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Wenn dich plötzlich ein Alien überholt...

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26/01/2018
 

Jedes Jahr veranstalten selbsternannte UFO-Experten einen Wettlauf durch die Wüste Nevadas – bei Vollmond, und natürlich auf dem "Highway der Außerirdischen": Willkommen beim „E.T. Fullmoon Marathon“.


Es ist dunkel. Gespenstische Nebelschwaden ziehen durch den Wald. Ein merkwürdiges, langfingriges Wesen sitzt, leicht bedeckt von einem weißen Handtuch, in einem Fahrradkorb, am Lenker ein kleiner Junge. Plötzlich fährt das Fahrrad über eine Klippe – und hebt ab, fliegt hoch in die Lüfte über die Baumkronen hinweg. Groß und hell hat sich der Vollmond auf seinen Weg gemacht, während in seinem Lichtschein die Silhouette des kleinen Fahrrad-Duos zu sehen ist. Diese Szene aus Steven Spielbergs Alien-Klassiker "E.T. – der Außerirdische" aus dem Jahr 1982 ging in die Filmgeschichte ein. Das beliebte Motiv: Die Frage nach außerirdischem Leben. Und darum geht es auch jedes Jahr im August in der Wüste von Nevada, in der Nähe des kleinen 100-Seelen-Dorfs Rachel. Dann nämlich, um Mitternacht, treffen sich tausende selbst ernannte Aliens, um einem besonderen Ereignis beizuwohnen: dem „E.T. Full Moon Marathon“. Wobei bei den Teilnehmern dieses verrückten Laufes meist nur das Outfit tatsächlich außerirdisch ist…

Seit 1996 hat die Route 375 einen neuen Namen: Extraterrestrial Highway (dt.: Autobahn der Außerirdischen). Da hat die Regierung mal Selbstironie bewiesen. Foto: M. Bradford

 

Ein spektakuläres Bild ist es trotzdem. Die Weite der Wüste, eine Horde verkleideter Menschen mit Plastik-Tentakeln, giftgrünen Ballettröckchen und bunten Blinklampen am Körper, dazu der mit Sternen gefüllte Nachthimmel und natürlich der Vollmond – da ist Spannung garantiert. Die Streckenführung ist simpel, nahezu konsequent. Auf der Nevada State Route 375, ungefähr 200 Kilometer nordöstlich von Las Vegas, liegt der Start. Und 42,195 geradeaus verlaufende Kilometer später liegt das Ziel in Rachel. Abgesperrt wird die Route nicht. Wenn, ja, wenn überhaupt ein Auto vorbeifährt, dann sind die beleuchteten Läufer ohnehin schon aus der Ferne zu sehen. Ansonsten liegt links und rechts die Wüste, eine marsähnliche Landschaft. Alle fünf Kilometer wartet bisschen menschliche Zivilisation: der Verpflegungsstand mit Obst und Getränken. Gelaufen werden können neben der üblichen Marathon-Distanz auch ein Halbmarathon, ein Fünf- oder Zehnkilometerlauf sowie die Ultra-Variante mit 51 Kilometern.

Warnschilder entlang des Außerirdischen-Highways: Bei unerlaubtem Betreten des "Area 51"-Geländes warten Strafen von bis zu 1000 Dollar oder sechs Monate Inhaftierung. Foto: Tim1337

 

Dass es diese ungewöhnliche Ultra-Distanz überhaupt gibt, hat einen ganz besonderen Grund: Die Nevada State Route 375 ist als einziger Zubringer zur sogenannten Area 51 ein beliebtes Ziel für Verschwörungstheoretiker und Ufologen. Die Area 51 ist ein über Jahrzehnte lang geheim gehaltenes Sperrgebiet der U.S. Air Force: 24.000 Quadratkilometer groß, rund um die Uhr von Sicherheitspersonal überwacht, umzäunt und mit Kameras, Bewegungsmeldern und Schweißsensoren gesichert. Wem hier der Zutritt gewährt wird, der gehört zu einem ganz kleinen und hochexklusiven Kreis von Menschen auf dieser Welt. Denn die Informationen über die Geheimprojekte der Area 51 werden nur Eingeweihten zugänglich gemacht – nicht einmal der Präsident der Vereinigten Staaten soll über die Vorgänge auf der Militärbasis Bescheid wissen, heißt es. Schätzungen zufolge gibt es dort mehrere, kilometerlange Start- und Landebahnen, Flugzeughangars und sogar Wohn- und Sportstätten. Das militärische Sperrgebiert dient der Entwicklung und Erforschung von Experimentalflugzeugen, Drohnen und Luftwaffen. Schon in den Fünfzigerjahren wurden die ersten Fluggeräte dort entwickelt, aber erst 2013 wurde die Existenz der Area 51 von der US-Regierung bestätigt.

So sehen glückliche Teilnehmer im Ziel aus. Dass Aliens grün sind, darüber scheinen sich fast alle einig zu sein. Foto: M. Bradford

 

Doch was hat das nun mit dem „E.T. Fullmoon Marathon“ zu tun? Fast fünfzig Jahre wurden sämtliche Aktivitäten rund um die Militärbasis geheim gehalten, selbst ihre Existenz wurde lange nicht bestätigt. Doch ein so großflächig abgesperrtes Gebiet bleibt auch in der Wüste Nevadas nicht unbemerkt. Während die Air Force also ihre neuen Forschungsflugzeuge realen Tests unterzog, kamen immer mehr Menschen zur Route 375 gepilgert, um sich ein eigenes Bild des Mysteriums zu machen. Und was da alles schon gesichtet wurde: UFOs am Himmel, abgestürzte Objekte am Boden, unnatürliche Lichtspielszenarien in der Luft – Verschwörungstheorien gibt es bis heute. So sollen abgestürzte Raumschiffe dort gelagert und untersucht, außerirdische Besatzungen gefangen gehalten werden, Treffen und geheime Gespräche mit Außerirdischen gibt es angeblich ebenso auf der Area 51 wie geheime Filmstudios, in denen die erste Mondlandung gedreht worden sein soll, die es natürlich eigentlich nie gegeben hat – so eine gängige Verschwörungstheorie. Mit der Bestätigung der Existenz von Area 51 wurde derartigen Theorien zwar ein wenig der Wind aus den Segeln genommen. Doch der Mythos bleibt. Und für das Dorf Rachel dürfte diese Entwicklung eine erfreuliche gewesen sein. So wurde die Gaststätte "Little A'Le'Inn" zum Pilgerziel, der Alien-Tourismus wurde über die Jahre hinweg immer mehr angekurbelt, ganze Busse voll UFO-Enthusiasten entladen sich regelmäßig hier. Und schlussendlich bewies 1996 auch die Regierung Humor: Der Name Nevada State Route 375 ist heute nur noch im Kleingedruckten zu finden. Offiziell heißt die Straße nun Extraterrestrial Highway, oder kurz: E.T.-Highway (dt.: Highway der Außerirdischen). Auch die Höchstgeschwindigkeit wurde angepasst: Warp 7.

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