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"Brutal, brutal, brutal"

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16/03/2018
 

Wer ihn gelaufen ist, kennt nur eine Bezeichnung: brutal. Und das ist er, der Ultramarathon "La Ultra – The High" im indischen Himalaya-Gebirge: das wohl schwerste, unerbitterlichste und eben brutalste Wettrennen der Welt. Warum? Darum: 333 Hochgebirgskilometer in 72 Stunden, inklusive Überquerung von drei rund 5000 Meter hohen Gebirgspässen.


Hinfallen, aufstehen, weitermachen. Oft sind es genau diese Umstände einer Geschichte, die am meisten beeindrucken. Die Story des tragischen Helden, der trotz aller Hindernisse einfach nicht aufgeben will. Mark Steven Woolley kann eine solche Geschichte erzählen. Der heute 55-jährige britische Ultramarathon-Athlet ist einer von nur 72 Läufern, der den 333 Kilometer langen Ultramarathon „La Ultra – The High 333“ durch das Himalaya-Gebirge erfolgreich absolvieren konnte. Dafür musste er gleich drei Bergpässe in einer Höhe von jeweils mehr als 5000 Metern überwinden.  Austragungsort des Ultralaufs ist Ladakh, eine der trockensten Regionen dieses Planeten, eine Hochwüste im Norden Indiens, die in etwa so groß wie Schottland ist – und bekannt ist auch als Sommerrefugium des Dalai Lamas, des geistigen Oberhaupts der Tibeter. Zwar regnet es in dem Gebiet nicht häufiger als in der Sahara. Doch landschaftlich ist es deutlich abwechslungsreicher: mit atemraubend schönen Flusstälern in 2700 Metern Höhe, mit Siebentausendergipfeln, mit endloser Einsamkeit unter dem pastellblauen Himalayahimmel mit einer Skyline aus Gebirgsgipfeln. Ladakh trägt nicht ohne Grund auch den Namen "Land der Hohen Pässe". Doch ob die Teilnehmer des Laufs die Landschaft wirklich genießen können?

Foto: Priyanka Oberoi

 

Drei Versuche brauchte der Brite Woolley, bis er die Tortur erfolgreich hinter sich bringen konnte. Zweimal scheiterte er an den Herausforderungen des „La Ultra – The High 333“ – der Name leitet sich natürlich aus der Renndistanz ab, 333 Kilometer gilt es zu absolvieren. Es gibt dazu auch die etwas "weniger" anstrengenden Varianten "The High 111" und "The High 222". Der ärgste Feind des Läufers bei diesen Läufen ist aber nicht die Distanz. Auch nicht die Temperaturen oder die steilen Anstiege. Nein, es ist die Höhe. Denn bereits der zweite Checkpoint, den die Athleten erreichen, liegt in 4700 Metern Höhe. Spätestens ab hier wird der Sauerstoffmangel für viele zu einem Problem, die Teilnehmer setzen sich einer möglichen Erkrankung an der Höhenkrankheit aus. Auch deshalb empfehlen die Veranstalter eine Anreise knapp zwei Wochen vor dem eigentlichen Rennen, um sich in einer Art Everest-Basecamp zu akklimatisieren.

Denn wer die Warnsignale der Höhenkrankheit ignoriert und weiter aufsteigt, kann an Höhenlungen- und Höhenhirnödemen erkranken, die ohne den Abstieg in geringere Höhen und ohne ärztliche Behandlung innerhalb weniger Tage tödlich enden können. Auch der Brite Mark Steven Woolley hatte mit den Herausforderungen zu kämpfen. Die Athleten, die beim „La Ultra – The High 333“ antreten, müssen gleich drei Bergpässe in über 5000 Metern Höhe überqueren. Als erstes erreichen die Sportler den Khardung La, den höchsten mit dem Auto befahrbaren Pass der Welt, dessen Passhöhe auf 5400 Metern liegt. Nach erfolgreicher Bewältigung laufen die Athleten anschließend durch teils sengende Hitze bei Temperaturen um die 40 Grad auf den Wari La zu, den zweiten Pass, dessen Höhe bei 5300 Metern liegt. Innerhalb weniger Stunden können die Temperaturen dann auf zweistellige Minusgrade fallen, ehe die Sportler als letzte Herausforderung den Pass des Tanglang La in Höhe von 5350 Metern überwinden müssen. Bis zum Pass des Tanglang La führte Woolley 2014 übrigens das Teilnehmerfeld des Ultralaufs durch den Himalaya an, ehe er dann weniger als 20 Kilometer vor dem Ziel kollabierte. Das Rennen konnte er nicht beenden.

Foto: Shilpi Sharma

 

Doch Woolley gab nicht auf. Im Jahr darauf trat er wieder an, sein Ziel fest vor den Augen. Doch diesmal machte ihm eine weitere große Herausforderung des Ultralaufs einen Strich durch die Rechnung: die Zeit. In nur 72 Stunden müssen die Ultraläufer den 333 Kilometer langen Kurs durch das Himalaya-Gebirge beenden. Das Zeitempfinden der Teilnehmer wird zusätzlich dadurch beeinträchtigt, dass der Ultralauf um 20 Uhr abends im Nubra-Tal in 3000 Metern Höhe startet und somit den Biorhythmus der Teilnehmer von Beginn an ordentlich durcheinander wirbelt. Woolley hatte sich viel für seinen zweiten Versuch vorgenommen, und er erreichte sein Ziel auch – allerdings mit 54 Minuten Verspätung. „DNF, did not finish“ steht deshalb in den Ergebnissen des  „La Ultra – The High 333“ im Jahr 2015 hinter Woolleys Namen. Viel knapper hätte er nicht scheitern können. Bekanntlich sind ja aber aller guten Dinge drei, und so kam es, dass Woolley im Jahr 2016 ein drittes Mal antrat und es diesmal auch wirklich schaffte. Nach 68 Stunden, 57 Minuten und 27 Sekunden überquerte Woolley die Ziellinie. Wie es war? "Brutal, brutal, brutal!", sagt Woolley. "Und brutal toll. Das Rennen ist die Essenz aller Ultraläufe, perfekt organisiert, aber auch eigentlich jenseits der Vorstellungskraft. In einem Wort: brutal." Die Geschichte des tragischen Helden im „Land der Hohen Pässe“ hat also – wie es sich für eine gute Geschichte gehört – ein Happy End. Raum für neue Geschichten gibt es vom 23. bis 26. August 2018. Dann findet die nächste Auflage des „La Ultra – The High 333“ statt.

Wer einen Eindruck vom brutalsten Rennen der Welt bekommen möchte, HIER ist ein Image-Film der Veranstalter vom Lauf im Jahr 2017.

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