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"Die Wüste ist ein Spiegel"

Interviews

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22/11/2017
 

Rafael Fuchsgruber ist Wüstenläufer: Er rennt hunderte Kilometer durch die Sahara, durchs australische Outback und durch die heißeste Wüste der Welt im Iran. Im Interview mit GripWorld spricht der 56-Jährige über Durst, Halluzinationen – und warum er nur ein Paar Schuhe zu den Rennen mitnimmt.


Herr Fuchsgruber, Sie haben bei Facebook einen kurzen Film veröffentlicht. In einer Sequenz liegen Sie in einem Zelt, trinken aus einem Infusionsbeutel und essen Salz aus einem Salzstreuer. Was war da los?

Das ist eine Szene aus der Wüste Lut im Iran, vom Iranian Silk Road Ultramarathon entlang der persischen Seidenstraße. Dabei geht es 250 Kilometer in fünf Etappen durch die heißeste Gegend der Welt. Das Magazin Geo hat ja gerade eine Titelgeschichte zur Wüste Lut gemacht und dort 78,2 Grad gemessen! 2016 bin ich mitgelaufen und habe selbst auch die Temperatur ermittelt, immerhin 56 Grad. Das ist noch immer brutal. Zumal diese 56 Grad mit einer Uhr, in die auch ein Thermometer integriert ist, auf Brusthöhe gemessen wurde. Auf Höhe der Schienbeine waren es schon 63 Grad. Die Lut-Wüste liegt in einem Gebiet mit vulkanischer Aktivität unter der Erdoberfläche. Da hast du dann die Sonne von oben und dazu die Hitze von unten. Das macht sich gerade auch beim Ausruhen oder Schlafen bemerkbar, da liegt man im Zelt ja auf dem heißen Boden.

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Rafael Fuchsgruber ist der erfolgreichste deutsche Wüstenläufer. Beim Ultra Desert Race in Namibia erreichte er Platz 1, ebenso beim heißesten Wüstenrennen der Welt im Iran, dazu kommen viele Top-Drei-Platzierungen in den Wüsten dieser Welt. Fuchsgruber fing erst mit Anfang 40 an zu laufen, nachdem er seine Alkoholsucht überwunden hatte. Heute ist der 56-Jährige Inhaber einer Konzertagentur zudem ein gefragter Vortragsredner und Buchautor. Gerade erschien sein Buch "Passion Laufen. Von Marathon bis Ultra" (Delius Klasing Verlag). Zu seinem 10-jährigen Wüstenlaufjubiläum gründete er den Little Desert Runners Club. In einer bisher weltweit einmaligen Aktion führte Fuchsgruber vierzehn Anfänger im Wüstenlauf über 250 Kilometer ins Ziel beim Sahara Race 2017.

Fotos: 4deserts.com/. Benini- ISRU2016/Leslie Niemöller/Steffen Neupert

 

Und trinkt aus Infusionsbeuteln?

Ging nicht anders. Ich liege da in dem Filmchen, das Sie ansprachen, neben Mohamad Ahansal, einem der besten Wüstenläufer der Welt. Wir mussten uns behelfen, weil der Veranstalter leider vergessen hatte, einen Checkpoint aufzubauen. Und so wurden aus den üblichen rund zehn Kilometern zwischen den Checkpoints, wo es immer auch Verpflegung gibt, auf einmal zwanzig Kilometer. Es fehlten uns damit die 1,5 Liter Wasser, die man an jedem Checkpoint bekommt. Das war hart. Du bist leer, und dann gibt es nichts, außer den nächsten zehn Kilometern Laufstrecke. Kurz vor dem nächsten Checkpoint kamen zwar Versorgungsfahrzeuge, da waren Mohamad und ich, die wir zusammen gelaufen sind, aber schon ziemlich fertig. Es war am Checkpoint kein Doc da. Nur Infusionsbeutel. Also haben wir die getrunken, und dazu Salz geschleckt. Der Körper muss nach so einer Strapaze sehr bald wieder Salz erhalten, damit man keine Krämpfe bekommt. Viele Läufer klagen in der Wüste über Krämpfe aufgrund von Salzmangel.

Rafael Fuchsgruber vermittelt in seinem neuen Buch (Delius Klasing Verlag, mit Co-Autor Ralf Kerkeling, Chefredakteur des Magazins aktivLaufen) seine Erfahrungen, die ihn über 10 Jahre sein Ziel erreichen ließen: vom Nichtsportler zum erfolgreichen Läufer. Die Gäste mit ihren Geschichten und Tipps zählen zu den besten Läufern der Welt, darunter Kilian Jornet und Marco Olmo. Profis aus Training, Ernährung, Sportpsychologie und Medizin steuern den aktuellen Stand der Wissenschaft bei.

Foto: Delius Klasing Verlag

 

Warum laufen Sie überhaupt in Wüsten? Wesentlich angenehmer sind doch herkömmliche Marathons. Und Sie sind ja vor Ihrer Wüsten-Karriere auch bei vielen Städtemarathons an den Start gegangen…

Weil ich furchtbar neugierig bin und mich neue Sachen immer interessieren. Mir ging es irgendwann so, dass ich bei den bekannten Städtemarathons keinen großen Unterschied mehr ausmachen konnte. Ob Paris oder Berlin, die Läufe ähneln sich doch ziemlich. In Paris und Berlin wird man bei so einer Aussage vielleicht aufschreien, aber aus läuferischer Sicht ist es so. Man läuft gegen die Uhr, hat seine persönlichen Ziele – und irgendwann hat man das ausgereizt. Dann kommt die Frage: Und jetzt? Ich war immer schon gerne in der Welt unterwegs, und Iran ist einfach der Hammer. Das Land öffnete sich, gerade nach der Unterzeichnung des Atomabkommens vor rund zwei Jahren, und dann gab es dieses Rennen in dieser unglaublichen Wüste. Das hat mich richtig kirre gemacht. Und dann stand ich dort 2016 am Start. Eines der spannendsten Rennen meines Lebens.

 

Warum aber üben unwirtliche Orte eine solche Anziehungskraft auf Sie aus?

Ich kann's gar nicht wirklich sagen. Das ist wie mit dem Spruch "Wo die Liebe hinfällt". Du verliebst dich und weißt nicht warum. Es macht einfach bumm, und die Faszination ist da. Das gibt es ja in vielen Varianten im sportlichen Bereich. Der eine steigt auf den höchsten Berg, der andere rennt durch die Wüste. Ich hab als Kind immer die Tierfilme von Bernhard Grzimek gesehen. Meine Eltern haben uns Kindern damals Band für Band seine "Tierleben"-Enzyklopädie gekauft. Mein Kindheitstraum war, irgendwann einmal Afrika zu sehen. Die Idee habe ich dann im Leben ein bisschen aus den Augen verloren. Erst vor ein paar Jahren, als ich mit dem Laufen begann, kam das wieder hoch. Da war ich tatsächlich in Afrika, und all das hat mich unglaublich fasziniert, die Hitze, die Wüsten, die Tiere.

 

Aber warum dort laufen? 260 Kilometer nonstop durch die Sahara, in Etappen 520 Kilometer durch das australische Outback oder eben 250 Kilometer durch die heißeste Wüste der Welt: Warum brauchen Sie das?

Ich brauche das nicht. Das ist mein Urlaub. Urlaub, Vergnügen, der Wunsch, auszuprobieren, was dabei mit einem passiert. Es macht mich einfach glücklich, wenn ich so einen Plan umsetze und dann, nach langen Vorbereitungen, alles klappt. Dabei geht es mit nicht um Platzierungen. Ich habe in Namibia mal ein Wüsten-Rennen gewonnen, das gehört heute gar nicht zu meinen Lauf-Höhepunkten. Ich kann mich über einen zweiten Platz viel mehr freuen, wenn das Rennen sensationell gelaufen ist und ich all das verwirklichen konnte, was ich mir vorgenommen hatte. Da ist es dann unerheblich, wie viele Läufer vor oder hinter mir liegen.

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Danke, das tut gut: Kleine Abkühlung in Namibia.

Fotos: 4deserts.com. Benini- ISRU2016/Leslie Niemöller/Steffen Neupert

 

Was geht Ihnen durch den Kopf bei einem Wüstenlauf?

Das Denken verändert sich. Man kommt sich selbst näher. Der Sand, die Hitze, das Gestrüpp um einen herum, all das wird tatsächlich zweitrangig. Deine eigene Sicht auf die Welt und auf das Leben, auf dich selbst, das wird wichtig. So eine Wüste, mit 500 Kilometern Laufstrecke, ist dafür schon ein sehr geiler Ort. Man ist nicht abgelenkt. Die Landschaften sind weit und offen und sich dann doch recht ähnlich. Du hast diese Unendlichkeit vor dir. Viel Raum zum Träumen und zum Denken. Und dann kommst du über die Tage in so einen ganz speziellen Flow. So ein Lauf ist körperlich zwar extremst anstrengend, du träumst das aber quasi weg. Ich kann mich selbst hypnotisieren durch das Laufen. Ich kann manchmal stundenlang laufen und bekomme von der Umgebung oder dem, was im Rennen passiert, ganz wenig mit. In der Namibwüste in Namibia stand mitten im Rennen ein Baum an der Strecke. Das war etwas Besonderes, denn da gab's sonst keine Bäume. Nur diesen einen, und an dem sind wir alle vorbei gelaufen. Alle sprachen nachher von diesem Baum. Ich aber konnte mich nicht an ihn erinnern. Weil ich in Gedanken ganz woanders gewesen war. Ich glaube, ich lerne beim Laufen sehr viel über mich. Über den Umgang und die Achtsamkeit mit mir selbst. Das ist schwierig in Worte zu fassen. Nicht, dass ich nachher schlauer bin. Aber irgendwie geht’s mir dann besser

 

Die Außensicht auf einen Ultralauf in der Wüste ist mitunter eine andere. Was für Reaktionen erleben Sie denn von den Menschen vor Ort? Werden Sie ausgelacht, wenn Sie bei 60 Grad durch deren Dorf rennen?

Nein, ausgelacht wurde ich noch nicht. Bei vielen Wüstenrennen triffst du ja auch fast niemanden. Und wenn man doch einmal auf einen Beduinen, einen Berber oder einen Tuareg trifft, dann bleibt man auch stehen und unterhält sich und sagt ‚Guten Tag‘ und ‚Auf Wiedersehen.‘ Natürlich sind solche Begegnungen intensiver als wenn dir hier jemand im Westerwald über den Weg läuft. Es gibt auch Rennen in Steppenlandschaften oder Halbwüsten, da läuft man tatsächlich auch durch ein, zwei Dörfer. Das ist super. In Kamerun bin ich an einer Schule vorbeigelaufen, da war gerade Unterrichtspause. Auf dem Schulhof spielten die Kinder, so wie überall auf der Welt. Die Jungs spielten Fußball und die Mädels waren am Seilhüpfen und Fangen spielen. Und dann kommt da so ein Weißer vorbei, in der Mittagshitze bei 40 Grad. Großes Hallo, auf einmal hatte ich 50 Kinder um mich rum, die mit mir durchs Dorf gelaufen sind. In Kamerun lernen die Kinder in der Schule Französisch, so konnte man sich dann ein wenig unterhalten. Und die haben mich schon gefragt: Was machst du hier, was ist das für ein Quatsch? Das ist dann sehr erfrischend, so eine Schar lachender Kinder in Afrika, die den Kopf schütteln und dir sagen, du bist doch verrückt, und sich dann aber mit einem herzlichen ‚bon courage, bon voyage‘ verabschieden. Ich meine, das ist ja auch ein bisschen verrückt: In Kamerun ist das Leben nicht so einfach, und dann läuft da einer grundlos durch die Gegend, mit dem Rucksack, in der Mittagshitze. Dass man den nicht ganz ernst nimmt, kann ich verstehen.

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Trinken ist das A und O, so wie hier in Namibia.

Fotos: 4deserts.com. Benini- ISRU2016/Leslie Niemöller/Steffen Neupert

 

In vielen Kulturen wird man als Fremder gerne zum Essen eingeladen. Hat man als Wüstensportler nicht Angst, sich den Magen zu verderben?

Ich habe am Anfang meiner Rennen in der Wüste einmal eine Einladung zum Tee abgelehnt – und mich danach mächtig geniert, es war mir wirklich richtig peinlich. Wir hatten aber eben immer von den Veranstaltern eingeimpft bekommen, man solle vor Ort nichts essen, nichts trinken und vor allem keine Einladungen annehmen, da wolle man uns bloß abzocken. Ich habe dann für mich beschlossen: Wenn du irgendwo eingeladen wirst: Du gehst hin, du isst, was aufgetischt wird. Und tatsächlich habe ich noch nie, bei allem was ich gegessen habe, und das waren seltsame Sachen, Probleme bekommen. Und es wollte mich auch niemand ausrauben oder abzocken.

 

Was für kulinarische Erfahrungen haben Sie denn gemacht?

Ich bin ja neugierig. In Duala in Kamerun habe ich mir mit ein paar Kollegen einen Guide aus dem Hotel geschnappt, dann sind wir in die Gebiete gefahren, wo nur Blechhütten stehen, wo die wirklich bunten Märkte sind, wo Mopeds und Lkw und klapperige Pkw ein Riesenchaos veranstalten. Das versprochene Restaurant war dann kein Restaurant, sondern eine Mischung aus Kneipe und Disco. Laute Musik, überall Kakerlaken, das Essen haben sie von draußen von den Ständen hereingeholt. Ich möchte nicht wissen, welche Tiere dort als "chicken", als Hühnchen, durchgehen. Das war schon sehr abenteuerlich. Aber: Es hat sich keiner den Magen verdorben.

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Beim Sahara-Rennen geht es auf und ab – und Schatten gibt es nicht.

Fotos: 4deserts.com. Benini- ISRU2016/Leslie Niemöller/Steffen Neupert

 

Gibt es beim Laufen auch Momente des Zweifelns, in denen Sie denken: Warum mache ich das hier?

Ja. Die Rennen sind hart. Wenn ich davon erzähle, klingt es manchmal so, als sei das alles ein großer Spaß. Aber die Rennen sind bitter anstrengend, das gehört zu einer ganz großen Liebe dazu. Wenn's nicht so zehrend wäre, dann wär's auch nicht so reizvoll. Natürlich gibt es die Krisen, und es gibt die Verletzungen, und manchmal läuft man in ein mentales Loch und weiß nicht weiter. Aber da ich das schon lange mache, kann ich damit heutzutage ganz gut umgehen. Denn wenn ich eins gelernt habe: Eine Krise ist eine temporäre Erscheinung. Ich vergleiche das gerne mit dem Besuch der Schwiegermutter unangekündigt am Sonntagmittag. Nichts gegen Schwiegermütter, aber jeder weiß, was damit gemeint ist. Unangekündigt steht sie da, du bittest sie herein, weißt aber, um sechs oder sieben Uhr ist sie wieder weg. Beim Laufen gibt es Momente, da denkst du, die Welt geht unter. Du hast Halluzinationen, du kannst nicht mehr laufen, du musst marschieren. Du denkst, das hört nie mehr auf, und du willst aufgeben. Heute weiß ich, es macht Sinn, weiter zu machen. Wissen Sie, meine kleine Tochter ist behindert auf die Welt gekommen. Bei ihr sehe ich, was es bedeutet, jeden Tag zu kämpfen. Daran muss ich oft denken, gerade auch beim Laufen. Da denke ich, ey Fuchsgruber, nur weil dir die Füße qualmen willst du aufhören? Da sage ich meinem inneren Schweinehund einfach "halt's Maul". Es geht weiter, immer weiter.

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Für viele Läufer ist der Weg das Ziel beim Wüstenrennen durch die Sahara. Ganz am Ende aber ist natürlich das Ziel das Ziel…

Fotos: 4deserts.com. Benini- ISRU2016/Leslie Niemöller/Steffen Neupert

 

Wie gehen Sie denn mit Halluzinationen um? 

Na ja, ich sehe ja keine grünen Männchen. Aber teilweise denke ich, ich sei klar im Kopf, bin aber der einzige, der das so sieht… Im Iran hatte ich einen Kameramann dabei, der meinen Lauf dokumentiert hat. Da gibt es eine Szene, in der ich am Ende einer langen Etappe ein Interview gebe, und da merkt man, der Fuchsgruber hat in dem Moment nicht mehr alle Tassen im Schrank. Ich erzähle, und ich war wirklich müde und durstig, dass ich mich, wenn ich nach Hause komme, zwei Tage lang in den Kühlschrank setzen werde – und ich werde keinen herein lassen. Das erzähle ich so lallend, als wäre ich betrunken. Dabei bin ich seit 14 Jahren trocken. Außerdem ist es ja quatsch, selbst wenn da jemand im Kühlschrank sitzen würde, dann will da bestimmt kein anderer mit hinein.

 

Was muss man mitbringen, um einigermaßen heil durch die Wüste zu kommen

Das Wollen, das ist ganz entscheidend. Und Lauferfahrung. Die Sehnen, Bänder und Gelenke müssen stabil genug sind. Es geht dabei gar nicht so sehr um die Muskulatur, und auch gar nicht so sehr um die Pumpe. Das Herzkreislaufsystem lässt sich schneller trainieren als Sehnen und Bänder. Daran scheitern viele ungeübte Läufer, weil sich die Knie oder Achillessehen entzünden. Du musst dich selbst kennen, deinen Laufkörper, deine mentalen Stärken und Schwächen. Dann muss man in der Wüste mit drei Themen klar kommen: Mit der Hitze tagsüber, mit der Kälte nachts, und mit der Differenz dazwischen. Tagsüber 50 Grad, nachts drei Grad – beides ist anstrengend. Aber vor allem kann einen der Temperaturunterschied, diese 47 Grad, komplett aus der Bahn werfen. Dazu kommt: Man muss mit sich selbst klar sein. Die Wüste ist wie ein Spiegel. Weil da sonst nichts ist, kommst du relativ schnell auf dich selbst. Wenn du in den Spiegel schaust, und du siehst da eine Person, die Probleme hat, dann wird dieses Gefühl sich in der Wüste potenzieren. Davor kann man dann nicht weglaufen. Gehst du aber in die Wüste und hast richtig Bock auf alles, was passiert, dann siehst du im Spiegel einen, der glücklich ist. Das macht einen großen Unterschied, wenn man an seine körperlichen und mentalen Grenzen stößt.

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Achtung da unten: Rafael Fuchsgruber beim Sahara-Rennen.

Fotos: 4deserts.com. Benini- ISRU2016/Leslie Niemöller/Steffen Neupert

 

In der Wüste laufen sich viele Teilnehmer vor allem auch die Füße wund. Wie viel Paar Laufschuhe haben Sie für einen mehrtägigen Wettkampf dabei?

Ein Paar. Denn man muss ja alles selbst tragen. Du bekommst vom Veranstalter den Schlafpatz im Zelt gestellt und Wasser. Alles andere ist die eigene Verantwortung. Klamotten, Essen, Notfallausrüstung, Schlafsack, Isomatte – alles trägt man auf dem Rücken im Rucksack, ungefähr acht bis zehn Kilogramm Ausrüstung. Da hängst du dir besser kein zweites Paar Schuhe dran. Ein Paar für das Rennen reicht. Sie sollten sorgsam ausgewählt und eingelaufen sein und natürlich noch 250 Kilometer halten. Ganz wichtig: Die Schuhe sollten zwei Nummern größer sein als gewohnt, weil die Füße sich ausdehnen. Einige Mädels nehmen nur eine Nummer größer, weil das mit den großen Schuhen so blöd aussieht. Ist ein Fehler, den man mit Blasen bezahlt.

Sie sind Geschäftsführer einer Agentur für Konzerte und Künstlermanagement und arbeiten mit Künstlern wie Coldplay, Ed Sheeran oder den Red Hot Chili Peppers zusammen. Wurden Sie von Ihren Klienten schon nach Lauftipps oder Reiseempfehlungen für Wüstentrips gefragt?

Natürlich bin ich auch schon mit Künstlern zusammen gelaufen. Wissen Sie, das sind für mich aber zwei Leben. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, das möchte ich auch gar nicht vermengen. Im Musikgeschäft bin ich Produktionsleiter oder Veranstalter. Da stehe ich hinter dem Vorhang, und was dahinter passiert, davon erzähle ich nichts. Mein Job ist es dafür zu sorgen, dass die Künstler ihre Ruhe haben und sich in den Momenten, da sie in unserer Obhut sind, wohlfühlen und entspannen können. Die meisten großen internationalen Top Acts leben überhaupt sehr zurückgezogen, wenn sie auf Tour sind. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten gar nicht wissen, dass ich laufe. Da kommt jetzt nicht Mr. Martin von Coldplay an und sagt, ich habe gehört du bist Wüstenläufer, gehen wir doch mal eine Runde joggen.

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