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Auf schmalem Pfad

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16/08/2018
Denis Wischniewski

Denis Wischniewski ist Chefredakteur des Magazins "Trail" und einer der größten Experten für den neuen Trendsport Trail Running.

 

Trail Running ist der neue Trendsport: Abseits der Wege laufen, sich durchs Unterholz kämpfen, Berge im Schnee erklimmen, sengender Hitze durch Täler rennen – beim Trail Running kennt der Läufer nur eine Richtung: querfeldein.


Back to the roots, zurück zu den Wurzeln: Egal ob Naturkost, Outdoor-Magazine mit Titeln wie "Walden", "Trekking", "Freeman´s World" oder der Modesiegeszug von kernigen Holzfällerhemden – in vielen Bereichen des Lebens zeigt der Trend zurück zur Natur, zum einfachen, urtümlichen Erlebnis. Einfach mal raus in den Wald, ein Lagerfeuer machen, den selbstgeangelten Fisch über dem Feuer grillen und in einer aus Zweigen gebauten Hütte übernachten. Ein Trend, den es auch in der Laufszene gibt. Hier nennt sich diese Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und Einklang mit der Natur: Trail Running.

 

Was früher der Marathon in London, Berlin oder New York war, ist heute der Ultratrail auf dem Mont Blanc, dem Matterhorn oder der Zugspitze. Trail Runner schlagen sich abseits asphaltierter Pfade durch die Natur, erklimmen die Gipfel im Laufschritt und steigen über riesige Schotterfelder wieder hinab ins Tal. „Trail Running ist die aktive Suche nach einem schmalen Pfad durch die Natur, abseits der üblichen Wege und befestigter Strecken“, fasst es Denis Wischniewski, Chefredakteur des Magazins "Trail", zusammen. „Mit wenig Ausrüstung und auf das Wesentliche konzentriert unterwegs zu sein und dabei möglichst wenig Spuren zu hinterlassen – das ist für mich die elementarste Art, sich frei in der Natur zu bewegen.“

Stefano Jeantet

330 Kilometer, 150 Stunden Zeit: Das sind die blanken Rahmendaten der „Tor des Géants" durch die italienischen Alpen. Und es gesellen sich noch ein paar Zahlen dazu: 24.000 Höhenmeter müssen die Läufer überwinden, 25 Alpenpässe überqueren. Foto: Stefano Jeantet

 

Obwohl das Trail Running derzeit gerade seine Hochphase erlebt, gibt es erste Ausprägungen Sportart seit den Siebzigerjahren. Lange bevor der Geländelauf zum Breitensport wurde, fand zum ersten Mal der „Western States 100 Mile Endurance Run“ statt. 1977 starteten 14 Läufer im Gebirge der Sierra Nevada im US-Bundesstaat Kalifornien die 100 Meilen (161 Kilometer) nach Auburn. Die Strecke war schwierig, auf den höchsten Pässen lag Schnee, während die Läufer in den Tälern mit hohen Temperaturen zu kämpfen hatten. Insgesamt mussten 5500 Höhenmeter bergauf und 7000 Höhenmeter bergab bewältigt werden. Nach 22 Stunden und 57 Minuten kam seinerzeit der 22-jährige Andy Gonzales als erster von insgesamt nur drei Läufern im Ziel an. Das Trail Running war geboren. Heute einen Startplatz bei „der Mutter aller Trail-Rennen“ zu ergattern, das ist fast unmöglich, der Andrang wird immer größer.

 

Allein im Mutterland der Trail-Runner, den USA, liefen im vergangenen Jahr mehr als sieben Millionen Läufer bei mindestens einem Trail mit – Tendenz deutlich steigend. „Nicht zu wissen, was hinter der nächsten Kurve ist, zwingt die Läufer dazu, im Moment zu bleiben, anstatt darüber nachzudenken, wie lange sie schon weg sind, wie viele Kalorien sie verbrannt haben oder was zu Hause auf der To-Do-Liste steht“, sagt Andia Winslow, US-Leichtathletin und selbst passionierte Trail-Läuferin. Und die körperliche Anstrengung kommt beim Trail Running bei weitem nicht zu kurz: „Da der Untergrund beim Trail Running ständig wechselt, werden immer verschiedene Muskelgruppen beansprucht und auch verschiedene Bewegungsebenen angesprochen“, so Winslow. Trail Running sei demnach eine besonders gute Art, sich körperlich anzustrengen und Stress abzubauen.

 

Ein nicht unwesentlicher Aspekt, das findet auch Trendforscher Andreas Reiter: "Trail Running trifft perfekt den Nerv unserer leistungsorientierten Outdoor-Gesellschaft“, so Reiter. Beim Trail Running ginge es stark um die Bewegung in der Natur, aber auch die Herausforderung bis an die Grenze zu gehen gepaart mit dem Wettbewerbsgedanken, der Schnellste sein zu wollen. „Der Freizeitsport ist ja immer auch ein Spiegel der Gesellschaft“, so Reiter.

Stefano Jeantet

Beim Trail Running geht es um das Erleben der Natur – wie hier beim "Tor des Géantes" in den italienischen Alpen. Foto: Stefano Jeantet

 

Auch in Europa und Deutschland ist Trail Running längst zur Trendsportart aufgestiegen, und mit der Anzahl der Läufer steigen auch die Zahl und der Schwierigkeitsgrad der Rennen. Allein in den Alpen, so schätzen Experten, gibt es jährlich über 500 Trail-Rennen. Dazu gehören eher „kürzere“ Läufe wie der 48 Kilometer lange „Ultraks“ der rund um das Matterhorn stattfindet, oder die dreitägige „Ultra Tour Monte Rosa“ in Grächen in der Schweiz, bei der 110 Kilometer und 7000 Höhenmeter überwunden werden müssen. Wem das nicht genügt, der startet beim „Ultra-Trail du Mont Blanc“ (UTMB) über 168 Kilometer – oder gleich bei der „Tor des Géantes“ (330 Kilometer in den italienischen Alpen) oder dem deutschen „Goldsteig Ultra Race“ (660 Kilometer in der Oberpfalz und im Bayerischen Wald).

 

Von diesen Distanzen sollten sich Interessierte und Anfänger aber nicht abschrecken lassen. „Man muss ja nicht gleich 20, 50 oder 100 Kilometer laufen. Eine halbe Stunde durchs Gelände sind am Anfang völlig ausreichend“, sagt "Trail"-Chefredakteur Wischnewski. Anfänger sollten sich vorher nicht so viele Gedanken machen, einfach mal die Schuhe anziehen und loslaufen. Gerade wer in Stadtnähe im Wald läuft, kann sich einfach mal treiben lassen. Nur so könne man herausfinden, ob einem diese Sportart überhaupt Spaß macht. „Wichtig ist allerdings, von Beginn an einen guten Trail-Schuh zu tragen, da die Verletzungsgefahr sonst sehr hoch ist“, so Wischnewski. Für rund 80 Euro bekommt man allerdings schon ein gutes Paar Schuhe.

 

Wer sich in schwierigeres Terrain oder ins Gebirge wagt, sollte sich hingegen gut vorbereiten. So lassen sich Strecken vorab beispielsweise per App planen und die GPS-Daten anschließend auf das Handy oder die Smart-Watch übertragen. Außerdem sollte man einen Laufrucksack dabei haben, indem sich ausreichend Getränke befinden. Ein weiterer Tipp vom Experten: Nicht immer nach unten schauen, wo man hintritt. Zwar ist es in schwierigem Gelände wichtig, zu sehen, wo man seine Füße hinsetzt, aber der Blick auf die Füße führt automatisch dazu, dass sich der Läufer stark nach vorne beugt. Das verkürzt gewissermaßen die Lunge und erschwert das Atmen. Daher möglichst aufrecht durchs Gelände laufen.

 

Egal also, ob es durch den heimischen Wald oder über die Alpen geht – wer überhaupt erst einmal losläuft hat den größten Teil schon geschafft. Und ob die Strecke besonders schnell absolviert werden oder einfach nur schön sein muss, das entscheidet am Ende jeder für sich. „Trail Running ist eine Philosophie. Schuhe an, raus gehen, und durch die wilde Natur laufen. Das Gegenteil also vom klassischen Jogging, wo man "zwei Mal die Woche auf Asphalt zwischen lärmenden Autos und Passanten hin- und herläuft“, so Outdoor-Experte Wischniewski.

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