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Eis, Wind, Einsamkeit

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13/08/2018
 

Dieser Ultralauf ist eigentlich gar kein Ultralauf – sondern eine ultraabenteuerliche Expedition. Klettern am Hang, Laufen über Gletscher, mit dem Fahrrad durch die Einsamkeit und dem Kajak durch die Stromschnellen: das "Patagonian Expedition Race" führt an der Grenze des Machbaren.

Er setzte die Segel, um unter spanischer Krone die Welt zu erkunden – und wurde zu einem der größten Entdecker der Geschichte. Fast 500 Jahre ist es her, dass Fernando Magellan auf der Suche nach einem Seeweg durch den südamerikanischen Kontinent eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt fand – die heutige Magellanstraße. Die See war bedrohlich, die Stürme heftig, die Stimmung an Bord hoffnungslos – doch die Angst vor dem im Süden gelegenen Kap Horn trieb die Verwegenen weiter zum Erfolg: mitten durch die Passage zwischen Feuerland und Patagonien. Ach, Patagonien. Land Südamerikas, das zum Teil zu Chile, zum Teil zu Argentinien gehört. Raue Natur, Einsamkeit, wilde Elemente. Und auch heute reisen kommen Abenteurer, um den Lauf ihres Lebens zu erleben. Besser: eine Abenteuer-Expedition der besonderen Art. Denn das "Patagonian Expedition Race" kennt keine Gnade. In vier Disziplinen – zu Land, zu Wasser und am Berghang – werden rund 1000 Kilometer Strecke zurückgelegt, meist bei stärkstem Gegenwind. Es ist einer der härtesten Abenteuer-Wettkämpfe der Welt.

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Foto: Walter Alvial

 

„Jedes Jahr dringen wir in neue Gebiete Patagoniens vor, um Strecken zu finden, die so eindrucksvoll, wild und unerschlossen wie möglich sind”, sagt Veranstalter Stjepan Pavicic in fast magellanscher Manier. “Für die Athleten soll sich die Strecke dabei immer an der Grenze des Machbaren bewegen.“ Die Route ist also immer wieder eine andere, das Zeitlimit liegt, je nach Länge des Rennens, zwischen neun und dreizehn Tagen. Die nächste Ausgabe ist schon terminiert, sie findet vom 17. bis zum 30. November 2018 statt.

Im chilenischen Patagonien, einer feuchten, von Urwäldern durchzogenen und von Fjorden zerrissenen, inselartigen Landschaft kann man schnell die Orientierung verlieren. Berge, Gletscher, Wälder, Sumpfgebiete, Flüsse, Seen und Kanäle – alles dabei. Mal geht es durch die Magellanstraße, mal durch den Beaglekanal. Mal durch das südpatagonische Eisfeld, dann sogar bis nach Feuerland. „Die Ebenen sind ohne Grenzen, denn sie sind kaum zu durchqueren und daher unbekannt“, schrieb schon Charles Darwin über Patagonien während seiner Weltumsegelung 1833. „Sie sind dadurch geprägt, dass sie Jahrhunderte lang so bestanden haben, wie sie jetzt sind, und es scheint keine Grenze für ihre Dauer durch künftige Zeiten zu bestehen.“ Er behielt Recht. Bis heute hat sich daran wenig geändert. Grenzen gibt es beim Patagonian Race natürlich trotzdem – für die Teilnehmer. Zu Fuß, per Mountainbike, im Kajak und sogar am Berghang müssen sie ihr Können beweisen. Nur fünfzig Prozent der Starter kommen überhaupt ins Ziel.

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Foto: Michael Clarke

 

Das Teilnehmerfeld ist international belegt und setzt sich aus Viererteams zusammen. Es gilt: Die Gruppe ist nur so stark wie das schwächste Glied. Bricht sich einer den Fuß, sind alle raus – keine Gnade. Doch die Abenteurer wissen, worauf sie sich einlassen. Ein Blick auf die Equipment-Liste reicht, um zu verstehen, dass dies nicht einfach nur ein Laufwettbewerb ist. Ob Kletterseil, Kayak-Paddel oder Mountainbike – alles muss selbst organisiert werden. Auch ein Tandem ist erlaubt, wenngleich von der Organisation nicht empfohlen. Natürlich muss das Kayak-Paddel nicht auf dem Rücken getragen, das Fahrrad nicht beim Laufen geschoben werden – das bringt der Veranstalter an die jeweiligen Checkpoints. Doch allein die Liste mit Dingen, die ständig vom Team transportiert werden müssen, umfasst 25 Punkte. Auch ein Zelt für vier Personen gehört dazu, denn die Nächte werden im Freien verbracht. Erbarmungslos die Regeln, aber eben auch die Landschaft. Als sich das amerikanische Calleva-Team 2009 verirrte, musste es geborgen werden – nachdem es sich tagelang von Beeren ernährte. Ein Satellitentelefon ist zwar Pflicht, doch ob es genutzt wird, entscheiden die Teilnehmer selbst. Bis kurz vor dem Start wissen sie nicht einmal, wo es lang gehen wird. Erst bei der obligatorischen Eröffnungszeremonie wird das Geheimnis gelüftet. Bei der letzten Auflage, im Februar 2016, ging ein Raunen durch den Saal, als Stjepan Pavicic erste Details preis gab: Schon die zweite Etappe ist eine Radetappe, 272 Kilometer lang, bei 90 Stundenkilometer starkem Gegenwind.

Wie einst der Entdecker Magellan müssen die Teilnehmer extreme Widrigkeiten ertragen, um das große Ziel zu erreichen. Mal muss einhändig Rad gefahren werden, um das Gesicht vor Hagel zu schützen. Mal müssen reißerische Stromschnellen mit dem Kajak besiegt werden. Mal muss verkraftet werden, dass man von einem wilden Schafbock vom Fahrrad gerammt wird. „Es geht bei dem Rennen nicht allein um die physische und mentale Herausforderung“, sagt Pavicic. „Wir wollen der Welt auch die Botschaft senden, dass diese Region geschützt werden muss.“ Die Natur in Patagonien ist nahezu komplett unberührt – und das soll auch so bleiben. „Der Ort, die Herausforderung, die menschliche Erfahrung – manchmal müssen wir uns rückbesinnen auf unsere Herkunft, die Wildnis, und eine Verbindung herstellen mit der Welt aus der wir ursprünglich kommen.“

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