Produkte für PKW / Van / 4x4

New content item

Den Drachen bezwingen

Events

Print
 
08/03/2018
 

Das „Berghaus Dragon’s Back Race®“ ist das wohl härteste Bergrennen der Welt. Die Teilnehmer kämpfen sich über 300 Kilometer von Nord nach Süd durchs wilde Wales, über schartige Kämme und durch sumpfige Täler, es werden 16.000 Höhenmeter überwunden. Wer hier mitmacht, denkt nicht ans Gewinnen. Sondern ans Überleben.

©guillemcasanova.com_166A5424 Kopie

Los geht es in einer alten Burgruine: Das Starterfeld des „Berghaus Dragon’s Back Race®“. Foto: Guillem Casanova

 

Das „Berghaus Dragon’s Back Race®“ ist kein einfacher Ultramarathon. Es ist vielmehr ein läuferischer Mehrkampf. Die Strecke durch Wales bekannteste Bergregionen ist so gefährlich, dass die Teilnehmer den Ultramarathon anfangs nicht alleine absolvieren durften, sondern in Pärchen starteten. Heute ist aber die Solo-Tour erlaubt – und die hat es in sich. Die Teilnehmer klettern dabei fünf Tage lang felsige Grate entlang, kämpfen sich über verlassene, abgelegene Gipfel, durchwaten Flüsse und steigen wagemutig steile Abhänge hinab – und das oft in dichtem Nebel. Der Wettkampf ist somit eine Art Survival-Trip in Laufschuhen. Und von Tag zu Tag wird es anstrengender. Eine Eingewöhnungszeit gibt es nicht. Schon am ersten Tag führt die Athleten ihre Route über den Snowdon, den mit 1085 Metern höchsten Berg von Wales.

Achtung, hier geht's steil bergab! Die Gebirgskette in Walis erinnert an den Rücken eines Drachens, daher auch der Name des Ultralaufs. Foto: Ian Corless

 

Aber was hat der anspruchsvolle Ultralauf mit dem Rücken eines Drachen zu tun, dem "Dragon's Back"? Der Name geht auf den Schriftsteller John Gillham zurück. Er erkannte in den Bergen von Wales eine gigantische gewundene Wirbelsäule, die sich von Norden nach Süden durch Wales zieht. Gerade die steilen Klippen und felsigen Grate des Glyderau-Gebirges erinnern tatsächlich an einen schlafenden Drachen. Gillhams Beschreibungen dieser Szenerie inspirierten den Langstreckenläufer Ian Waddell, der dann das „Berghaus Dragon’s Back Race®“ ins Leben rief.


Da scheint doch tatsächlich auch mal die Sonne in Großbritannien… Oft aber verschluckt der Nebel die Läufer des „Berghaus Dragon’s Back Race®“. Foto: Foto: Ian Corless

 

Sein Debüt feierte der Ultralauf 1992 – und wurde dann erst einmal nicht mehr gestartet. Zu gefährlich, zu wild, zu verrückt, hieß es. 20 Jahre mussten die besten Bergsteiger und Ultraläufer der Welt auf die Wiederauflage des härtesten Gebirgsrennens der Welt warten. 2012 fand die zweite Auflage des „Berghaus Dragon’s Back Race®“ statt. Das Rennen durch die walisischen Gebirge ist auch für die besten Ultraläufer der Welt eine Herausforderung. Weniger als die Hälfte aller Startenden erreicht das Ziel. Der Schwede Rune Larsson war 1992 einer von nur 55 Teilnehmern, die beim Lauf an den Start gingen. Er war auch der einzige Teilnehmer des Ultralaufs, der alleine antreten durfte. Die restlichen Läufer starteten in Pärchen. Larsson aber wollte von niemandem aufgehalten werden – und erhielt eine Sondergenehmigung, wohl auch, weil der bis dahin bereits drei Mal den Spartathlon gewonnen hatte, einen 246 Kilometer langen, ebenfalls extrem harten Ultramarathon von Athen nach Sparta.

Nur Laufen können reicht nicht: Erfahrungen beim Bergsteigen sind hilfreich, um ins Ziel zu kommen. Foto: Ian Corless

 

Das „Berghaus Dragon’s Back Race®“ jedoch stellte auch ihn vor eine größere Herausforderung. Wie im Bermuda-Dreieck wäre er sich vorgekommen, als er in über 900 Metern Höhe bei dichtem Nebel nach dem nächsten Checkpoint suchte, berichtet Larsson. Die Wege seien nicht vorgegeben. Nur mit einer topografischen Karte – einer Karte, aus der die Höhendifferenzen ablesbar sind – versuchte Larsson verzweifelt, sich durch die Berge zu manövrieren. „Ich war alleine, so alleine in diesem seltsamen Land", erzählt er. "Ich konnte die Hand vor Augen nicht sehen und dachte nur an meinen sieben Monate alten Sohn." Gewonnen hat den ersten Lauf durch die walisischen Berge dann übrigens eine Frau: Helene Whitaker. Frauen schneiden traditionell stark beim „Berghaus Dragon’s Back Race®“ ab. Auch 2015, bei der dritten Ausgabe, waren unter den sechs Läufern, die zuerst über die Ziellinien liefen, drei Frauen vertreten.

©guillemcasanova.com_166A5571 Kopie

Ritt auf dem Rücken des Drachens, einer Gebirgskette in Wales. Dieser Läufer hat sich entsprechend gekleidet. Foto: Guillem Casanova

 

Heute haben die Teilnehmer zusätzlich ein GPS-System zur Verfügung. Doch auch mehr als 20 Jahre später sind die erfahrensten Ultraläufer noch immer beeindruckt vom „Berghaus Dragon’s Back Race®“. Im Anschluss an die zweite Auflage im Jahr 2012 erklärte ein erfahrener Ultramarathonläufer, dass jeder einzelne Tag beim Ultralauf in Wales schwieriger gewesen sei als alle 100-Meilen-Läufe zusammen, die er zuvor absolviert hatte. Und er konnte bereits auf über hundert Ultraläufe zurückblicken… Die nächste Auflage des Rennens findet vom 20. bis zum 24. Mai 2019 statt.

©guillemcasanova.com_166A6417 Kopie

Nebel, steile Hänge, Kälte: Der Mensch wird klein in der wilden Natur von Wales. Foto: Guillem Casanova

Wir verwenden Cookies, um Ihren Besuch auf unserer Website zu optimieren. Klicken Sie hier, um weitere Informationen zu erhalten oder um Ihre Cookies-Einstellungen zu ändern.