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Italienisch für Fortgeschrittene

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05/03/2018
 

330 Kilometer in maximal 150 Stunden – der Ultralauf „Tor des Géants“ in den italienischen Alpen ist eines der härtesten Nonstop-Rennen der Welt. Gelaufen wird Tag und Nacht bei Hitze, Regen, Schnee und Eis. Schlafen? Hinter der Ziellinie…

330 Kilometer, 150 Stunden Zeit: Das sind die blanken Rahmendaten der „Tor des Géants“, einer Ultralauf-Tortur durch die italienischen Alpen. Und es gesellen sich noch ein paar Zahlen dazu: 24.000 Höhenmeter müssen die Läufer überwinden, 25 Alpenpässe überqueren und dabei – wer dafür überhaupt noch Augen hat – 30 Bergseen passieren. Der Lauf gilt als eines der längsten Nonstop-Rennen der Welt, weil die Läufer dabei gar nicht oder nur kaum zum Schlafen kommen. Und obwohl dieser Ultralauf erst seit sechs Jahren ausgetragen wird, ist die Veranstaltung im Aostatal in Italien unter Trailläufern bereits legendär. Das liegt nicht nur an den 330 Kilometer Streckenlänge, sondern auch daran, dass etwas Entschiedenes fehlt: feste Etappen. Anders als bei Trailrennen üblich, gibt der Veranstalter keine festen Zwischenziele vor, sondern nur ein Zeitfenster von 150 Stunden, innerhalb dessen die Strecke absolviert werden muss. Theoretisch ist es also möglich, die gesamte Distanz an einem Stück und ohne eine längere Ruhepause zu laufen. Praktisch aber erfordert diese Autonomie eine genaue Planung, an welcher Verpflegungsstelle man sich ausruht, wo man schläft und wo man seine Ausrüstung lagert. Das alles macht die "Tor des Géants" – was im französisch-provenzalischem Dialekt Valdôtain übersetzt „Tour der Giganten“ bedeutet – zu einem Trailrennen der Extreme. Gesprochen wird im Aostatal Italienisch und Französisch, die autonome Region im Nordwesten Italiens ist offiziell mehrsprachig.

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Foto: Tor des Géants

 

Eine weitere Besonderheit ist der Streckenverlauf, die "Tor des Géants" gilt nicht nur als einer der anstrengendsten Ultraläufe der Welt, sondern auch als einer der schönsten. Die Strecke führt über die beiden Haupthöhenwanderwege des Aostatals mit Start und Ziel in dem kleinen Ort Courmayeur mitten in den italienischen Alpen. Von dort aus verläuft die „Spur“, so nennen die Trailläufer ihre Strecke, zu Füßen der bedeutendsten Viertausender der Alpen, darunter Mont Blanc, Gran Paradiso, Monte Rosa und Matterhorn, und weiter durch den Regionalpark des Mont Aviceine. Die Läufer schwärmen dabei besonders von den nächtlichen Etappen. „In der ersten Nacht überquerte ich einen Bergkamm und war total beeindruckt vom endlosen Sternenhimmel, der sich vor dem Panorama der Alpen erstreckte. Ein Wahnsinnsmoment“, schwärmt der Spanier Javi Dominguez, der den Lauf 2017 gewann. „Als ich wieder bergab ging, sah ich ein großes Licht. Kameramann, dachte ich. Dann wurde mir klar, dass es der Mond war, der mir den Weg leuchtete. Unglaublich!“

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Foto: Tor des Géants

 

Während der tiefste Punkt des Trails bei 300 Metern in der Gemeinde Donnas liegt, verschlägt es die Läufer an der Passhöhe Col Lauson zwischenzeitlich sogar auf bis rund 3300 Meter Höhe. Der Weg verläuft mal über hochalpine Wege über schmalste Trampelpfade und karge Geröllfelder, und mal über sattgrüne Hochalmwiesen oder entlang verschneiter Gletscher. So unterschiedlich die Höhenlagen und Landschaften, so extrem sind auch die Wetterbedingungen während des Laufs. Die Läufer kämpfen sich durch hochalpine Hitze, nur um wenig später stürmisch peitschenden Regengüssen zu trotzen und danach einen tiefverschneiten Gebirgspass zu überqueren. Diese extremen Bedingungen sind eine große Herausforderung an den eigenen Kampfgeist. "In der Spur tritt man vor allem gegen sich selbst an, gegen seine Grenzen, gegen seine Ängste. Es ist eine echte Expedition, und du weißt, dass du großen Schwierigkeiten gegenüberstehen wirst und dass nicht nur deine physischen Qualitäten über Sieg oder Niederlage entscheiden – was zählt ist der Kopf“, sagt der Läufer Dominguez. Er muss es wissen: Er siegte 2017 in neuer Rekordzeit von nur 67 Stunden, 52 Minuten und 15 Sekunden.


Die Strecke ist eingeteilt in sieben Sektoren, im Zielort jedes Sektors befindet sich die Basisstation, an der sich die Läufer verpflegen, duschen und schlafen können. Zu den Basisstationen werden auch die sogenannten Dropbags transportiert, also die Taschen mit der Ausrüstung der Läufer. Darüber hinaus gibt es insgesamt 43 Verpflegungsposten, an denen die Trailläufer ebenfalls essen und trinken können. Schlafen ist hier allerdings nur maximal zwei Stunden erlaubt, danach werden die Läufer geweckt und müssen weiterlaufen. Aber ans Schlafen denken die wenigsten, denn schließlich geht es darum, möglichst schnell ins Ziel zu kommen. Die meisten Läufer laufen den ersten Tag und die erste Nacht durch, ohne auch nur eine Minute zu schlafen. Und auch danach gönnen sich viele Teilnehmer oft nur ein paar Stunden Schlaf, bevor die nächste Station angesteuert wird.

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Foto: Tor des Géants

 

Bedingungen, die viele Läufer bis an ihre körperlichen Grenzen bringen – und darüber hinaus. Denn meist kommt vom Starterfeld nur rund die Hälfte im Ziel an, die andere Hälfte kollabiert unterwegs. So traten bei der "Tor des Géants" 2017 insgesamt 850 Teilnehmer an – 461 von ihnen überquerten die Ziellinie. Der Sieger des letztjährigen Rennens, Javi Dominguez gönnte sich bei seinem Rekordlauf gerade einmal insgesamt 35 Minuten Schlaf. „Ich überquerte die Ziellinie und hasste das Rennen“, so Dominguez. „Aber nach ein paar Tagen änderte ich meine Meinung und erkannte, was für eine wundervolle Erfahrung dieser Lauf eigentlich gewesen ist.“

 

Der nächste Lauf wird am 9. September 2018 um 12 Uhr mittags gestartet, die Läufer haben dann Zeit bis zum 16. September, 18 Uhr, um die anspruchsvolle Strecke in 150 Stunden zu bewältigen. Einen Eindruck vom Rennen bekommt man HIER.

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