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Der Mount-Everest-Läufer

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24/09/2018
 

In nur einer Woche bestieg Kilian Jornet zwei Mal den Mount Everest – jeweils im Laufschritt. Und das ist nur eine von vielen Bestmarken, die Jornet in den letzten fünfzehn Jahren auf den höchsten Bergen dieser Welt aufstellte. Ein Portrait über einen Ausnahme-Sportler, der die Gipfel dieser Welt im Jogging-Tempo erreicht.


Kilian Jornet steht kurz vor seinem größten Triumph: Wenn alles glatt läuft, ist er in nur wenigen Stunden der schnellste Mensch, der je den Mount Everest bestiegen hat. Wobei "bestiegen" eigentlich nicht das ideale Wort ist. "Erlaufen" wäre richtiger. Doch plötzlich quälen ihn Bauchkrämpfe. Ein Magenvirus in über 8000 Metern Höhe. Zwölf Stunden lang kämpft der Extremsportler sich mit Bauchschmerzen und ohne Sauerstoffflasche in völliger Dunkelheit zum Gipfel hinauf. Um ihn herum tosen Windböen mit bis zu 60 Stundenkilometern. Doch der Katalane gibt nicht auf und erreicht sein Ziel – in nur 26 Stunden. „Ich musste alle paar Meter anhalten, hatte Krämpfe und musste mich übergeben. Dennoch fühlte ich mich in der Höhe eigentlich gut“, sagte Jornet, als er ins Basecamp zurückkehrte. Den Mount Everest mit fiesen Bauchschmerzen bei Sturmböen im Lauftempo zu bewältigen – das würde wohl jeden aus der Bahn werfen. Nicht so aber Kilian Jornet: Er erreichte den Gipfel des Everest noch in derselben Woche ein zweites Mal. Diesmal schaffte er es in 17 Stunden. Zwei Mal Mount Everest in einer Woche. Es scheint, als wäre für Kilian Jornet nichts unmöglich.

Kilan Jornet ist ein sehr erfolgreicher Ultraläufer. Den Hardrock 100 (hier im Bild) durch die Rocky Mountains gewann er bereits mehrfach / © Hardrock100 Philipp Reiter.

 

„Ich bin kein sehr geselliger Mensch und eher introvertiert“, sagt Jornet über sich selbst. Einen Monat könne er gut leben, ohne einen einzigen Menschen zu sehen. Seine große Leidenschaft sind seit jeher die Berge. Kurz nach seiner Geburt im Jahr 1987 zog Jornets Familie in die Berge. Sein Vater arbeitete als Bergführer und betrieb eine kleine Hütte in den Pyrenäen, seine Mutter als Skilehrerin. So wuchs Kilian Jornet in einem Skigebiet in rund 2000 Metern Höhe auf. Freunde hatte er nur wenige. Das hat sich bis heute nicht geändert. „Ich habe sehr gute Freunde, aber wenige. Und die teilen die gleiche Leidenschaft für Berge“, sagt Jornet. Beinahe 30 Jahre später, im Jahr 2015, brach Jornet auf, um den Mount Everest zu besteigen. Es sollte der Höhepunkt seines jahrelangen Kampfes gegen alle Limits werden.

 

Bereits mit 13 Jahren nahm er an ersten Ski-Wettbewerben teil. 2004, im Alter von 17 Jahren gewann er erstmals eine Jugend-Weltmeisterschaft im Skisport. Schon damals konnte Jornet niemand stoppen. Keiner konnte den 1000 Meter steilen Anstieg im spanischen Arantal schneller als er bewältigen. Erst einige Jahre später bemerkte Jornet, dass er auch Spaß daran hatte, Berge ohne Skier zu erkunden. Sie quasi im Laufschritt zu erobern. Zu dem Zeitpunkt war er bereits nach Frankreich umgezogen, um dort Sport zu studieren. Anfänglich nur um für die Wintersaison zu trainieren, kämpfte sich der Katalane fortan auch ohne Skier durch Gebirge auf der ganzen Welt. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass Jornet nicht nur Spaß an dem hatte, das er tat – nein, er war auch einer der besten. 

Im Schnee fühlte sich Jornet schon als Kind wohl. Diese Leidenschaft ließ ihn nie los. /© Matti Bernitz

 

Binnen weniger Jahre hatte Jornet fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Er wurde zu einem der besten Ultraläufer der Welt. Zweimal gewann er den Ultra-Trail du Mont-Blanc, einen 170 Kilometer langen Ultralauf, bei dem 170 Kilometer und 9.000 Höhenmeter innerhalb von 46 Stunden zu überwinden sind. Und sogar vier Mal siegte er beim Hardrock 100, einem hundert Meilen langen Lauf durch die Rocky Mountains. Doch für Jornet war auch das noch nicht genug. Er strebte nach mehr. 


2012 setzte er sich deshalb das Ziel, die Geschwindigkeitsrekorde für die berühmtesten und höchsten Berge der Welt zu brechen. Die Krönung sollte der Mount Everest werden, der mit 8848 Metern höchste Berg der Erde. Doch der Reihe nach: Den 4810 Meter hohen Mont Blanc bestieg er 2013 in unter fünf Stunden. In unter drei Stunden erklomm er im selben Jahr die fast 5000 Meter am Matterhorn in Italien. Für Jornet ging damit ein Kindheitstraum in Erfüllung. Denn damit stellte er einen Rekord von Bruno Brunod ein. Der Italiener war für viele Bergsportler ein Held. Seine Art sich am Berg zu bewegen war wegweisend. Er war auch Jornets großes Vorbild. ,„Er hat mich mit allem inspiriert, was er gemacht hat“, sagt Jornet rückblickend. Brunods Rekord am Matterhorn hielt über 18 Jahre. Dann kam Jornet und brach ihn. 2014 setzte Jornet dann erst auf dem höchsten Gipfel Nordamerikas (Denali, 6186 Meter) und dann auf dem höchsten Gipfel Südamerikas (Aconagua, 6962 Meter) Bestmarken.

Keiner ist so schnell am Berg wie er: Kilian Jornet / © Hardrock100 Philipp Reiter

 

Stück für Stück zog es Jornet weiter in die Höhe. Im Jahr 2015 wollte er dann mit dem Spanier Jordi Tosas, einem seiner wenigen Freunde, den Mount Everest besteigen. Doch die Natur kam ihm in die Quere. Ein schweres Erdbeben erschütterte Nepal. Lawinen und Schuttmassen hatten die Dörfer Nepals teils völlig von der Umgebung abgeschnitten. Jornet reiste gemeinsam mit Tosas trotzdem in die Region. Er wollte den Menschen helfen. Doch was dann im besonders schwer betroffenen Langtang-Tal passierte, beeindruckte Jornet enorm. Nicht er war es, der den Menschen half, sondern ihm wurde von den Bewohnern geholfen. Die Menschen sammelten Material, um ihm eine Unterkunft für die Nacht bieten zu können. „Sie hatten alles verloren, auch Teile ihrer Familien. Aber sie bewirteten uns mit dem wenigen, das sie hatten“, sagt Jornet.

 

Der Katalane beschloss ein Spendenprojekt für die betroffenen Regionen ins Leben zu rufen. Fast 60.000 Euro konnte er organisieren, um so die zerstörten Häuser im Langnang-Tal wieder aufzubauen. Es ist die andere Seite des Kilian Jornet, die häufig vergessen wird. Hinter dem introvertierten Katalanen steckt ein feiner Mensch und fairer Sportsmann. Bei einem Weltcup-Skitourenrennen in Valtellina wollte er den Sieg mit einem Lokalmatadoren teilen, lief mit ihm Hand in Hand über die Ziellinie. Dennoch wurde er von der Rennleitung zum Sieger erklärt. Darüber ärgerte er sich sehr. „Fair Play ist doch wichtiger als das Ergebnis“, sagte Jornet – er, der Ergebnisse liefert, wie kein anderer. Mit dem vorläufigen Höhepunkt am höchsten Punkt der Erde: Dem zweifachen Erklimmen des Mount Everest innerhalb von einer Woche im Mai 2017.

 

Ans Aufhören denkt Jornet übrigens noch lange nicht. „Die Liste der Dinge, die ich gerne tun möchte, wächst viel schneller, als dass ich die Chance hätte, hinterherzukommen“, sagt er. Mit seiner Freundin Emelie Forsberg hat er bereits einen eigenen Berglauf ins Leben gerufen.  Der „Tromsø Sky Run“ ist ein Lauf über Gebirgskämme, Felsen und Gletscher in Norwegen.  Doch auch das ist nur ein weiterer Abschnitt im Leben des Kilian Jornet. Der nächste Berg wartet nur darauf von ihm in Rekordzeit bezwungen zu werden.

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