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700 Kilometer bei minus 50 Grad

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09/11/2017
 

Grizzlybären und Wölfe, arktische Kälte und pfeilschnelle Windböen – der "Montane Yukon Arctic Ultra" durch die kanadische Wildnis ist einer der schönsten und einsamsten, vor allem aber kältesten und gefährlichsten Extremläufe der Welt.


„Du nimmst auf eigene Gefahr teil!“ Das ist Punkt eins des offiziellen Regelwerks des "Montane Yukon Arctic Ultra"-Extremlaufs. Es ist der Wichtigste. Denn wer hier teilnimmt, begibt sich in lebensfeindliches Gebiet. Temperaturen von bis zu minus 50 Grad, Windböen von rund 80 Kilometern pro Stunde und tagelange Einsamkeit in der unendlich weiten Wildnis des Yukon-Territoriums, dem vereisten Gebiet Nord-Kanadas.

Fotos: Joe Bishop 

 

Der Yukon Arctic Ultra gilt als das härteste und kälteste Ultrarennen der Welt. Jedes Jahr im Januar, wenn die Sonne erst um 10 Uhr auf- und schon um 17 Uhr untergeht, versammeln sich die abenteuerlustigsten Extremsportler im kanadischen Whitehorse am Yukon-Fluss, um auf eine ihrer gefährlichsten Lauf-Exkursionen zu gehen. Gelaufen wird also größtenteils auch in der Dunkelheit. Die Teilnehmer entscheiden sich zwischen den Disziplinen "marathon", "100 mile", "300 mile" oder "430 mile". Die letzte ist die Königsdisziplin: 700 Kilometer durch die Wildnis, entweder zu Fuß, mit Langlaufski oder dem Mountainbike. Die Strecke folgt dem Yukon Quest, dem legendärsten Hundeschlitten-Rennen der Welt, das einen Tag vorher auf seine 1.500 Meter lange Strecke geht. Abgesehen von der Marathon-Distanz gleicht die Lauf-Veranstaltung mehr einer Expedition als einem Wettlauf. Von Laufen kann ohnehin nicht die Rede sein. Als wären tiefer und weicher Neuschnee oder spiegelglattes Eis nicht Hindernisse genug, müssen die Läufer ihre komplette Verpflegung und Ausrüstung auf einem Plastikschlitten hinter sich herziehen. Und die Liste der Pflichtausrüstung ist lang: Biwaksack, Erste-Hilfe-Set, Lawinenschaufel und Notfallnahrung für mindestens 48 Stunden – das sind nur einige der Utensilien, die man beim Yukon Arctic Ultra mitnehmen muss. Die Läufer auf den Trails gehen jedes Jahr über die körperliche Belastungsgrenze. Vier Stunden Schlaf, zwanzig Stunden auf den Beinen – so sieht der tägliche Rhythmus aus. Die vorgegebenen Zeitlimits für die Distanzen tun ihr übriges: die berüchtigten knapp 700 Kilometer etwa müssen in maximal dreizehn Tagen absolviert werden. Immer wieder gibt es Checkpoints, die innerhalb eines vorgeschriebenen Zeitfensters erreicht werden müssen. Eine warme Mahlzeit, ein Lagerfeuer sowie ein Schlafplatz erwarten die Läufer – wenn sie denn ankommen. Nicht selten kommt es vor, dass Läufer aufgeben und mit dem Schneemobil evakuiert werden müssen.

Fotos: Joe Bishop 

 

Und auch wenn die Planung vorsieht, einen Checkpoint zum Schlafen zu erreichen – die Natur ist Teil des Spiels. "Endlose Seen mit grausam schlechtem Untergrund brachten mich an den Rand der Verzweiflung. Also – wieder eine Nacht im Schnee“, berichtete beispielsweise der Deutsche Christian Scheuerer in einem Erlebnisbericht. Da wird dann einige Meter vom Trail entfernt ein Schlafplatz geschaufelt, Biwak und Schlafsack werden ausgepackt und es wird geschlafen – und gefroren. Mitten in der arktischen Wildnis. Komplett alleine. Zwischen Grizzlys, Wölfen und Braunbären. Kälte und Einsamkeit, sagt der Veranstalter Robert Pollhammer, seien die größten Herausforderungen. „70 Prozent des Erfolgs – oder Misserfolgs – ist Kopfsache.“

 

Es klingt nach Qual, es klingt nach Gefahr oder nach Irrsinn – doch das Rennen ist mehr als ein Lauf, auch mehr als eine Expedition. Es ist ein Abenteuer. Laufen in der Natur, schlafen unter einem Sternenhimmel, unter magischen Polarlichtern – wer sich auf die Trails des Yukon Arctic Ultra begibt, hat mehr im Sinn, als nur einen sportlichen Wettkampf zu bestreiten. Das weiß auch Pollhammer, der von Menschen berichtet, die nach der Erfahrung ihren Job kündigten und die Scheidung einreichten, die sich während des Laufs verliebten und später heirateten. Trotz der extremen Zustände, der körperlichen Belastung und der mentalen Herausforderung kann beim Yukon-Lauf eine Art meditative Stimmung aufkommen, man fühlt sich mit der Natur im Einklang. Scheuerer schreibt gegen Ende seines Erlebnisberichts: „Ich war glücklich das alles erleben zu dürfen! Glücklich, im Schlafsack zu liegen, das Nordlicht zu sehen, den Schnee und die Kälte zu spüren. Wie wahnsinnig und wie deutlich konnte man hier das pure Leben spüren!“

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