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Wie der Mensch ins Laufen kam

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12/04/2018
 

Die Geschichte des Laufens spannt sich von der steinzeitlichen Jagd auf Mammuts bis zur Jagd nach immer neuen Bestzeiten. Laufen ist heute ein Massensport, doch dazu entwickelt hat es sich erst in den vergangenen 50 Jahren. Es war ein langer Weg vom Lauf ums Überleben bis zum sportlichen Wettkampf.


Im Lauf-Dokumentarfilm „Free to Run“ des Schweizer Regisseurs Pierre Morath aus dem Jahr 2016 gibt es eine Szene, in der wackelige Bilder einer Polizeikamera einen Jogger in roter Sporthose zeigen, der mit freiem Oberkörper einen Straßenrand entlang läuft. Es ist Joe Henderson, Laufpionier und später Chefredakteur der Zeitschrift „Runner’s World“. Im rückblickenden Interview berichtet er schmunzelnd: „Als ich damals ohne T-Shirt lief, wurde ich von Polizisten gestoppt. Die dachten, ich sei ein Perverser.“ So war das Ende der 1960er-Jahre in den USA – und eigentlich überall auf der Welt: Laufen in der Öffentlichkeit war mindestens verpönt, oft sogar verboten. Der US-Historiker Robin Robinson sagt: „Läufer waren damals eine exzentrische Minderheit, niemand nahm sie ernst.“

 

Man kann sich das heute kaum vorstellen. Joggerinnen und Jogger am Straßenrand, im Park, am Strand oder im Wald gehören fast überall auf der Welt zum alltäglichen Bild. Niemand käme auf die Idee, sie für verrückt zu erklären. Im Gegenteil: Viel öfter löst der Anblick einer Läuferin oder eines Läufers den Gedanken aus, dass man auch selbst wieder einmal Sport treiben, loslaufen und ins Schwitzen kommen sollte.


Auf dieser Felszeichnung in der Sahara sind laufende Jäger zu sehen.

 

Das Laufen als Fortbewegungstechnik ist untrennbar mit der Entwicklung der Menschheit verbunden. Schon auf Höhlenmalereien, die etwa 30.000 Jahre vor Christus entstanden, sind laufende Menschen zu sehen. Schnell laufende Menschen. In manchen Bildern tragen die prähistorischen Strichmännchen einen Speer in der Hand. Manchmal sind auch Tiere abgebildet. Solche Fundstücke zeigen: Schon in der Altsteinzeit lief der Mensch. Allerdings nicht zum Spaß oder um zu trainieren, sondern um zu jagen – oder um sich in Sicherheit zu bringen. Laufen war überlebenswichtig. Um an Beutetiere heranzukommen, sie zu verfolgen, einzukreisen und schließlich zu erlegen – oder um vor Raubtieren in ein Versteck zu flüchten.

Griechisches Terracotta-Gefäß, das Fackelträger im Laufschritt zeigt.

 

Laufen im Sinne eines sportlichen Wettkampfes und damit zum Selbstzweck lässt sich erstmals mit Beginn der Olympischen Spiele der Antike belegen. Sie fanden in Griechenland statt, etwa ab dem 7. Jahrhundert vor Christus. Zu diesen Spielen gehörten auch Laufwettbewerbe: die Stadionrunde, ein Lauf über 192 Meter; darüber hinaus ein Langlauf über die Distanz von 1500 Metern und der sogenannte Waffenlauf, zu dem die Wettkämpfer mit Helm, Schild und Schwert antraten. Eine Schinderei in voller Montur, mehr militärischer Drill als sportliches Kräftemessen. Für junge Männer war eine Teilnahme an diesen Wettkämpfen erstrebenswert, denn für die Sieger und ihre Familien gab es Ruhm, Ehre sowie ein sicheres Auskommen durch einen öffentlichen Posten.


Gesucht waren zum Beispiel Botenläufer; außerdem Landvermesser, die im Laufschritt Distanzen abmaßen oder die Größe von Ländereien bestimmen halfen. Und nicht nur die Griechen, auch andere Hochkulturen kannten Botenläufer, die mit einem ausgeklügelten Staffelsystem dafür sorgten, dass wichtige Nachrichten rasch über weite Strecken transportiert werden konnten. Perser, Römer, Araber und in Südamerika die Inka hätten ihre riesigen Reiche ohne ein derartiges Nachrichten-Netzwerk gar nicht regieren und kontrollieren können.

Auf dieser deutschen Wohlfahrts-Briefmarke aus dem Jahr 1989 ist ein mittelalterlicher Botenläufer abgebildet.

 

Eine Besonderheit in Griechenland war allerdings die Vorliebe für körperliche Ertüchtigung der heranwachsenden Männer. Heute würde man sagen: Die Jugendlichen sollten fit sein. Der Ort, an dem dafür gesorgt wurde, war das Gymnasion, was etwa so viel wie „Turnplatz“ oder „Leibesübung“ bedeutete – das heute gebräuchliche Wort Gymnasium ist davon abgeleitet. In diesen Sportstätten, die sich später zu allgemeinen Bildungseinrichtungen weiterentwickelten, wurde die männliche Jugend der griechischen Oberschicht ausgebildet – und buchstäblich auf Trab gebracht.


Auch die Römer waren begeisterte Läufer, allein schon aus militärischen Überlegungen. Laufen jedenfalls war damals in der Mitte der antiken Gesellschaften angekommen – bis der römische Kaiser Theodisius, ein Christ, im Jahr 393 die in seinen Augen heidnische Lauferei verbot. Die Entwicklung des Laufsports zu Trainings- und Wettkampzwecken war damit unterbrochen – berufsmäßige Läufer aber gab es weiterhin. Auch im Mittelalter und in der frühen Neuzeit setzten viele Adelige Botenläufer ein, um untereinander Nachrichten auszutauschen. Zudem gab es die Profession des Vorläufers. Der lief vor der Kutsche her, in der sein Herr saß, kundschaftete den Weg aus, holte Hilfe bei Pannen und kündigte in den Dörfern und Städten auf dem Weg die Ankunft des hohen Besuchs an.


Laufen als Sport entwickelte sich in England. Historiker nennen als Hauptgrund die Wettleidenschaft der Briten, die bereits im 17. Jahrhundert anfingen, darauf zu wetten, ob diese oder jene Distanz in einer bestimmten Zeit zurückgelegt werden könne oder nicht. Allmählich entwickelten sich daraus Wettkämpfe, und besonders beliebt waren extreme Distanzen wie Tausend-Meilen-Läufe. Captain Robert Barclay wettete 1809, er werde 1000 Stunden lang je eine Meile laufen oder gehen. Er gewann die Wette, weil er jeweils eine Meile am Ende der einen und die nächste Meile gleich zu Beginn der nächsten Stunde lief. So hatte er längere Pausen und am Ende der insgesamt 42 Tage sowohl 15 Pfund Körpergewicht verloren, als auch 1000 Guineas Wettprämie gewonnen. Als sich ab Mitte des 19. Jahrhundert zudem die Stoppuhren verbreiteten, gab das dem Laufsport einen zusätzlichen Schub, und der individuelle Wettlauf gegen die Zeit wurde immer vielfältiger und beliebter.

Teilnehmer des Marathonlaufs bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen.

 

Bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen gab es diverse Laufwettbewerbe – 100 Meter, 110 Meter Hürden, 400 Meter, 800 Meter, 1500 Meter und einen Marathonlauf über 38 Kilometer (die Distanz von 42,195 Kilometer wird erst seit den Olympischen Spielen 1908 in London gelaufen) – die den internationalen Durchbruch dieses Sport bedeuteten. Allerdings: Laufen war ausschließlich Männersache. Frauen waren zu dieser Zeit bei Olympia gar nicht zugelassen – und bei anderen Sportveranstaltungen ebenso wenig. Erst in den 1960er-Jahren erstritten Läuferinnen allmählich ihre sportliche Gleichberechtigung – legendär wurde beispielsweise die Inkognito-Teilnahme von Kathrine Switzer am Boston-Marathon 1967. (Lesen Sie mehr darüber HIER) Der erste olympische Marathon für Frauen fand 1984 bei den Spielen in Los Angeles statt. Laufen als Sport in allen Facetten hatte sich endgültig emanzipiert.

Der Sieger des Marathonlaufs, der Grieche Spyridon Louis, trifft bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 im Stadion ein.

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