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Goldrausch 3.0

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27/02/2019
 

Brutal, gefährlich und viel zu rau! So beschrieben Goldgräber Mitte des 19. Jahrhunderts den Western States Trail, den alten Versorgungsweg der amerikanischen Ureinwohner an der Westcoast. Doch für Ultraläufer ist so eine Wegbeschreibung: Perfekt. Deshalb findet auf dem alten Pfad das älteste 100-Meilen-Rennen der Welt statt: Der Western States 100 Miles Endurance Run.


Gold – der Inbegriff von Vollkommenheit und Reinheit. Die Menschen schmücken sich seit vielen Jahrhunderten mit dem kostbaren Edelmetall. Könige und Herrscher drückten mit goldenen Ringen, Kronen und Zeptern ihre Macht aus. Und bis heute kämpfen Sportler etwa bei den Olympischen Spielen um Gold-Medaillen. Kein Wunder also, dass auch die Geschichte eines der ältesten Ultra-Wettrennen der Welt, des Western States 100 Miles Endurance Run, mit der ewigen Suche nach Gold beginnt…

Foto: Luis Escobar


 

Ein Sägewerks-Arbeiter hatte Mitte des 19. Jahrhunderts Goldklumpen an den Ufern des American Rivers entdeckt, einem Nebenfluss des Sacramento Rivers in Nordkalifornien. Das war der Start eines berühmt-berüchtigten Wettlaufs, der Run aufs große Glück. Menschen aus aller Welt versuchten sich anschließend in Kalifornien als Goldgräber. Längst nicht alle fanden tatsächlich Gold. Dafür fanden sie aber verworrene Pfade, die sie schnellstmöglich von einer Goldmine zur nächsten führten – so zum Beispiel den Weg von einer Goldmine in der Nähe der kalifornischen Stadt Auburn zu einer etwa 100 Meilen entfernten Mine nahe des Lake Tahoe an der Grenze zum US-Bundesstaat Nevada: den Western States Trail. Der alte Pfad war zuvor nur von den amerikanischen Ureinwohnern genutzt worden. Die Streckenbeschreibung der Goldgräber klang wenig vielversprechend: „Äußerst gefährlich und brutal, der Zustand ist schlecht und viel zu rau.“ Für heutige Ultra-Sportler aber ist das die perfekte Herausforderung. Kein Wunder, dass hier bis heute der älteste 100-Meilen-Ultralauf der Welt veranstaltet wird, der Western States 100 Miles Endurance Run.

Foto: Luis Escobar

 

Die Strecke hat noch immer nichts von ihrem ureigenen Charme verloren. Wobei "Charme" aus Extremsportlersicht eine ganz eigene Bedeutung hat. Der deutsche Ultraläufer Florian Neuschwander zum Beispiel nahm im vergangenen Jahr zum ersten Mal am "Western States 100", so der Kurzname des Laufs, teil und schilderte, wie ihm das Terrain zu schaffen machte: „Die Downhills in die Canyons, die machen dich kaputt“, so der eigentlich erfahrene Ultrasportler. 5.500 Höhenmeter bergauf und 8.000 Höhenmeter bergab sind beim Lauf durch Kalifornien zu überwinden. Doch wie wurde ein Pfad der Ureinwohner zur Strecke eines Ultralaufs?

Foto: Luis Escobar

 

Knapp 60 Jahre ist her, dass ein „lonesome cowboy“ dem Ureinwohner-Pfad größere Aufmerksamkeit einbrachte. Während des Erstarkens der Automobilindustrie in den 1950er Jahren wollte der Amerikaner Wendell Robie sich und der Welt beweisen, dass ein Pferd innerhalb eines Tages 100 Meilen zurücklegen konnte. Ausgerechnet den ungemütlichen Western States Trail wollte er innerhalb eines Tage  bewältigen. Robie war erfolgreich und nutzte die Gunst der Stunde, um das Distanzreitturnier Western Trail Ride ins Leben zu rufen. Bis heute gilt es als Maßstab für Distanzreitturniere auf der ganzen Welt gilt und kann auch als wichtiger Meilenstein des Ultrasports angesehen werden kann. Warum? 20 Jahre nach Robies Ritt entschloss sich eine Gruppe tollkühner Soldaten, zu Fuß an Robies Reitturnier teilzunehmen. Getreu dem Motto: Was ein Pferd kann, können wir schon lange. Sie scheiterten zwar, aber inspirierten weitere Läufer, es ihnen nachzumachen.

Foto: Luis Escobar

 

Zwei Jahre später nämlich, im Jahr 1974, versuchte auch Gordy Ainsleigh sein Glück. Er hatte bereits mehrfach mit seinem Pferd am Distanzreitturnier teilgenommen und kannte sich im Terrain gut aus. Dank seiner Erfahrung auf dem Gelände lief Ainsleigh die 100 Meilen tatsächlich in unter 24 Stunden. Noch heute wird den Sportlern empfohlen, die Strecke des Western States 100 vor der Teilnahme gründlich zu erkunden. Mehrere Sportler taten es Ainsleigh schon innerhalb weniger Jahre nach. Im Jahr 1977 wurde deshalb erstmals der Western States Endurance Run ausgetragen, das erste 100-Meilen-Rennen der Welt. Immerhin 14 Teilnehmer stellten sich der Herausforderung. Erst gingen die Läufer gemeinsam mit den Teilnehmern des Pferderennens an den Start, später wurden die Veranstaltungen voneinander getrennt. Bis heute erfreut sich der Ultralauf hoher Beliebtheit. Der Andrang auf einen Startplatz ist sogar so groß, dass die Teilnahme nur noch per Los unter den besten Athleten der Welt entschieden werden kann. Etwa 300 ausgewählte Sportler nehmen Jahr für Jahr am Wettkampf teil. Im Prinzip ist der heutige Lauf, nach dem echten Goldrausch im 19. Jahrhundert und dem Pferdewettrennen der 50er Jahre, nun der Goldrausch 3.0 – auch wenn es im Ziel kein echtes Gold gibt, sondern Pokale von eher zweifelhafter Schönheit…

Foto: Luis Escobar

 

Die ausgewählten Teilnehmer dürfen sich auf einen historischen Lauf an den Ufern des American Rivers freuen. Kurz vor Ende des Ultras überqueren die Athleten den Fluss sogar. Nach Gold werden die Teilnehmer wohl nicht suchen wollen. Dafür ist das Wasser viel zu kalt. Und je nach Strömung kann es sogar richtig gefährlich werden. Dann muss der Fluss auf einem Floß überquert werden. Zudem findet die Hälfte des Laufes auch im Stockdusteren statt. An eine Goldsuche ist da kaum zu denken. Die Teilnehmer müssen zwei LED-Lichter bei sich tragen. Eines für sich, und das andere als Reserve für sich oder einen anderen Teilnehmer, dessen Lampe den Geist aufgegeben hat. Die Strecke im Dunklen alleine ohne Licht zu durchlaufen, ist den Sportlern strengstens untersagt. Große Teile der Rennstrecke sind nämlich auch heute noch nur mit dem Helikopter zu erreichen. Steile Anstiege und steinige Abhänge pflastern ihren Weg. Stürzt einer der Sportler oder verirrt sich im Gelände, ist er nur schwer für ein Rettungsteam zu finden. Der Western States 100 wird seinem gefährlichen, brutalen und rauen Ruf also noch heute gerecht.

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