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Der Berg ruft!

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31/10/2018
 

171 Kilometer rund um den höchsten Berg Europas, 10.000 zu überwindende Höhenmeter – und nur zwei Tage Zeit: Der "Ultra-Trail du Mont Blanc" ist einer der anspruchsvollsten Ultraläufe der Welt. Und zugleich einer der beliebtesten. Wer hier teilnehmen will, muss sich qualifizieren oder auf Losglück hoffen.


Völlig ausgelaugt ringen die Läufer im Örtchen Courmayeur in den italienischen Alpen nach Luft. 80 der 171 kräftezehrenden Kilometer des Ultralaufs haben die Sportler bereits hinter sich, jetzt pausieren sie kurz. Doch so richtig stockte den Athleten erst mit Blick auf Kontrahentin Sophie Power der Atem: Sie nutzte eine kurze Ruhepause nicht zur Erholung, sondern stillte am Streckenrand ihr drei Monate altes Baby. Am Ende machte Power ihrem Namen alle Ehre und lief sogar mit ihrem Kleinkind auf dem Arm über die Ziellinie. Ein wahrer Kraftakt, den die zweifache Mutter nicht ohne Grund auf sich genommen hat. Denn der Mont-Blanc-Ultra ist für Läufer das, was für Fußballer ein WM-Finale oder was ein Formel-1-Grand-Prix in Monte Carlo für Rennfahrer darstellt: Er ist der prestigeträchtigste Ultralauf der Welt. Was macht den Wettkampf so besonders?

 

Der Ultra-Lauf folgt größtenteils dem beliebten Fernwanderweg Tour du Mont Blanc. Die Strecke führt geradewegs durch die Mont-Blanc-Gruppe, eine Gebirgsformation der Alpen, die sich über gleich drei Länder erstreckt: Frankreich, Italien und die Schweiz. Und der Mont Blanc ist mit seinem über 4800 Meter hohen Gipfel zudem der größte Berg der Alpen, für viele ist er sogar der höchste Berg Europas. Zwar ist der russische Berg Elbrus tatsächlich 835 Meter höher als der Mont Blanc – allerdings ist umstritten, ob der Elbrus noch zu Europa oder schon zu Asien gehört. Höchster Berg hin oder her – die Strecke am Mont Blanc hat es in sich: Mehr als 10.000 Höhenmeter müssen die Teilnehmer des Ultra du Mont Blanc während des Laufes überwinden. Wanderer brauchen für die Strecke meist etwa zehn Tage. Der Ultra-Trail du Mont-Blanc (UTMB) allerdings wird von den Teilnehmern nicht in zehn Tagen gelaufen. Das Zeitlimit ist auf gerade mal 46,5 Stunden festgesetzt – die Läufer haben also nicht mal zwei Tage Zeit, den Ultra durch die Mont-Blanc-Gruppe zu absolvieren. Und die besten Läufer brauchen sogar nur etwa 20 Stunden für die Route, also weniger als einen Tag.

Der Mont Blanc ist der größte Berg der Alpen. Ob er auch der höchste Berg Europas ist, ist bei Experten umstritten. Foto: Pascal Tournaire, UTMB

 

Der Franzose Xavier Thevenard gewann den UTMB im Jahr 2018, er schaffte die 171 Kilometer in 20 Stunden und 44 Minuten. Er war einer von etwa 2500 Teilnehmern. Bereits die bloße Teilnahme am Prestige-Ultra ist umkämpft. Sportler müssen sich, wie bei der Qualifikation für eine Fußballweltmeisterschaft, ihren Platz beim Wettkampf erst verdienen. Nur wer durch gute Leistungen bei anderen Läufen genügend Punkte sammelt, hat seinen Platz beim UTMB sicher. Die restlichen Bewerber brauchen das nötige Losglück und müssen hoffen, dass ihr Name beim zusätzlichen Losverfahren gezogen wird.  Allerdings ist nicht nur die Teilnahme am Ultra für viele Bewerber Glückssache. Denn die Wetterbedingungen am Mont Blanc sind unvorhersehbar und machen Teilnehmern des UTMB das Leben häufig zur Hölle. Mal müssen die Teilnehmer mit heftigen Schneeverwehungen rechnen, mal mit sturzbachartigen Regenfällen und mal dann wiederum mit sengender Hitze.

 

Gleich bei der ersten Ausgabe des Ultras im Jahr 2003 mussten die Läufer sich durch starke Regen- und Hagelschauer quälen. Nur knapp 70 Sportler erreichten das Ziel. Auch 2017 wurde beinahe jeder dritte Teilnehmer von den Witterungen in die Knie gezwungen. Im Gegensatz zu anderen Ultra-Läufen hat der UTMB  zudem auch nicht mehrere Etappen, sondern wird in einem Stück absolviert. Die Athleten laufen teils bei völliger Dunkelheit durch die Nacht und können nur mithilfe von Stirnlampen vor sich die Strecke erahnen. 2012 musste deshalb in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ein komplett neuer Streckenabschnitt erschlossen werden, weil die äußeren Bedingungen es unmöglich machten, den Lauf durch den italienischen Teil der Mont-Blanc-Gebirgsgruppe zu führen. Schneeverwehungen und Hagelschauer machten die Strecke unpassierbar.

 

Trotz – oder besser gesagt: gerade wegen – des unvorhersehbaren Wetters ist der Ultralauf durch die Alpen Jahr für Jahr fester Bestandteil im Kalender der besten Ultraläufer der Welt. Die Vorbereitungen auf einen Lauf, bei dem man nicht weiß, was einen erwartet, sind eine große Herausforderung. Der Spanier Kilian Jornet lief zwar bereits zwei mal über den Mount Everest, dennoch bedeuten ihm seine zwei Siege am Mont-Blanc bis heute viel. Der Ultra Trail du Mont-Blanc ist eben Prestige pur.

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