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Ein Buch zum Träumen

Interviews

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17/09/2018
 

Die Kanadierin Nathalie Rivard hat ein Buch über die besten Läufe der Welt geschrieben. Im Interview verrät sie, warum sie selbst gerne im Tutu läuft, warum Menschen freiwillig 500 Kilometer durch die Wüste rennen – und wie wichtig ein guter Sport-BH ist.


Frau Rivard, Sie haben ein Reisebuch über die 200 verrücktesten und spannendsten Laufwettbewerbe weltweit geschrieben. Darunter sind auch viele Läufe, in denen Sportler verkleidet an den Start gehen. Sind Sie sich selbst schon einmal als Elvis, als Gorilla oder als Alien verkleidet auf die Strecke gegangen?

Nein, als Elvis oder Gorilla noch nicht. Auch nicht als Alien. (lacht) Aber ab und zu gehe ich in einem blauen Tutu-Ballettkleid an den Start, um die Menschen am Streckenrand zum Lachen zu bringen.

 

Als Kanadierin haben Sie doch sicher am Canadian Cheese Rolling Festival teilgenommen und sind im Bergort Whistler in der Provinz British Columbia einem Käse hinterhergelaufen?

Na, Sie fragen aber… Nein, auch das habe ich selbst noch nicht gemacht. Aber ich würde es eigentlich gerne mal machen und dann auch den Käse fangen, nur um ihn zu probieren. Ich liebe Käse!

 

Was war denn der spannendste Lauf, an dem Sie je teilgenommen haben?

Das war der Montreal-New York-Staffellauf 2013 mit dem Team der Berateragentur Groupe Esprit de Corps. Wir sind in Gruppen gelaufen, in 10-Kilometer-Abschnitten, um die Distanz zwischen den Städten abzudecken. Jeder von uns ist acht Mal zehn Kilometer gelaufen – in drei Tagen. Das ging von Nacht bis Tag, und am Ende hatten wir einen unvergesslichen Einlauf am Times Square. Vor allem menschlich war es eine großartige Erfahrung. Wir hatten sehr viel Spaß an den Tagen, vor allem, weil wir zwischen den Staffeln mit unserem Team zusammen im Wohnwagen gereist sind.

Die kanadische Buchautorin Nathalie Rivard ist schon bei vielen Läufen auf der Welt an den Start gegangen. Am liebsten aber joggt sie in begleitung ihres Border Collies Chai. Foto: Veronic Thibault

 

Läufe werden heute im Tal des Todes, auf der Chinesischen Mauer oder sogar am Nordpol veranstaltet. Was steckt hinter diesem Trend zum Extrem?

Wir allen lieben doch die Herausforderung. Ich glaube, es hat einfach etwas Magisches, an Orten zu laufen, die so extrem sind, aber gleichzeitig auch so wunderschön.

 

Dass man entlegene Gegenden laufend erobern mag, kann man verstehen. Aber warum im Elvis-Kostüm laufen?

Weil es Spaß macht. Wenn man sich verkleidet, wenn man in einem Kostüm steckt, dann ist die Denkweise anders. Man kann sich selbst nicht mehr so ernst nehmen.

 

Der gute, alte Stadtmarathon in Boston, London oder Berlin ist vielen Läufern offenbar zu langweilig geworden?

Nein, das zeigen ja die Teilnehmerzahlen. Ich denke, das Schöne an all diesen organisierten Wettkämpfen ist, dass für jeden etwas dabei ist. Für jeden Lauftypen, ob Ultra-Marathon oder Spaß-Lauf, ist etwas dabei. Und auch für jede Laune. Marathons werden fast schon rituell initiiert, ich glaube aber nicht, dass wir all den Schnickschnack brauchen. Aber sie müssen effektiv von Institutionen organisiert werden. Außerdem üben Marathons mit den riesigen Menschenmengen am Straßenrand, die den Läufern zujubeln, eine große Strahlkraft aus. Unglaublich, was sich manche Leute für Dinge ausdenken, um ihre Leute anzufeuern. Selbst in den schwierigsten Phasen des Laufes zaubern sie den Teilnehmern damit noch ein Lächeln aufs Gesicht.

 

Es gibt ja tausende Läufe. Was waren die Kriterien, um in Ihr Buch aufgenommen zu werden?

Als ich angefangen habe zu schreiben, hatte ich eine Liste. Ich muss sagen, so richtig entwickelte sich das dann ungefähr zwei Wochen, bevor ich das Manuskript abgeben musste. Da waren einfach so viele interessante Läufe. Da fiel es mir schon schwer, mich zu entscheiden, welche es nun in das Buch schaffen. Mein Ziel war, dass in dem Buch für jeden Läufer-Typen etwas dabei ist. Vom Ein-Kilometer-Lauf bis hin zum 500-Kilometer-Lauf. Außerdem wollte ich, dass es den Leuten einfach Spaß macht, das Buch zu lesen, wollte sie zum Träumen bringen über ihren nächsten Wettkampf oder das nächste Reiseziel. Für mich ist es ein Läufer-Buch, und gleichzeitig ein Reiseführer.

Das nennt man laufende Recherche: Journalistin Nathalie Rivard bei ihrer Lieblingsbeschäftigung. Foto: Veronic Thibault

 

Welcher Lauf davon ist Ihr persönlicher Favorit?

Der „Brainfreezer 5K“ in Burlington, Vermont. Man läuft 2,5 Kilometer, dann isst man einen Liter Eiscreme so schnell man kann, und dann läuft man die zweite Hälfte des Rennens. Es macht einfach so viel Spaß. Es ist der Beweis, dass Lauf-Wettbewerbe nicht unbedingt lang sein müssen, um die Reise wert zu sein. Außerdem liebe ich Canicross-Läufe, bei denen die Läufer mit ihren Hunden an der Leine laufen. Als Team mit dem eigenen Hund zu laufen hat etwas Besonderes. Nicht selten sind Hunde sogar die besten Lauf-Partner.

 

Und wo würden Sie persönlich nie an den Start gehen?

Ich denke, jeder Lauf ist es wert gelaufen zu werden, aber ich würde niemals am Nakukymppi-Nacktlauf in Finnland teilnehmen. Vor Fremden nackt laufen ist, glaube ich, nicht mein Ding. Außerdem bezweifle ich, dass es angenehm ist über lange Strecken nackt zu laufen. Und wenn man bedenkt, dass mich jede Mücke überall erwischen könnte – ich würde wohl immerhin sehr, sehr schnell laufen, nur um denen zu entwischen.

 

Sie sind Journalistin, Fotografin und passionierte Läuferin. An welchem Ort konnten Sie diese drei Disziplinen am besten miteinander verbinden?

Das war der „Hawke’s Bay Marathon“ in Neuseeland. Ich war auf dort auf einer Geschäftsreise als Journalistin, und es fand die erste Ausgabe des Wettbewerbs statt. Während des Laufes habe ich mich verletzt, also musste ich den 10-Kilometer-Lauf gehend beenden. Aber zwischen den Weinbergen und Olivenbäumen war es einfach wunderschön.

 

Wie oft laufen Sie denn im Alltag? Jeden Tag?

Das ist unterschiedlich. Mein Ziel ist es, drei Mal pro Woche joggen zu gehen. Aber ich mag auch andere Sportarten sehr gerne. Im Winter verbringe ich zum Beispiel mehr Zeit in den Bergen, beim Skilaufen.

 

Was ist Ihre Lieblingsstrecke, unabhängig von Wettkämpfen?

Meistens laufe ich auf Wanderwegen und Pfaden, das finde ich angenehmer. Außerdem liebe ich die Natur. Ich habe da einen Weg direkt hinter meinem Haus. Das ist der Lieblingsweg von mir und meine Border Collie Chai.


Was gibt Ihnen das Laufen?

Laufen ist einfach. Du ziehst die Schuhe an und los geht’s. Man kann überall laufen und es ist eine großartige Möglichkeit, die Umgebung zu erkunden. Ganz egal wie alt man ist. Alles was man wirklich braucht, ist ein gutes Paar Laufschuhe – und, wenn man eine Frau ist, eine guten Sport-BH.

Laufbuch und Reiseführer in einem: "Die besten Laufevents der Welt" von Nathalie Rivard ist im Heel-Verlag erschienen (19,99 Euro).

 

Sie schreiben, Reisen und Recherche gehörten ebenfalls zu Ihren Leidenschaften. Wie darf man sich eigentlich Ihren Urlaub vorstellen? Mit Diktiergerät in der Hand und Laufschuhen an den Füßen im Joggingtempo durch neue Landschaften?

Ein Mix aus Gegend erkunden, Laufen, leckerem Essen, Fotografieren, Einheimische treffen und Schreiben. Ein Diktiergerät würde ich während des Laufens nicht benutzen, da ich den Sport auch als eine achtsame Meditation sehe. Man muss zu hundert Prozent in diesem Moment sein, egal was man tut.

 

Legen Sie denn auch mal die Füße hoch? Wie finden Sie zur Ruhe, wenn mal nicht die Laufschuhe geschnürt werden?

Aber natürlich. Für eine „Hängematten-Therapie“ zum Beispiel oder wenn ich ins Spa gehe. Aber am meisten mag ich es, den Hofladen zu erkunden und zu kochen. Im langen kanadischen Winter findet man mich in Schneeschuhen wandern, beim Schlittschuhlaufen oder Ski fahren. Ich liebe es auf den Pisten, das hält die Läufer-Beine fit und macht einfach so viel Spaß.

 

Wie kamen Sie eigentlich zum Laufsport?

Angefangen habe ich schon als Kind. Ich habe damals an vielen Wettkämpfen teilgenommen. Als ich anfing Sport zu studieren, war Laufen sehr beliebt bei uns Studenten. Einige haben es sogar zu den Olympischen Spielen geschafft. Jahre später war es einfach das Vergnügen, mit Freunden bei Veranstaltungen zu laufen. Ich liebe es aber heute auch, für mich selbst zu laufen, allein und ohne Musik. Aber genauso, mit hunderten oder tausenden anderen Läuferinnen und Läufern auf der Strecke zu sein.

 

Welche Anekdote ist ihnen aus der Recherche am meisten in Erinnerung geblieben?

Ich habe mit so vielen leidenschaftlichen Leuten während meiner Recherche für dieses Buch gesprochen. Oft musste ich wegen der Zeitverschiebung mitten in der Nacht aufstehen, um Interviews mit Menschen aus Asien oder Europa zu führen. Und alle hatten diesen gemeinsamen Nenner: Die Leute waren immer mit Leidenschaft dabei – Leidenschaft für das Laufen oder aber auch dafür, die Läufe für die Teilnehmer zu organisieren.

 

Wenn Sie selbst einen Laufwettbewerb ins Leben rufen würden, wie würde der aussehen?

Das wäre ein Rennen über mehrere Tage in Neuseeland. Ein Mix aus Laufen und Wandern in wunderschöner Natur, vom Meer bis zu den Bergen, mit leckerem Essen und leckerem Wein. Wo Teilnehmer die Möglichkeit bekommen, sich gegenseitig besser kennenzulernen. Und auch die Möglichkeit, die Maori-Kultur besser kennen zu lernen. Es wäre eine Art Schatzsuche mit witzigen Ritualen. Der Lauf wäre auf Hundert Teilnehmer limitiert und Medaillen bekämen alle, die das Drei-Tage-Rennen beenden. Die Medaille wäre eine Halskette – von Maori-Künstlern aus Knochen geschnitzt. Ich liebe Neuseeland und ich will einfach nur so oft es geht zurück. 

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