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Die Gipfelstürmer von Radebeul

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16/01/2018
 

In Radebeul wird jedes Jahr der höchste Berg der Welt bestiegen – symbolisch. Beim "Mt. Everest Treppenmarathon" werden exakt 8848 Höhenmeter überwunden.


„Wir haben einfach einen Berg bestiegen, na und?“, sagte Sir Edmund Hillary im Mai 1953. Ein vielleicht kleiner Satz für ihn, aber ein großer für die Menschheit. Denn zusammen mit Tenzing Norgay war er der erste Mensch, der den Gipfel des als unbezwingbar geltenden Mount Everest erreicht hatte. Dass er diese Leistung mit einer vermeintlichen Gleichgültigkeit kommentierte mag verwundern, hatte er doch das geschafft, wovon viele Extremsportler träumen. Einmal im Leben die 8848 Meter erklimmen. Einmal wissen, wie es sich anfühlt, auf dem "Dach der Welt" zu stehen. Einmal den höchsten Punkt der Erde erreicht zu haben. Im sächsischen Radebeuel kann dieser Traum – zumindest fast – in Erfüllung gehen: beim "Mt. Everest Treppenmarathon".

 

Natürlich ist in Radebeul kein zweiter Rekord-Achttausender aus dem Boden Sachsens gewachsen. Und natürlich begibt man sich nicht auf eine mehrtägige Expedition durch Schneegestöber mit Sauerstoffmasken. Dennoch: Der Treppenmarathon hat es richtig in sich und wurde von der Deutschen Ultramarathonvereinigung als der „schwerste und größte Extremtreppenlauf der Welt“ bezeichnet. Zwar ist die Aussicht von oben dezent anders als die im hohen Himalaya, aber durchaus sehenswert.

 

Protagonistin des Events ist die 1747 gebaute Spitzhaustreppe, die durch die Radebeuler Weinberge bis zum sogenannten Muschelpavillon führt. Läuft man die 397-stufige Treppe 100 Mal rauf und runter, mit je an Anfang und Ende einem kleinen Rundkurs auf ebener Strecke, ergibt das eine Gesamtlänge von 84,4 Kilometern, also einen doppelten Marathon. Zu bewältigen sind beim Aufstieg insgesamt 39.700 Stufen, was genau genommen 79.400 Stufen bedeutet, da die Treppe auch wieder heruntergelaufen wird. Allein der wiederholte Treppen-Aufstieg entspricht exakt 8848 Höhenmetern. Also genau von der Höhe Normalnull auf den Gipfel des Mount Everests – und wieder zurück. Mindestens. Denn der Lauf ist als 24-Stunden-Lauf angelegt. Wer möchte, kann also noch ein paar Runden drauflegen. Wie zum Beispiel Andreas Allwang, der 2015 den bisherigen Rekord aufstellte: 156 Runden in 24 Stunden, das entspricht einer über 131 Kilometer langen Laufstrecke, 13.800 Höhenmeter und 61.932 Treppenstufen – beziehungsweise natürlich 132.864 Treppenstufen. Ob er danach so etwas sagte wie „Ich habe einfach nur eine Treppe bestiegen, na und?“ – das ist nicht überliefert.

 

Der Lauf, beziehungsweise der Anstieg auf der Treppe, findet seit 2005 jährlich im April statt und erfreut sich seit Jahren immer größer werdender Beliebtheit. Sind bei der Premiere noch 28 Teilnehmer in der Einzeldisziplin an den Start gegangen, waren es 2017 schon 62, von denen einige sogar extra aus Bogota (Kolumbien) oder Osaka ( Japan) angereist waren. Entstanden ist die Idee, als bei einer Leipziger Ausstellung das weltgrößte Panoramabild vom Mount Everest gezeigt wurde. Dies hinterließ einen so bleibenden Eindruck, dass die Idee aufkam, so einen Aufstieg auch in Sachsen zu ermöglichen. Und zwar um die Ecke. Im Rahmen eines Wettbewerbes. Der erste Ultratreppenlauf der Welt war geboren.

 

George Mallory, der 1924 beim Versuch, den Gipfel des Mount Everests zu besteigen, umkam, antwortete einmal auf die Frage, warum er unbedingt auf den Gipfel wolle: „Weil er da ist.“ Den Ultramarathoni geht es da ähnlich. Haben sie eine Herausforderung gefunden, nehmen sie sie an – weil sie da ist. Und wenn Extremläufe wie der Dschungel-Marathon in Brasilien, der Lauf durch die heiße Wüste Lut im Iran oder ein Marathon am Nordpol schon abgehakt sind, dann ist so ein Treppendoppelmarathon eben das Einmalige, das auf so einer Liste noch fehlt. Und glaubt man den Worten Edmund Hillarys, bringt so ein Anstieg noch eine weitere Komponente mit sich: „Nicht der Berg ist es, den man bezwingt, sondern das eigene Ich.“ Und das geht auch in Sachsen.

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