmer trägt seine komplette Ausrüstung inklusive Verpflegung für eine ganze Woche. Lediglich Wasser wird vom Veranstalter gestellt. Das macht eine Traglast von rund 12 Kilogramm. Schon die Planung kann also über Sieg oder Niederlage entscheiden. Und immer wieder durchkreuzen natürliche Hindernisse den Weg. Da sind daumengroße Ameisen in ganzen Kolonien, deren Bisse verheerend schmerzen. Immer wieder müssen Sümpfe durchquert werden – ohne zu wissen, wie tief diese sind und wer sie bewohnt. Vor allem Schlangen und Stachelrochen sind zu erwarten. Ist der Sumpf tiefer als man selbst, muss mitsamt Gepäck geschwommen oder sogar getaucht werden. Die zu erwartende Abkühlung bleibt natürlich aus, das Sumpfwasser ist warm. Der ganze Lauf ist geprägt von quälender Hitze. „Trink oder stirb“, heißt es unter anderem auch im Überlebenstraining. An die zwölf Liter trinken die Teilnehmer während des Wettkampfes an einem Tag. Nachgefüllt wird an Checkpoints entlang der Strecke. Ins Ziel kommen übrigens die wenigsten. Viele Teilnehmer verlaufen sich, trotz Trailmarkierungen, scheiden aufgrund von Verletzungen aus oder geben freiwillig auf.

 

Gegen 18.30 Uhr, wenn es dunkel wird, sollte jeden Abend das Nachtlager erreicht werden. Geschlafen wird unter freiem Himmel in Hängematten. Viele Gedanken machen sich die Teilnehmer dann wohl nicht mehr. „Schlaf und Nahrung, an mehr ist nicht zu denken“, sagt einer der Teilnehmer. Später sollte auch keiner ins Camp kommen. Nachts sind die Trails für die Läufer gesperrt, dann erwacht der Dschungel. Brüllende Gorillas, singende Paradiesvögel oder Vertreter der über tausend Froscharten – alle Tiere geben ihr nächtliches Statement ab. Schätzungen von Wissenschaftlern zufolge wurden erst zehn Prozent aller im Amazonas-Dschungel vorkommenden Spezies entdeckt. Wer also weiß, auf wen oder was beim Dschungel-Marathon zu treffen ist? Aber immerhin: Um das Nachtlager positionieren sich bewaffnete Einheimische. Man weiß ja nie, ob sich gerade ein hungriger Jaguar anschleicht.

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