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Im Tal des Todes

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13/06/2018
 

Death Valley in den USA – das ist der Ort, an dem Skorpione, Schlangen, Riesenspinnen hausen. Der mal als heißester Flecken der Erde galt. Ein Wettlauf, im berüchtigten Tal des Todes? Verrückt. Und genau deshalb ist der Badwater Ultramarathon so beliebt. Allerdings darf nicht jeder mitlaufen…

 

Amerika, 1849. Es ist ein heißer Tag in der kalifornischen Mojave-Wüste. Zu heiß womöglich für eine Gruppe von Goldgräbern, die sich durch die Einöden des Old Spanish Trail bewegt, einer Handelsroute, die vom kalifornischen Santa Fé aus gen Osten führt, nach New Mexiko. Die Ochsen schnauben, die knarrenden Räder der Wagen, die sie ziehen, drohen zu versagen. Der Weg ist weit, man versucht eine Abkürzung. Doch aus dem Entdecker-Mut wird schnell Verzweiflung. Der neue Weg führt durch ein Tal, so heiß, so abweisend, so langgezogen, dass kein Entkommen möglich scheint. Wochen vergehen. Die Wagen werden zu Brennholz kleingehackt, die Zug-Ochsen werden verspeist. Doch dann entdecken sie ihn plötzlich, einen Pass raus aus dem unwirtlichen Höllen-Tal, den heutigen Wingate Pass. Erschöpft wandert die Reisegruppe weiter, am Ende ist ein alter Mann auf der Reise verstorben, der Rest aber ist dem sicher geglaubten Tod von der Schippe gesprungen. „Goodbye, Death Valley“, ruft eine Frau zum Abschied. Der furchteinflößende Name ist geboren.


Die Sonne, die ständige Begleiterin beim Badwater Ultra. Und nachts, wenn sie kur mal Pause macht wird es mit rund 30 Grad Celsius auch nicht wirklich kühl. Foto: Badwater.com/AdventureCORPS

 

„Good Morning, Death Valley“, das hat sich Hajo Palm vermutlich voller Vorfreude gedacht, als er 2013 in der berühmten Badwater-Senke steht, mit 85,65 Metern unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt Nordamerikas. Er ist bereit für die Herausforderung seines Lebens. Monatelang hat sich der Deutsche vorbereitet, ist marschiert, hat Ausdauer trainiert, hat Stunden in der trockenen Hitze seiner Sauna verbracht. Ultraläufe ist er gelaufen, weit mehr als 100 Kilometer lange Wettkämpfe, nur um an diesem einen Event teilzunehmen. Denn das ist Grundvoraussetzung für den Start beim Badwater Ultramarathon. Wer sich zu den rund 90 Teilnehmern des für viele härtesten Ultralaufes der Welt zählen möchte, muss einiges nachweisen können. Im Jahr zuvor muss mindestens ein rund 160 Kilometer langer Ultralauf absolviert worden sein. Dazu müssen in der Vita der Läufer erfolgreiche Teilnahmen entweder am Badwater Ultra selbst, an drei 160-Kilometer-Läufen oder am Brazil 135+ – das brasilianische Äquivalent zum Badwater – nachgewiesen werden. Dazu muss ein Motivationsschreiben eingereicht werden. Nur wer vom Veranstalter als geeignet befunden wird, wird eingeladen. Und darf dann die Startgebühr von 1495 US-Dollar überweisen. Hajo Palm hat es geschafft: Mit 63 ist er 2013 einer der ältesten Starter überhaupt in der Geschichte diese ganz und gar verrückten Laufes. Er ist dabei, beim Badwater 135 Ultramarathon. Im Tal des Todes.


Dieser Wettbewerb ist ein Lauf, der jeden Teilnehmer an Grenzen bringt. Die Distanz: 135 Meilen (217 Kilometer). Das Zeitlimit: 48 Stunden. Die Temperaturen: meist über 50 Grad Celsius. Im Juli, wenn es am heißesten ist, findet der Ultramarathon statt, 2018 vom 23. bis zum 25. Juli. Die Badwater-Salzpfanne ist Start des Lauf-Spektakels. Ziel ist das Mount Whitney Portal auf 2500 Metern Höhe. Insgesamt müssen die Teilnehmer rund 4000 Höhenmeter bewältigen. Allein der letzte Anstieg ist 20 Kilometer lang. Es geht vorbei an Sanddünen, Steinwüsten und Salzseen. An Skorpionen, Schlangen und einer besonders giftigen und tödlichen Spinnenart, die den beängstigenden Namen Schwarze Witwe trägt. Dazu die Hitze: Bis ins Jahr 2006, als in der Wüste Lut im Iran mit 70,7 Grad Celsius ein neuer weltweiter Rekord gemessen wurde, galt das Death Valley mit einer ermittelten Spitzentemperatur von 56,7 Grad als heißester Ort der Erde.

 

Ein berüchtigter, ein magischer Ort. Goldgräber suchten hier ihr Glück. Später wurde das Tal des Todes Filmkulisse der Westernserie „Death Valley Days“ (dt. Titel: "Im wilden Westen"), eine der beliebtesten Fernsehserien in der Nachkriegszeit. Unter anderem ritt auch Ronald Reagan durchs Tal des Todes, als Film-Cowboy und lange, bevor er sich zum Präsidenten der Vereinigten Staaten wählen ließ.


 

Damit keiner der modernen Westernhelden auf der Strecke bleibt, muss jeder Läufer ein Team zur Unterstützung mitbringen. Zwei Crewmitglieder müssen immer im Begleitfahrzeug bereit sein. Kühltücher, Trinkwasser, Notversorgung – all das müssen die Teilnehmer selbst organisieren. Vom Veranstalter wird empfohlen, ein Team-Mitglied dabei zu haben, das selbst über Ultra-Lauf-Erfahrung, im besten Falle über Badwater-Erfahrung, verfügt. Denn oft laufen einzelne Crewmitglieder eine Weile mit, dienen als Pace-Maker, geben also das Tempo vor, damit die Läufer im Zeitlimit bleiben. Der Amerikaner Pete Kostelnick und sein Team leisteten 2016 unglaubliche Arbeit: Sie schafften die 217 Kilometer in 21:56:32 Stunden – das war neuer Rekord. Und auch Hajo Palm sorgte bereits 2013 für Aufsehen. Mit 63 Jahren hatte er sich den Traum vom Badwater Ultramarathon erfüllt, nachdem er zehn Jahre auf das Erlebnis hingearbeitet hat. „Das war das beste Rennen in meiner Läufer-Karriere“, resümiert der Senior-Läufer. Und fügte, in Anlehnung an die berühmte Anekdote der ersten Reisenden im Tal des Todes, hinzu: "Goodbye, Death Valley!"

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