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„Laufen hilft immer“

Interviews

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08/08/2017
 

Vanessa Hinz ist einer der erfolgreichsten deutschen Biathletinnen. Im Interview mit GripWorld erzählt die Wintersportlerin, wie sie sich im Sommer mit Laufen fit hält – und warum Zypern ein guter Ort zum Entspannen ist.


Frau Hinz, wir sprechen heute bei hochsommerlichen Temperaturen. Vermissen Sie den Schnee?

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob ich eine Lieblingsjahreszeit habe. Zu jeder Zeit des Jahres gibt es natürlich etwas, das ich schön finde. Im Sommer, wenn es so heiß ist wie heute, ist es natürlich schwer, Sport auf Wettkampfniveau zu treiben. Da habe ich großen Respekt vor den ganzen Sommersportlern, den Triathleten oder Läufern beispielsweise. Training ist für mich bei Sommerwärme aber kein Problem. Das mache ich sogar sehr gerne. Also, den Schnee vermisse ich gerade nicht.


Wie sieht denn der Sommer eines Wintersportlers aus? Was machen Sie?

Ich habe eigentlich jedes Jahr den gleichen Plan. Mitte Mai fängt nach der langen Wintersaison das Sommertraining an, das geht dann zunächst bis Anfang, Mitte Juli. Dann gibt es eine Woche, in der sich das ganze Training setzen kann. In der wir auch Zeit haben, mal auf andere Gedanken zu kommen. Und dann geht es bis in den Herbst hinein weiter bis zu den Deutschen Meisterschaften. Dann sieht man, wie gut man im Sommer trainiert hat. Danach habe ich noch eine Woche frei. Und dann geht es schon wieder in den Schnee.

 

Welche Rolle spielt das Laufen im Sommertraining?

Eine große Rolle. Das Glück an meiner Sportart ist, dass ich zum Trainieren eigentlich fast jede Sportart machen kann, die die Ausdauer stärkt. Laufen hilft immer. Dieses Jahr werde ich extrem viel joggen. Am Anfang ist es immer ein bisschen hart, bis man seinen Laufrhythmus gefunden hat. Es ist ein ganz anderer Bewegungsablauf als beim Biathlon.

Vanessa Hinz ist eine der erfolgreichsten deutschen Biathletinnen. Sie wurde bei der WM 2016 in Hochfilzen Doppel-Weltmeisterin in der Mixed- und Damen-Staffel und erzielte auch im Einzel im Weltcup bereits mehrfach Top-Ten-Platzierungen.

Foto: Hinz

 

Ihre Familie hat ein Haus auf Zypern. Wie verbringen Sie dort Ihre Zeit? Joggen Sie morgens am Strand?

Nach Zypern fliege ich heute nur noch, um wirklich Urlaub zu machen. Früher, als ich jünger war, da waren wir zum Teil die ganzen Sommerferien auf Zypern. Da musste ich natürlich auch dort trainieren und habe teilweise sogar meinen Skiroller mitgenommen. Und tatsächlich war ich auch am Strand joggen. Aber ein ernsthaftes Training ist bei vierzig Grad im Schatten eher schwierig. 30 bis 60 Minuten am Strand joggen, das geht dann gerade noch.

 

Sie haben einmal gesagt: „Ich bin ziemlich gut darin, Pause zu machen.“ Wie sieht die ideale Pause al la Hinz aus?

Nach Zypern reise ich mittlerweile fast nur noch zum Genießen. Ich kenne dort ja alles in- und auswendig – die Strände, das Essen, die schönen Orte. Dort sind die Alpen weit weg, ich komme auf andere Gedanken. Einfach mal shoppen gehen, keinen vollen Terminplan haben. Training und Wettkämpfe, das ist mein beruflicher Alltag. Ich stehe auf, frühstücke, gehe trainieren, esse, schlafe, trainiere, dann gibt es Abendessen. So ist dann jeder Tag bei mir. Ich genieße es daher, auch mal den Tag frei zu haben und nichts planen zu müssen. Einfach mal Ruhe zu haben. Auch mal einfach Ich zu sein, nicht die Biathletin. Und das kann ich gut auf Zypern, weit weg von allem, oder zuhause im Kreise der Familie und der Freunde.


Wie unterscheidet sich Laufen im Schnee vom Laufen im Sand?

Beides ist natürlich schwerfälliger als auf Asphalt zum Beispiel. Ich laufe allerdings weder im Sand noch im Schnee richtig gerne. Im Sommer, wenn ich am Strand bin, dann will ich eigentlich nur in der Sonne liegen. Und im Winter will ich natürlich sofort meine Langlauf-Skier anschnallen. Aber Lauftraining gehört im Winter natürlich auch dazu. Zum Auslaufen geht es dann mit Spikes unter den Laufschuhen.

 

Ist Laufen denn eine angemessene Trainingsmethode für eine Biathletin? Die Bewegungen sind doch recht verschieden…

Ganz bestimmt. Für andere Wintersportler mag es sich anders verhalten, Skifahrer zum Beispiel trainieren viel auf dem Mountainbike. Aber für uns ist es super. Es darf nur nicht über zu lange Distanzen gehen, die Gelenke sollte man nicht überanstrengen. Es ist einfach eine super Alternative. Einfach aus der Haustür hinaus und los – das ist beim Biathlon selbst schon anders.

Vanessa Hinz startet erst seit 2012 im Biathlon – zuvor war sie Langläuferin. Sie wuchs am bayerischen Schliersee auf und lebt heute in Ruhpolding.

Foto: Hinz

 

Macht Ihnen das Lauftraining Spaß?

Ganz unterschiedlich. Manchmal gibt es Tage, da geht es ganz locker und leicht. Und dann gibt es natürlich Tage, wo ich einfach nicht in den Tritt komme. Aber im Grunde macht es mir Spaß, ich laufe schon sehr gerne. Man kommt in die innere Ruhe und auch mit den Gedanken wieder runter. Ich höre auch gerne Musik dabei.

 

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Musik beim Training leistungsfördernd sein kann. Haben Sie ein Motivations-Lied?

Ich habe eine feste Playlist, die ich im Winter immer vor den Wettkämpfen höre. Vom Tumult kriegt man sowieso genug mit. Für mich ist es wichtig, sich davon abzukapseln. Dafür brauche ich die Musik. Manche ziehen Kraft aus den Menschenmassen und dem Jubel. Ich bin eher jemand, die sich mit Musik herunterholt. Man verbindet ja auch mit jedem Lied etwas. Momentaufnahmen, Gefühle und Erinnerungen, aus denen ich dann Kraft schöpfen kann. Im Sommer beim Laufen ist das natürlich entspannter. Da höre ich aktuelle Hits, gemischt mit Klassikern, zum Beispiel „What are you waiting for“ von Nickelback oder irgendetwas von Robbie Williams. Musik kann brutal gut anspornen. Man vergisst alles andere und singt einfach mit.

 

Es heißt: Eine gute Skifahrerin wird im Sommer gemacht…

Das unterschreibe ich sofort! Im Sommer wird der Grundstein gelegt, da geht es nur ums Training. Im Winter hat man ja kaum Zeit zu trainieren. Du kannst vielleicht noch ein paar Einheiten machen, um spritzig zu werden. Aber die Kondition und Stärke, die man den ganzen Winter über braucht, die holt man sich im Sommer mit dem Ausdauertraining.

 

Sie sind am Schliersee aufgewachsen. Laufen in den Bergen bedeutet: Immer wieder rauf und runter. Ist das ein Grund, warum Sie keine Langstreckenläuferin geworden sind?

Ich kenne das ja gar nicht anders. Aber um den Schliersee herum gibt es auch schöne flache Passagen. Es ist natürlich nicht der Englische Garten in München. Aber ich trete auch nicht vor die Tür und stehe vor einer Steilwand. (lacht)

 

Was wäre denn aus Ihnen geworden, wenn Sie aus Schleswig-Holstein kämen?

Vielleicht Triathletin? Der Sport liegt mir im Blut. Meine Schwester und ich haben früher eigentlich alles ausprobiert. Das war hier einfach so. Du kamst von der Schule nach Hause und bist dann gleich wieder los zum Turnen, zum Tennis, zum Schwimmen, zum Alpin-Training oder zum Langlauf. Das war kein Pflichtprogramm, aber im Freundeskreis war es ganz normal, wir haben das immer gern gemacht. Ich habe zwar auch mal Flöte gespielt, aber das Musikalische ist einfach nicht so meins. Im Chor habe ich auch gerne gesungen, aber auch da liegen nicht gerade meine Stärken. (lacht)

 

Wenn im Herbst der erste Schnee in den Bergen fällt, was geht Ihnen dann durch den Kopf? "Juchu"? Oder "Jetzt geht das wieder los…"?

Da bin ich wie ein kleines Kind, das sich einfach nur riesig freut. Dann weiß ich, dass es bald endlich wieder losgeht. Ich stand im Sommer lange genug auf dem Skiroller und freue mich einfach, dass es wieder auf die Ski und den Schnee geht. Dann wird es auch Zeit, dass man zeigen kann, wofür man den ganzen Sommer trainiert hat.

 

Was ist Ihr nächstes Ziel?

Die Olympischen Spiele kommendes Jahr. Die sind zum Greifen nahe. Da will ich natürlich dabei sein. Ich möchte auf jeden Fall an die letzte Saison anknüpfen und noch mal einen drauflegen, das ist klar. Und dann schaue ich, was dabei herauskommt. Und da ich letztes Jahr bei einer WM war, wären die Olympischen Spiele natürlich der nächste logische Schritt. Mal sehen, was daraus wird.

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