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Zwischen Feuer und Eis

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16/10/2018
 

55 Kilometer vorbei an Vulkanen, Gletschern und Geysiren: Der Laugavegur Ultra Marathon führt Sportler quer durch die beeindruckende Landschaft Islands. Hier wurden auch schon "Star Wars"-Filme gedreht.


Schwefelgeruch liegt in der Luft. Zu tief einatmen sollten die Teilnehmer des Laugavegur Ultra Marathons kurz vor dem Start also besser nicht. Auf den ersten der insgesamt 55 Kilometer führt sie der Kurs geradewegs durch das riesige isländische Hochlandgebiet Landmannalaugar. Die Region liegt sehr nah am Vulkan Hekla, einem von über 30 aktiven Vulkanen auf Island. Der Hekla ist sogar einer der aktivsten Vulkane Islands und bricht im Schnitt alle alle zehn Jahre aus. Ein drohender Vulkanausbruch, das ist nur eine von vielen abenteuerlichen Herausforderungen eines der schönsten und spannendsten Ultraläufe der Welt.


Der Ultramarathon folgt der Route des bekanntesten isländischen Wanderwegs Laugavegur, der sich vom Vulkangebiet Landmannalaugar bis zum Gletscher-Tal Thorsmörk zieht. Schon dabei zeigt sich: Vulkane sind lange nicht alles, was Island den Sportlern zu bieten hat. Atemberaubende Wasserfälle, schwarze Lavasandwüsten, Gletscher und Geysire – all das auf nur gut 100.000 Quadratkilometern. Island ist nur ungefähr so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Bloß leben allein in Bayern rund 12,4 Millionen Menschen, Island hat gerade mal 320.000 Einwohner – so wenig wie Mannheim in Deutschland, Leicester in England oder Tucson im US-Bundesstaat Arizona. Und doch schafft es Island, aus der relativ überschaubaren Bevölkerung eine funktionierende Regierung, eine erfolgreiche Fußballnationalmannschaft und sogar Literaturnobelpreisträger (Halldor Laxness 1955) zu rekrutieren. Island ist beliebt, lockt inzwischen jährlich Millionen Touristen an. Die sind begeistert von der Natur – und der Folklore des Landes, die eng mit der Landschaft Islands verbunden ist.

Nein, das ist kein Bild aus dem Film „Der Herr der Ringe“. Der Ultramarathon führt die Sportler auch nicht durch Mordor, dafür aber durch schwarze Lavasandwüsten. Foto: Olafur Thorisson


 

Fest verwurzelt in der isländischen Kultur ist etwa der Glaube an Fabelwesen. Fast die Hälfte der isländischen Bevölkerung glaubt, dass es Elfen, Feen, Geister und Trolle gibt. 90 Prozent halten ihre Existenz immerhin für möglich. Zum Beispiel werden Straßenbauprojekte gestoppt, weil die zu bebauenden Gebiete als Heimat des Huldufólk gelten. Mithilfe des Huldufólk – auf Deutsch: geheime Leute – erklärten sich die Isländer über Jahrhunderte die teils absurde Landschaft ihrer Insel. Steinsäulen, die nur wenige hundert Meter von der Küste entfernt, aus dem Nichts über 60 Meter in die Höhe schießen? Das müssen einst Trolle gewesen sein. Eine riesige Felsformation aus Lavastein, die sich ihren Weg durch die Landschaft bahnt? Für Isländer ist das die Heimat der Mörderin Grýla – einem Geschöpf, das zur Hälfte menschenähnlicher Unhold Oger und zur anderen Hälfte Troll ist. Tatsächlich scheint die Landschaft Islands manchmal nicht von dieser Welt zu sein. Kein Wunder also, dass Island Filmkulisse diverser Science-Fiction-Filme (unter anderem der "Star Wars"-Film "Rogue One") war – und die US-Weltraumbehörde NASA hier einst in den 1960er Jahren die erste Mondlandung simulierte.

 

Der "Laugavegur Ultra Marathon" gehört zu den Ultra-Läufen, die am ehesten unterschätzt werden. Denn der Lauf ist weder außergewöhnlich lang, noch findet er in großer Höhe statt. Doch besonders die klimatischen Bedingungen Islands haben es in sich. „Heute kann es regnen, stürmen oder schneien...“ sind die anfänglichen Textzeilen von Rolf Zuckowskis Geburtstagssong „Wie schön, dass du geboren bist“ – es könnte aber genau so auch die Wettervorhersage für den Ultra-Lauf durch Island sein. Innerhalb nur weniger Stunden können die klimatischen Begebenheiten völlig kippen – mit teils drastischen Folgen: Ein junger Israeli brach beispielsweise vor fast 15 Jahren an einem eigentlich herrlichen Sommertag nach Landmannalaugar auf. Er trug bloß Jeans und Jacke. Ein verhängnisvoller Fehler, denn ein Blizzard am Nachmittag überraschte den Wanderer, die Temperaturen fielen stark ab. Den Notruf konnte er noch gerade so wählen, aber als die Rettungskräfte den verirrten Touristen fanden, war er bereits erfroren. Vorsicht also vor den äußeren Bedingungen!

Die Landschaft Islands ist nicht nur für die Ultraläufer ein Erlebnis. Viele Filmemacher wählten Island als Kulisse für ihre Filme aus. In Island wurden beispielsweise bereits Szenen für "James Bond"- und "Star Wars"-Filme gedreht. Foto: Olafur Thorisson

 

Der Ultramarathon ist für die Läufer wahrlich ein Lauf der Gegensätze. Gestartet im Vulkangebiet laufen die Sportler dennoch einen Teil der Strecke durch Schnee und Eis. Zudem wartet auf die Läufer noch eine weitere, besonders frostige Überraschung: Beim Ultralauf müssen die Teilnehmer nämlich teils bis zu den Hüften durch Flüsse waten. Und die sind bitterkalt, denn bei den Flüssen handelt es sich meist um Ströme, die aus dem geschmolzenen Eis eines Gletschers entstammen. Aber auch zum Aufwärmen hat Island natürlich etwas zu bieten: Hotpots, jene heiße Quellen, für die Island weltbekannt ist und in denen es sich so herrlich entspannen lässt. Vielleicht ist das ja auch genau die richtige Belohnung für die Athleten nach einem anstrengenden Lauf durch Feuer und Eis.


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