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Der heißeste Lauf der Welt

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07/12/2017
 

Die iranische Wüste Lut gilt als heißester Ort der Erde. Kann es sein, dass bei Rekordtemperaturen um die 70 Grad Menschen freiwillig zum Wettrennen antreten? Es kann: Beim Iranian Silk Road Ultramarathon werden 250 Kilometer in sechs Tagen gelaufen.


Es ist heiß, sehr heiß, als die Läufergruppe ins iranische Dorf Shahdad kommt. Kinder jubeln den Sportlern laut zu, die ganze Dorfgemeinschaft erwartet sie schon. Es wird getrommelt, es werden Blumensträuße gereicht, sogar der Bürgermeister zeigt sich. Ein selten ausgelassenes Willkommen, auch für den erfahrenen Ultraläufer Rafael Fuchsgruber. Er ist einer von 25 Teilnehmern, die auf dem Weg zur Premiere des Iranian Silk Road Ultramarathons (ISRU) sind. Shahdad ist der Zivilisationsposten, bevor es an die Start-Linie geht. Dieser Empfang in der kleinen Dorfgemeinschaft spendet noch einmal Kraft. Kraft, die nötig ist, denn Shahdad gilt offiziell als das heißeste Dorf der Erde. Und wenn es am nächsten Tag an den Start geht, dann wird`s noch mal richtig heiß. Der Ultramarathon führt durch die Wüste Dasht-e Lut im südöstlichen Iran, dem heißesten Ort der Erde. 250 Kilometer, sechs Tage Zeit und an Rekordtagen 78,2 Grad Celsius – kalte Füße bekommt beim Lauf auf der alten persischen Seidenstraße keiner.

Fotos: neuperTainment

 

„Wenn du in die Wüste gehst, kann es passieren, dass du als ein anderer zurückkommst“, sagt ein altes Sprichwort bei den Beduinen. Auch Fuchsgruber kennt das Phänomen. „Das Denken verändert sich“, sagt der deutsche Wüstenläufer. „Deine eigene Sicht auf die Welt und das Leben, das wird wichtig.“ (Lesen Sie HIER das vollständige GripWorld-Interview mit Rafael Fuchsgruber). Und auch die anderen Läufer sind auf dem besten Wege, es herauszufinden. Denn in den nächsten Tagen werden alle an ihre körperlichen und mentalen Grenzen stoßen. Zwei Distanzen können in je sechs Etappen gelaufen werden. Entweder 180 oder 250 Kilometer. Unentwegt durch menschenleeres Terrain. Durch Stein-, Sand- und Salzwüste. Vorbei an Schlangen, Skorpionen und Riesenspinnen. Dazu bepackt mit einem 10-Kilo-Rucksack mit Verpflegung, Schlafsack und der Pflichtausrüstung. Und immer wieder braust ein Geländewagen durch die Wüste und versorgt die Läufer mit Wasser. Zwölf Liter brauchen die Läufer – pro Tag. Und dieser Ort ist nicht nur aufgrund der Hitze etwas Besonderes. Die Etappen führen durch eine Art iranischen Grand Canyon. Es geht durch das Dolphin Valley, dessen Felsformation wie eine Delfinfamilie aussieht. Und auch durch einen Salzfluss müssen die Läufer waten. Das ist der Wettlauf an einem der extremsten Orte der Welt. Dasht-e Lut bedeutet wörtlich übersetzt: Leere Wüste. Hinweise auf menschliches Leben? Fehlanzeige. Auf den Etappen kann es dann sehr einsam und still werden. Fuchsgruber genießt das. „Die Wüste schafft es, viele unserer lauten Gedanken, die wir täglich mit uns herum tragen, leise zu machen“, erzählt er später.

Fotos: neuperTainment

 

Nur nachts, da sind Begleitcrew und Läufer beisammen. Für jede Nacht wird ein Camp aus Beduinenzelten mitten in der Wüste errichtet. Abends sitzen einige noch am Lagerfeuer, andere lassen sich medizinisch versorgen oder liegen schon tief schlafend in den Zelten. Denn die nächste Etappe beginnt schon vor dem Sonnenaufgang, vor der sengenden Hitze. Doch plötzlich: Sand und Wind. Wind und Sand. Eine kurze Aufregung geht durchs Camp, Zelte und Ausrüstung müssen festgehalten werden. Zwanzig Minuten, ein leichter Anflug von Panik, dann ist alles vorbei. Ja, auch einen Sandsturm hält Dasht-e Lut für die Premiere bereit.

 

Und der Lauf ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Seit der Revolution im Iran 1978 ist es die erste Sportveranstaltung, bei der Frauen und Männer gemeinsam antreten dürfen. Und es ist mit 25 Läufern aus neun Nationen der erste international besetzte Laufwettbewerb im Iran überhaupt. Außerdem ist es die Uraufführung, von der es seit 2016 jedes Jahr im September eine Neuauflage gibt und geben soll. Rafael Fuchsgruber feiert beim ISRU sein zehnjähriges Wüstenjubiläum. Am Ende wird er den Lauf als eine seiner schönsten Wüstenerfahrungen bezeichnen. Die Natur, die Organisation, die iranische Gastfreundschaft – alles perfekt. Aufgrund einer Knieverletzung hat er sich für die kurze Distanz entschieden. Der Erfahrene wird sie gewinnen. Steffen Neupert, seit diesem Jahr Repräsentant des ISRU für den deutschsprachigen Raum, begleitet den Ultramarathoni mit der Kamera für eine Dokumentation (bald zu sehen auf: www.youtube.nobs-blog.de). Selbst als Begleitperson kommt er an seine Grenzen. „Die Temperaturen sind so hoch, dass man sich im Fieberzustand befindet“, schreibt er auf seinem Blog. Die Höchsttemperatur auf dem Thermometer ist auch durchaus beängstigend: 61 Grad Celsius. Das ist nicht nur für die Läufer ein immenser Kraftakt, selbst die Organisatoren sind körperlich gefordert. Doch es hat auch seine Vorteile. „Tee kann ohne Kocher zubereitet werden. Teebeutel einfach rein ins Wasser – fertig. Alles heiß“, merkt Fuchsgruber ironisch an.

Fotos: neuperTainment

 

Ins Ziel kommen sie am Ende alle – und zwar zusammen. In dem Dorf Jahar überqueren Läufer und Crew die Ziellinie als geschlossene Gruppe. Und am nächsten Tag geht es zur Abschlussfeier nach Kerman. In einen Palast. Während die Teilnehmer über den roten Teppich laufen, startet links und rechts ein Feuerwerk. Das ist mal ein gebührender Abschluss.

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