Produkte für PKW / Van / 4x4

New content item

Die durchs Wasser gehen

Events

Print
 
30/11/2016
 

In Schuhen schwimmen? Und dann im Neoprenanzug laufen? Was nach verwirrten Triathlon-Teilnehmern klingt, ist bei einem Wettkampf in Schweden Grundvoraussetzung. Beim Ötillö Swimrun bei Stockholm geht es durch die eiskalte Ostsee – und über 26 Inseln. Teil fünf der GripWorld-Serie "verrückte Läufe".



Foto: Edholm

 

„Warum tu' ich mir das eigentlich an“, fragt sich Mats Andersson jedes Jahr wieder, wenn er um sechs Uhr morgens auf der schwedischen Schären-Insel Sandön nördlich von Gotland auf den Startschuss wartet. Er ist müde, es ist Anfang September bisweilen äußerst frisch – und vor ihm liegt die perfekte Tortur. Doch wenn der Startschuss fällt, läuft Mats Andersson natürlich doch wieder los. Das muss auch so sein. Schließlich ist er einer der Erfinder des "Ötillö Swimruns" – und der einzige Teilnehmer, der bisher jedes Jahr teilgenommen hat. Nachdem er den Wettkampf 2006 mit Freunden zum ersten Mal organisiert hat, ist ein regelrechter Hype entstanden. Das verwundert nicht, ist der Öttilö Swimrun wohl einzigartig auf der Welt. Eine Art Duathlon, nur ohne Fahrradfahren, aber mit Schwimmen. Eine nordische Kombination, nur ohne Langlauf und Skispringen. Der Clou beim Swimrun: Man schwimmt und läuft abwechselnd, durch die skandinavische Ostsee, im Inselgewirr vor Stockholm, rund zwei Dutzend Inseln werden überlaufen. Das summiert sich auf rund 65 Kilometer Laufen und zehn Kilometer Schwimmen – und die gesamte Distanz tragen die Teilnehmer Neoprenanzug und Turnschuhe, zu Lande und zu Wasser.

Foto: Edholm

 

Angetreten wird in Zweierteams. Es geht durch die wunderschöne Natur des Stockholmer Schärengartens – manch einer kennt sie noch aus den Astrid-Lindgren-Filmen "Ferien auf Saltkrokan". Doch romantisch ist der Lauf nicht unbedingt: rutschige Felsen, unwegsame Wäldchen, kabbeliges Ostseeterrain müssen bewältigt werden. Teilweise ist selbst trotz der Spätsommer-Zeit mit eiskaltem Wasser und stärkeren Strömungen zu rechnen. 26 Inseln werden überquert. "Ötillö", das bedeutet so viel wie "von Insel zu Insel".

 

Und weil Verrücktes gern globalisiert wird, finden mittlerweile auch Qualifikationswettbewerbe in Deutschland, England und der Schweiz statt. Die Besten dürfen sich dann auf das Finale bei Stockholm freuen, das gleichzeitig das härteste Rennen von allen ist. In Deutschland zum Beispiel gingen vergangenen Oktober im „Land der 1000 Seen“ – der mecklenburgischen Seenplatte – 300 Teilnehmer an den Start. Zieleinlauf war am Schloss Rheinsberg in Brandenburg. Auf dem Programm standen 33,3 Kilometer Lauf- sowie zehn Kilometer Schwimmstrecke in insgesamt elf Seen. Zwischen neun und zwölf Grad Wassertemperatur und an die acht Grad Außentemperatur – die Veranstalter mussten intervenieren und strichen die längste Schwimmstrecke aus dem Kurs. An der Härte des Wettkampfes änderte das nichts. „Es war kalt und lang und hart. Beim Schwimmen ging es uns gut, das größte Problem heute war die Kälte”, sagte Knut Baadshaug aus dem deutschen Team „The Visible Ninjaz“, das auch einen der begehrten Startplätze für den Showdown in Schweden ergattern konnte.

Foto: Edholm

 

Was sich heute zu einem regelrechten Hype entwickelt hat, entstand aus einer Bierlaune heraus im Jahre 2003. Wie so oft war es ein Kneipentisch, der als Geburtsstätte der Idee fungierte. Vier befreundete Schweden saßen in der Bar des Hotels Värdshus auf der Schäreninsel Utö zusammen. Die Köpfe über einer Landkarte fragten sie sich, wie viele von den Schärengarten-Inseln sie schon besucht hätten. Und wie man eigentlich ohne Boot von Utö nach Sandön käme? Die Lösung war klar. Ein Wettkampf musste her. Wenig später verabredeten sich die vier zum ersten "Schwimmlauf". "Auf der Karte sah die Strecke ja noch recht kurz aus, zehn Zentimeter waren es", erzählt Mats Andersson heute. Daraus wurden dann 68 Kilometer und 24 Stunden Wettkampfzeit. Schon wenig später startete der erste offizielle Ötillö Swimrun.

 

Die Zweifel, die ihn bei jedem Start in der Kälte überkommen, sind aber immer schnell verflogen. Am 4. September 2017 wird er wieder loslaufen. „Wenn ich bei der ersten von 26 Inseln ankomme, die Sonne langsam aus dem Ozean emporsteigt und ich über die Klippen und den felsigen Boden laufe, dann sind alle Fragen weggewischt. Es ist wunderschön, ein magischer Moment", schwärmt er. Auch, dass die ursprüngliche Idee einer Zusatz-Disziplin, bei jeder Insel-Gaststätte auf dem Weg einen zu trinken, aus dem Programm gestrichen wurde, hält ihn nicht von dem Wahnsinn ab, mehr als 60 Kilometer im Neoprenanzug zu laufen und zehn Kilometer in Laufschuhen zu schwimmen.

Wir verwenden Cookies, um Ihren Besuch auf unserer Website zu optimieren. Klicken Sie hier, um weitere Informationen zu erhalten oder um Ihre Cookies-Einstellungen zu ändern.