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Auf den Spuren der Indianer

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21/08/2018
 

Vor 3000 Jahren gingen hier die Hopi-Indianer auf Jagd. Heute kommen pro Jahr 4,5 Millionen Besucher zum Grand Canyon, dem Wahrzeichen Nordamerikas im US-Bundesstaat Arizona. Und eine Handvoll Ultraläufer, die beim "Grand to Grand Ultra" mit mörderischer Hitze, steilen Anstiegen – und sehr spitzen Kakteen zu kämpfen haben.


Es dauert ein wenig, bis die Augen sich an die Weite der monumentalen Schlucht gewöhnen. Dann, begleitet vom Farbenspiel der Sonne auf bizarren Sandsteinformationen, kann man kaum genug von dieser wohl berühmtesten Schlucht der Welt bekommen. Majestätisch erheben sich mächtige Felsen aus dem tiefen Tal, von der Sonne in Szene gesetzt, mal in Gelb, dann in Rot leuchtend. In der Ferne heulen die Kojoten. Der seltene Anblick eines Kondors im Sinkflug versetzt einen in Staunen. Und dann das: winzige Farbklekse am Boden des Grand Canyon die sich in Zickzack-Linien vorwärtsbewegen. Eine in Neon-Shirts gekleidete Ameisen-Karawane – es sind die Teilnehmer des „Grand to Grand Ultra“, des vielleicht schönsten und zugleich spektakulärsten Trail-Laufs Amerikas. 


Der Grand Canyon: Die große Schlucht im Südwesten der USA ist das Wahrzeichen von Arizona, von ganz Nordamerika. Arizona vermarktet sich nicht ohne Grund als "Grand Canyon State": Viele verorten die Touristen-Attraktion nämlich im Nachbarstaat Colorado. Dort entspringt in den Rocky Mountains zwar der Colorado River, doch der ließ den Grand Canyon in Arizona entstehen. In Millionen Jahren hat sich der Fluss in den Sandstein des Südwestens Nordamerikas gefressen und einen 450 Kilometer langen, bis zu 29 Kilometer breiten und 1800 Meter tiefen Graben geschaffen. Ein Naturdenkmal, ein Mythos des amerikanischen Westens, hier im heißen Süden der USA, an der Grenze zu Mexiko und kurz vor Kalifornien. Die Hopi-Indianer, deren Ahnen bereits vor 3000 Jahren im heutigen Arizona lebten, glauben, der Canyon sei von zwei streitenden Brüdern aus Blitzen und Schlamm geschaffen worden. Spanische Eroberer suchten im Canyon nach den sagenhaften Sieben Städten von Cibola – fanden in dem unzugänglichen Gelände aber statt goldgepflasterter Straßen und Diamanten besetzter Häuser nur Hunger und Tod.

PHOTO COURTESY OF GRAND TO GRAND ULTRA.

 

Bis heute ist die Anziehungskraft des Grand Canyon ist groß – bei Ultraläufern, und vor allem bei Touristen aus aller Welt. 4,5 Millionen Besucher kommen jedes Jahr, übernachten in einem der großen Hotels an den Rändern des Canyons auf rund 2000 Metern Höhe, kaufen Proviant in lächerlich teuren Supermärkten im "Grand Canyon Village", lassen sich mit Shuttlebussen von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt chauffieren, wandern in Karawanen tief hinab zum Colorado River – oder lassen sich mit einem Hubschrauber zur Talsohle fliegen. Als Ultra-Läufer aber kann man dem Ballyhoo ausweichen. Den Canyon nahezu allein als das kennenlernen, was er ist: ein Wunder der Natur.

 

Am Rande des Grand Canyon liegt der Start, am North Rim, dem beliebten Ausflugsziel an einer der tiefsten Schluchten der Welt. 273 Kilometer und 5599 Höhenmeter gilt es in dieser unberührten Natur in sechs Tagen zu bewältigen. Über Schotterpisten und Wüstensand, durch enge Schluchten und dichte Wälder, mit Kletter- und Abseilpassagen, über Flüsse und Sanddünen hinweg. Der "Grand to Grand" ist ein Selbstversorgungslauf. Die Teilnehmer müssen ihr Equipment auf dem Rücken tragen. Gerade unerfahrenen Ultraläufern kann dies zum Verhängnis werden, packen sie oftmals weit über zehn Kilogramm Gepäck ein. Erfahrene Läufer wissen sich auf rund sieben Kilo zu limitieren. Verpflegung, Schlafsack und Schlafmatte sowie eine Trillerpfeife für den Notfall sind Pflicht. Nur Wasser und Zelte werden vom Veranstalter gestellt. In sechs Etappen gilt es den Grand Canyon zu durchqueren und hinter sich zu lassen. Dann wartet am Ende das letzte Highlight, die "Grand Staircase", die "große Treppe" der atemraubendes Plateau-Landschaft. Hoch oben liegt das Ziel, und wer ankommt, genießt auf 2600 Metern Höhe eine gewaltige Panoramaaussicht über den gesamten Kurs, der gelaufen wurde.

PHOTO COURTESY OF GRAND TO GRAND ULTRA.

 

Hitze tagsüber, Kälte in der Nacht. Ein von Kakteen übersäter Boden. Steile Aufstiege. Schwindelerregende Abseilpassagen. Ein Nachtorientierungslauf mitten im Gestrüpp – dieser Wettbewerb ist nichts für schwache Nerven. Dass am Streckenrand Läufer zu sehen sind, die sich die Stacheln von Kakteen aus den Füßen ziehen, ist kein seltenes Bild. Fast jeden Tag wartet eine Marathon-Distanz – und in der Mitte das Doppelte, 85 Kilometer an einem Tag. „Das Rennen ist sehr hart“, macht auch der Veranstalter deutlich. „Tragt unbedingt Sorge dafür, dass ihr in der richtigen Verfassung seid“, heißt es zur Warnung. „Ihr müsst in der Lage sein, alltägliche Probleme auszublenden. Ihr dürft euch nur darauf fokussieren, was vor euch liegt.“ Geistige und körperliche Fitness – bei Ultraläufen gelten sie stets als der Schlüssel zum Erfolg. Gerade hier, in der für viele internationale Teilnehmer unbekannten Gegend des Grand Canyon. Hier, in dieser gewaltigen Natur, kann jeder kleine Fehler über Sieg oder Niederlage entscheiden. Und wer dann an der Startlinie steht, sollte einen letzten Ratschlag vom Veranstalter beherzigen: „Habt keine Angst vor dem Unbekannten. Seht es als ein großes Abenteuer. Euer Leben ist so viel besser, wenn ihr positiv denkt.“

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