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Jetzt wird's bunt

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03/09/2018
 

Holi – das ist eigentlich das hinduistische Frühlingsfest, bei dem Gläubige Freundschaften feiern und sich mit bunt gefärbtem Maismehl bewerfen. Diese Tradition hat inzwischen auch Einzug in die Welt des Laufsports erhalten. Weltweit starten bestens gelaunte Teilnehmer beim farbenfrohen "Color Run".


Jubel, Trubel, Heiterkeit – und jede Menge Farben. Dazu dröhnende Beats, die aus riesigen Musikboxen wummern und bestens gelaunte Menschen. Und gelaufen wird auch dazu. Fünf Kilometer nur, im Vergleich etwa zu einer Marathonstrecke ein Klacks. Doch auf lange Distanzen, auf Rekordzeiten oder auf sportliche Grenzerfahrungen kommt es beim „Color Run“ auch nicht an. "The Color Run", so der offizielle Name der Laufserie, ist ein internationales Event, das Spaß an sportlicher Leistung mit Bräuchen aus der Religion des Hinduismus verbindet und mittlerweile an fast drei Dutzend Terminen im Jahr weltweit veranstaltet wird.

Color Runner zu sein, wird von den Veranstaltern als Lifestyle-Entscheidung verkauft. Kein Wunder, dass die Teilnehmer gerne Selfies von sich und dem Geschehen machen. Foto: The Color Run

 

Lachende Menschen, die in bunt beklecksten Shirts und Hosen gemeinsam Spaß haben – ein Bild, das mit dem Holi-Fest verbunden wird. Doch das bloße Bewerfen mit Farben ist ursprünglich nicht der Kern des Holi-Festes, der hinduistischen Begrüßung des Frühlings. Am letzten Vollmondtag des hinduistischen Monats Phalguna feiern die Gläubigen das Ende des Winters und den Beginn des Frühjahrs. Dieser Zeitraum liegt ungefähr zwischen Ende Februar und Mitte März. Mit Holi wird aber nicht nur der Frühling, sondern auch der Sieg des Guten über das Böse gefeiert. Soziale Gräben sollen an Holi überwunden werden, bestehende Freundschaften erneuert werden und Streitigkeiten begraben werden. Das Fest hat seinen Ursprung in Nepal und im Norden Indiens. Das hinduistische Gesellschaftssystem, bei dem die Menschen verschiedenen Kasten zugeordnet sind und das gerade in ärmlichen Kreisen weit verbreitet ist, wird für einen Tag außer Acht gelassen. Alle Kasten feiern während des Holi-Festes gemeinsam.

 

Symbolisiert wird diese Gleichstellung durch das gegenseitige Bewerfen mit buntem Maismehl und Wasser. Die Farben sind Ausdruck der Freude über den Frühlingsbeginn, die Meinungsvielfalt und die Gleichheit aller Menschen. Die bunten Farb- und Wasserschlachten brachten dem Holi-Fest nach und nach mehr mediale Aufmerksamkeit. Gruppen von bunt gefärbten lachende Menschen – eine idealtypische Konstruktion für ein Foto in den sozialen Netzen wie Facebook und Co. Das Holi-Fest trat scheinbar einen Siegeszug um die ganze Welt an. Die bunten Farbschlachten wurden auch außerhalb Indiens und Nepals in den vergangenen Jahren immer populärer. 2012 fand erstmals das „Holi Festival of Colours“ in Europa statt – eine Großveranstaltung, die das hinduistische Brauchtum global bekannt machte. Fast 11.000 Menschen feierten die Premiere der Großveranstaltung damals in Berlin. Die „Holi Festivals of Colours“ wurden zum weltweiten Phänomen. Die Hindu-Kultur spielte dabei allerdings, wenn überhaupt, eine sehr untergeordnete Rolle. Viel mehr ging es ums Feiern im Farben-Bad zu Musik von angesagten DJs. Inzwischen gab es 2017 allein in Deutschland mehr als 50 Holi-Feste.

Nein, The Color Run führt die Läufer nicht durch die Wüste, aber dafür durch die Yellow Zone. Foto: The Color Run

 

Und nun wird's auch beim Laufen bunt – wobei Veranstalter wie die „Color Run“-Macher Holi überhaupt nicht erwähnen. Aus gutem Grund: Das Bewerfen mit Farben hat bei der Laufveranstaltung einzig ästhetische Gründe. Color Runner zu sein wird als „Lifestyle-Entscheidung“ beworben. Es geht dabei weniger um die religiösen Hintergründe, sondern vielmehr um ein fotogenes Spektakel. Die bunten Farben sollen die Läufer an ihre erbrachte Leistung erinnern, nicht an zu überwindende soziale Gräben. Das Konzept von „The Color Run“ funktioniert. Über sechs Millionen Color Runners gibt es bereits. In mehr als 35 Ländern finden Color Runs statt. Und es lassen sich auch durchaus Parallelen zum Frühlingsfest aufzeigen. Denn „The happiest 5k on Planet“, wie das Laufevent auch genannt wird, bietet sowohl Laufanfängern als auch Profis die Möglichkeit gemeinsam zu laufen. Die Zeit spielt keine Rolle. Entsprechend steht der Spaß am Sport im Vordergrund. Die einzigen Regeln des Laufes: In weißen Klamotten an den Start gehen und kunterbunt im Ziel einlaufen. Amateur und Profi werden so beim Laufen gleich. Die Holi-Idee der Gleichstellung aller Menschen lässt sich also mit Color Runs auf den Sport übertragen. Menschen, die gemeinsam laufen und anschließend zusammen feiern: das kann durchaus als Sieg des Guten über das Böse angesehen werden – und somit auch auf die Ursprünge von Holi zurückgeführt werden. Um eine religiöse Veranstaltung handelt es sich bei den Color Runs aber natürlich nicht. Wer Spaß am Laufen hat, gern laute Musik hört und sich mit Farben bewerfen lassen will, der ist bei den Veranstaltungen des Color Runs dennoch genau richtig.

 

Es gibt auch Läufe in Europa, bei denen die ursprüngliche Bedeutung des Holi-Festes eine größere Rolle einnimmt. Zu nennen wäre dabei zum Beispiel das spanische „Holi Life“, ebenfalls ein 5-Kilometer-Lauf, an dem bereits über 350.000 Menschen teilgenommen haben. Das spanische Laufevent trägt Holi nicht nur im Namen, sondern bezieht sich auch klar auf das hinduistische Fest.

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