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Marathon süß-sauer

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18/12/2017
 

Die Chinesische Mauer ist das größte Bauwerk der Welt – und Bühne für einen der härtesten Marathonläufe überhaupt. Beim Great Wall Marathon müssen auch 5164 Treppenstufen überwunden werden.


Wenn das der Kaiser gewusst hätte. Da begann er doch einst, diese sagenumwobene Mauer bauen zu lassen, die später als das größte Bauwerk der Erde gelten würde. Über Jahrhunderte hinweg wurde sie ausgebaut, instand gehalten und restauriert. Alles mit dem einen Ziel: das chinesische Kaiserreich vor Invasoren aus fremden Ländern zu schützen. Und was passiert nun jedes Jahr im Mai? Rund 2500 Menschen aus mittlerweile mehr als 60 Nationen treffen sich auf eben dieser Mauer zu einem Laufwettbewerb. So eine Multikultiveranstaltung hätte der erste Kaiser der Qin Dynastie im Jahre 230 v. Chr. auf seiner Mauer sicher nicht geduldet. Die Rede ist vom Great Wall Marathon – einem der härtesten Marathons auf der berühmtesten Mauer der Welt, der Chinesischen Mauer.

Fotos: Albatros Adventure Marathons

 

Der Marathon, der mittlerweile seit 1999 jedes Jahr im Mai gelaufen wird, gilt als einer der anspruchsvollsten Laufwettbewerbe über die klassische Marathon-Distanz weltweit überhaupt. Ein Marathon süß-sauer: mit beindruckenden, lieblichen Ausblicken und zugleich so anstrengend wie kaum ein anderen Marathon. Nicht nur Temperaturen von 35 Grad Celsius und mehr machen den Teilnehmern zu schaffen. Es ist vor allem die Strecke, die Ehrfurcht verbreitet – und das nicht nur wegen all der Mythen, die sich über die Mauer erzählt werden. Genau genommen ist die Streckenführung zwar nur 38 Kilometer lang. Dennoch gilt der Lauf als ein Marathon, denn nach internationalen Vereinbarungen können bei Extremläufen die Höhen von Treppenstufen mit als Länge gewertet werden. Und die Stufen beim Great Wall Marathon haben es in sich. 5164 sind es an der Zahl. Und eben nicht 5164 genormte Treppenstufen, wie sie vielleicht in einem Pekinger Bürohaus zu erwarten sind. Nein, diese Stufen sind uneben, manchmal schon fast verfallen, teils kniehoch – sie machen den Marathon zu einem Hindernislauf. Da müssen selbst Profi-Läufer von ihrer Routine abweichen. Höchste Konzentration ist angesagt. Und auf vielen Abschnitten wird aus dem Laufen ein Gehen. Teilweise sind auch Teilnehmer zu beobachten, die vor allem die Stufen lieber auf allen Vieren bewältigen. Der ständige Blick nach unten, bloß kein Fehltritt, bloß keine Verletzung in Kauf nehmen – wer das großartige Panorama von den Giebeln der Mauer genießen will, sollte lieber als Tourist wiederkommen.

Fotos: Albatros Adventure Marathons

 

Startpunkt des Marathons ist der Ying-Yang-Platz bei Huangyaguan in der Provinz Tianjin, ungefähr 150 Kilometer nordöstlich von Peking in den Bergen gelegen. Nach dem Startschuss in der Huangyaguan-Festung führt der Lauf zunächst durch einige Bergdörfer. Da warten dann ganze Schulklassen und jubeln der Menge zu. Kleine Kinder reichen selbstgepflückte Feldblumensträuße an die Läufer. Und immer wieder warten tückische An- und Abstiege mit bis zu 25 Prozent Steigung. Und so geht es immer weiter. Ein Paar Kilometer auf der Mauer, das Durchqueren von Wachtürmen, dann wieder hinunter aufs Land. Und schlussendlich geht es zum Zieleinlauf wieder auf die Mauer. Vor allem der Schlussteil verlangt den Teilnehmern nochmal alles ab: Hoch auf einen Felsen, dann ein finaler Stolperkurs zwischen Zinnen und Alarmfeuertürmen. Die persönlich Bestzeit oder gar einen Weltrekord? Solche Vorhaben werden von der Mauer schon mit den ersten Stufen zunichte gemacht.

 

Dennoch: Die Chinesische Mauer ist prädestiniert dafür, über sich hinauszuwachsen. Sie gilt als das größte, jemals von Menschen errichtete Bauwerk mit einer Bauzeit von mehr als 1500 Jahren. Sie gehört zu den neuen sieben Weltwundern, man kann sie sogar aus dem Weltraum sehen, wie Astronauten berichtet haben – allerdings nicht vom Mond aus, wie oft fälschlich berichtet wird. Und nach neuesten Angaben aus dem Jahre 2012 von dem Chinesischen Kulturministerium hat sie – mit allen bekannten Abzweigungen – eine Länge von 21.196 Kilometer. Das entspricht ungefähr der Entfernung von England nach Australien. Wer sich also zum Great Wall Marathon aufmacht, begibt sich nicht nur in kaiserliches Gebiet, sondern auch auf eine Reise der Superlative.

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