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Kontakt-Sport Laufen

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10/01/2018
 

Eine Stadt neu entdecken? Nette Menschen kennenlernen, vielleicht sogar die Liebe des Lebens? Und dabei noch Sport treiben? Dann sollte man sich einer Laufgruppe anschließen. Das ist wie Facebook – nur eben mit echten Likes.


Jeden Mittwoch um 21 Uhr schallt es laut durchs Hamburger Schanzenviertel: „Wer seid ihr?!“ Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Tide Runners!“ rufen mehrere Dutzend Läufer, bevor es ab in die Hamburger Nacht geht. Was vor ein paar Jahren mit einer Handvoll Freunden begann, die sich zum Laufen traf, ist heute eine der bekanntesten Laufgruppen Deutschlands. Mittlerweile 3500 Mitglieder hat die Community bei Facebook, vor Ort erscheinen zum Lauf am Mittwoch meist rund 50 davon. Genau darum geht es: Aus der virtuellen Welt auszubrechen, sich von den "Likes" und "Friends" in sozialen Netzwerken zu lösen und sich tatsächlich zu treffen, live und in Farbe. In Hamburg treffen sich bei den Tide Runners bei jedem Wetter Menschen jedweden Hintergrunds – Azubis, Lehrer, Ärzte, Arbeitslose – zum gemeinschaftlichen Gruppenerlebnis in Laufschuhen. "Kalorienzählen, Sportlernahrung, Trainingspläne oder die richtigen Laufschuhe können zwar ruhig mal Thema sein", heißt es beim Veranstalter, "aber wahrscheinlich ist man woanders besser aufgehoben, wenn man es bei diesen Themen sehr genau nimmt. Bei uns geht's auch mal um Pale Ale, Politik oder St Pauli, um Katerfrühstück, Klamotten und Kokolores." 15 Kilometer misst die lange Strecke, acht Kilometer die kurze, gelaufen wird nur so schnell, dass auch der Langsamste mitkommt. Und zwar überall dort, wo Hamburg bei Nacht besonders attraktiv ist: durch den Hafen, über die Reeperbahn… Sogar ein offizieller Nacht-Halbmarathon wurde von den Tide Runners schon veranstaltet. Und nach jedem Lauf geht es für einen Absacker in eine Bar. „Zeig Interesse an dem, der neben dir läuft. Die Chance ist groß, dass er oder sie saunett ist“, heißt es entsprechend in den Tide-Runners-Statuten.

Frank Schumann (vorne im roten Shirt) ist Mitbegründer einer Laufgruppe in Hannover. Foto: Schumann

 

„Sport als Sozialisierungsart – das kann sehr gut funktionieren“, sagt auch Sportpsychologe Dr. Arno Schimpf, unter anderem als Mentalcoach für den Deutschen Olympischen Sportbund tätig. "Zwar sind die Effekte auf den Körper gleich, wenn alleine gelaufen wird oder in einer Gruppe. Doch das subjektive Empfinden ist anders. Das Laufen fällt einem leichter. Man unterhält sich und nimmt die Zeit nicht so extrem wahr“, so der Experte. „Aus dem Laufen wird ein Dahingleiten.“ Der innere Schweinehund sei ohnehin nur durch persönliche Lust zu besiegen. Und es entwickelt sich eine ganz eigene Energie, wenn man anstatt alleine durch den Park, mit vier, 40 oder 50 weiteren Läufern durch die Stadt läuft. „Man bekommt noch einmal ganz neue Einblicke in die Lauf-Community oder entwickelt selbst neue Ideen“, sagt auch Frank Schumann, der mittlerweile in drei verschiedenen Laufgemeinschaften in Hannover läuft. Eine davon, Hannover Runners e.V., hat mittlerweile über 2.700 Facebook-Mitglieder. Und auch für die Wettkampfvorbereitung ist ein Lauftreff von Vorteil. „Auf den smarten Uhren kann man heute ja fast alles einstellen“, sagt Schumann. „Aber ein realer Laufpartner ist immer viel effektiver und intensiver als jede noch so schlaue Uhr.“

Laufgemeinschaft, made bei Continental: Das GripTeam nahm gemeinsam am Hannover Marathon 2017 teil. Hier klatscht Mitglied Sven Eglinski, der den Halbmarathon lief, Marathon-Freund Frank Schumann ab und feuert ihn an. Foto: Wesselhöft

 

Diese Erfahrung hat Frank Schumann auch Continental zu verdanken. Denn ein Jahr lang war der Niedersachse 2016 und 2017 Mitglied des GripTeams von Conti, einer Vereinigung von neun Hobbyläufern, die das Unternehmen ausgewählt hatte: Beamte, Ingenieure, Studentinnen – ein bunter Mix an Persönlichkeiten, die ein Jahr lang gemeinsam trainierten und an Events wie dem Hannover- sowie dem Berlin-Marathon teilnahmen. „Als ich mit Laufen anfing, habe ich erst mal meine Runden alleine um das Feld gedreht“, erzählt Schumann. „Absolute Katastrophe. Zehn Kilometer habe ich irgendwann mal vielleicht geschafft." Aber die Erfahrungen im GripTeam sowie in seinen privaten Laufgemeinschaften haben die echte Laufbegeisterung geweckt. Und ihm viele neue Freunde verschafft. "Alleine Laufen – das ist heute die Ausnahme“, sagt Schumann.

Jeden Mittwoch treffen sich die Tide Runners in Hamburg zum Laufen – und jedes Mal wird eine neue Strecke absolviert. Zum Beispiel auch über die berühmte Große Freiheit. Foto: Tide Runners Hamburg

 

Das Phänomen Lauftreff gibt es mittlerweile weltweit. Allein der Deutsche Leichtathletikverband zählt über 4000 eingetragene Laufgruppen in Deutschland – nicht mitgezählt sind da die privat organisierten Treffen in sozialen Netzwerken. Von der kleinen 500-Seelen-Gemeinde bis hin zur Millionen-Metropole – wer Laufpartner sucht, der findet welche. Das Prinzip ist einfach. Zu einem festen Wochentag treffen sich die Läufer an einem festen Treffpunkt. Gelaufen wird bei fast jedem Wetter. Oft erkunden die Gruppen laufend ihre Heimatstadt, jede Woche eine neue Strecke. Es wird so schnell gelaufen, dass jeder mithalten kann. Und das Beste: Jeder ist willkommen – vom Anfänger bis zum Ultraläufer. Jeder freut sich, neue Gesichter kennen zu lernen, eine sportlichere Kontaktbörse gibt es wohl kaum. 

Die Tide Runners Hamburg laufen überall dort, wo Hamburg nachts spannend ist – das kann auch mal in einer U-Bahn-Station sein… Foto: Tide Runners Hamburg

 

Dass aus solchen Lauftreffs sogar eine richtige Bewegung werden kann, zeigt ein Beispiel aus den USA. Im Sommer 2004 formierte sich eine kleine Gruppe Laufbegeisterter in New York unter der Manhattan Bridge in Chinatown. Die fortan als „Bridge Runners“ bekannten Läufer trafen sich nach dem Feierabend, erkundeten die Stadt, liefen über Brücken oder machten Wettrennen mit vorbeifahrenden Zügen. Die Stadt dient dabei als urbanes Fitness-Center. Ärzte, Anwälte, Studenten oder Autoren – ein bunt gemischter Haufen, der verschiedenen Gedanken des Alltags nachhängt, aber auf ein gemeinsames Ziel zu rennt. Freunde finden in einer Welt, die über den arbeitsalltäglichen Horizont hinausgeht. In einer realen Welt – nicht nur auf Facebook. „Für mich ist Laufen heute ein Teamsport“, sagt Frank Schumann, der auch mit dem Continental Gripteam Teamerfolge wie den Sieg beim Stealman 2016 einfahren konnte. „Man pusht sich gegenseitig, man läuft zusammen und hat ein gemeinsames Ziel. Und irgendwann sitzt man zusammen bei einer Tasse Kaffee und merkt, dass aus der Laufpartnerschaft eine neue Freundschaft entstanden ist.“

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