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10 Sportler-Ausreden – und was an ihnen dran ist

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11/03/2019
 

Zu kalt, zu nass, zu krank… Um Ausreden sind viele Sporter nicht verlegen, wenn sie keine Lust zum Laufen haben. Prof. Dr. Thomas Wessinghage kennt sie alle. Als Läufer feierte er 22 Deutsche Meisterschaften, wurde 1982 Europameister über 5000 Meter und hält bis heute die deutschen Laufrekorde über 1500 und 2000 Meter. Als Chefarzt und Ärztlicher Direktor mehrerer Kliniken am Tegernsee kennt der frühere Spitzensportler außerdem die Perspektive des Mediziners. Für GripWorld bewertet Wessinghage, welche Sportlerausreden er zählen lässt – und welche nicht.


1. Ich glaub', ich krieg' eine Erkältung

Es gibt eine einfache Regel: Bei Fieber ist Laufen strengstens verboten. Das ist der wichtigste Tipp, den man als Mediziner allen Sportlern geben kann. Ansonsten gilt: Aufs Laufen verzichten muss man nicht, wenn es einem mal nicht so gut geht. Man sollte dann aber auch nicht an seine Grenzen oder darüber gehen. Durch sanftes Bewegen können die Abwehrkräfte des Körpers aktiviert werden. Bei zu intensiver Bewegung wird das Immunsystem jedoch nicht aktiviert, sondern geschwächt. Marathonläufer zum Beispiel brauchen mehrere Wochen, bis ihr Immunsystem wieder auf dem normalen Stand ist. Nach fiebrigen Erkrankungen empfiehlt sich eine mindestens einwöchige Trainingspause. Gerade Leistungssportler, aber eigentlich alle Sportler, sind ja irgendwo neurotisch. Wenn sie drei Tage nicht trainieren, haben sie gleich das Gefühl dass alles, was sie sich vorher aufgebaut haben, sofort dahin sei. Das ist schlicht Blödsinn. Langfristig fällt eine einwöchige Auszeit gar nicht ins Gewicht. Im Gegenteil, die Heilung des Infektes begleitet einen viel länger, wenn man zu früh wieder mit dem Sport anfängt. Und bei fiebrigen Infekten besteht im schlimmsten Fall sogar die Gefahr einer Entzündung der Herzmuskulatur – und die könnte sogar tödlich enden.

 

2. Es ist zu kalt draußen

Schnee und Kälte sind gerade in Mitteleuropa überhaupt kein Grund, nicht laufen zu gehen. Für die Stärkung der eigenen Abwehrkräfte gibt es sogar kaum etwas Besseres, als sich bei Schnee und Kälte in angemessenem Tempo zu bewegen. Auf minutenlanges Stretching in nassen, verschwitzten Klamotten sollte anschließend in der Kälte aber verzichtet werden. Dabei besteht nämlich durchaus ein erhöhtes Infektionsrisiko. Ich empfehle deshalb, unmittelbar nach Trainingsende trockene Sachen anzuziehen und das Dehnprogramm nach Hause ins Warme zu verlegen. Oft zitiert: Während langer Läufe bei starken Minustemperaturen könnte Flüssigkeiten in den Bronchien gefrieren, was zu einer chronischen Reizung der Atemwege und zu verschiedenen weiteren Symptomen führen würde. Diese Gefahr besteht allerdings nur in Regionen, wo die Temperaturen dauerhaft weit im zweistelligen Minusbereich liegen (Nordkanada, Sibirien). Bei den durchschnittlichen Temperaturen in Mitteleuropa besteht kein Risiko.

 

3. Es tut noch alles vom letzten Mal weh

Ja, der gute, alte Muskelkater… Unser Körper ist sehr sensibel, aber wenig sprachbegabt. Darum spricht er zu uns bei negativen Botschaften durch Schmerzen. Darauf muss man reagieren. Ignorieren ist keine gute Idee. Die aus dem Fußball geläufige Phrase „den Schmerz einfach rauslaufen“ ist medizinisch nicht zu unterstützen. Enormer Muskelkater zeugt davon, dass die eigenen Belastungsgrenzen deutlich überbeansprucht wurden. Die Verletzungen liegen zwar nur auf mikroskopischer Ebene vor, aber müssen ausheilen. Ich empfehle, es bei Muskelkater sehr langsam angehen zu lassen. Eine Viertel- bis halbe Stunde walken, am zweiten Tage Walken mit 10-minütigen Jogging-Einheiten, und am Ende der Woche dann vielleicht eine halbe Stunde Laufen.


 

4. Meine Allergien, meine Allergien

Der Körper ist auch dann, wenn zum Beispiel Pollenallergien voll ausschlagen, nicht zur völligen Untätigkeit gezwungen. Fühlt sich ein Sportler aufgrund von Allergien jedoch schlapp und müde, sollte die Trainingsintensität reduziert werden. Mit Medikamenten sollte vorsichtig umgegangen werden. Insbesondere dann, wenn für das Lauftraining mehr Medikamente benötigt werden als in normalen Alltagssituationen. Anstatt über eine höhere Dosierung des Medikaments nachzudenken und eventuelle Nebenwirkungen zu riskieren, sollte lieber das Lauftraining entsprechend angepasst werden. Die wichtigste Regel ist es, die Allergene zu vermeiden. Laufen Sie nicht dort, wo die meisten Pollen anzutreffen sind. Ein Tipp für Allergiker, die gern an der See laufen möchten: An der Westküste Schleswig-Holsteins läuft es sich meist besser als an der Ostküste. Der Wind kommt nämlich meist von Westen übers Meer und ist dann (fast) pollenfrei.

 

5. Mein Puls erhöht sich zu schnell

Die Höhe der Pulsschlagfrequenz hängt von verschiedenen Faktoren ab: Zum Beispiel vom Alter, vom Geschlecht, vom Lebensstil. Dabei zeigt sich, dass vor allem junge, schlanke Frauen, die gerade mit dem Laufen anfangen, oft einen hohen Puls haben. Das ist normal und nicht gefährlich. Kleinere Herzen – bei schlanken Menschen – schlagen schneller als große Herzen. Ein hoher Puls ist kein Grund, den Sport einzuschränken. Im Gegenteil: Nach einer Weile wird der Puls nicht mehr so schnell ansteigen, weil Herzkreislaufsystem und Stoffwechsel sich an den Sport gewöhnt haben. Ich empfehle allerdings allen Sportanfängern, sich medizinisch untersuchen zu lassen, bevor sie regelmäßiges sportliches Training in Angriff nehmen möchten. Menschen, die aufgrund von Herzproblemen einen besonders niedrigen Puls haben, sollten immer vorher mit ihrem Arzt abklären, ob Ausdauertraining eine sinnvolle Idee ist.

 

6. Mein Blutdruck…

Bei Bluthochdruck kann Bewegung in vielen Fällen helfen. Allerdings gibt es Ausnahmen. Bluthochdruckpatienten, die einen oberen Blutdruckwert zwischen 180 und 200 haben, sollten tatsächlich nicht Laufen gehen. Hier sollte zuerst mit einer entsprechenden Behandlung durch einen Spezialisten reagiert werden. Bei nur leicht erhöhten Werten kann der Blutdruck mit einer Anpassung des Lebensstils – etwa sanfte Ausdauerbelastungen – schon entscheidend gesenkt werden. Durch körperliche Aktivität und Gewichtsabnahme kann der obere Blutdruckwert um zehn, der untere um etwa fünf Einheiten gesenkt werden. Eine Medikation ist dann häufig gar nicht mehr nötig.

 

7. In der Stadt ist die Luft zu schlecht zum Laufen

Beim Laufen atmet der Mensch stärker ein und aus. Falls die Laufroute an einer stark befahrenen Straße entlangführt, atmet der Läufer automatisch mit den Abgasen mehr Schadstoffe und mehr Feinstaub ein. Das kann nicht sinnvoll sein. Besser ist es, wenn möglich, auf andere Tageszeiten oder andere Strecken auszuweichen. Zu Hauptverkehrszeiten sollte das Laufen an viel befahrenen Straßen tatsächlich vermieden werden. Das heißt aber nicht: Ich kann nicht laufen. Es gibt immer einen Park oder ein ruhiges Stadtviertel in der Nähe. Oder man läuft nach der abendlichen Rush Hour.


Prof. Dr. Thomas Wessinghage ist Sportler und Mediziner. Als Läufer feierte er 22 Deutsche Meisterschaften, wurde 1982 Europameister über 5000 Meter und hält bis heute die deutschen Laufrekorde über 1500 und 2000 Meter. Schon während seiner Zeit als Spitzensportler arbeitete er an seiner Karriere als Mediziner. Heute ist der 67-jährige Chefarzt und Ärztlicher Direktor dreier Kliniken in Bad Wiessee am bayerischen Tegernsee. Fotos: privat

 

8. Das Mittagessen liegt noch schwer im Magen

Laufen direkt nach dem Essen ist wenig sinnvoll. Zwischen dem Essen und dem Lauftraining sollten mindestens eineinhalb bis zwei Stunden Pause liegen, manche Menschen brauchen aber auch deutlich mehr Verdauungszeit. Im Zweifel könnte auch der Umfang der Mahlzeiten verändert werden. Wer gern am Nachmittag läuft, kommt oft besser zurecht, wenn das Mittagessen etwas knapper und dafür das Abendessen reichlicher ausfällt.

 

9. Ich hab' gestern zu viel getrunken

Alkohol am Vorabend muss kein Grund sein, nicht laufen zu gehen. Aber ein Grund, sich sanft zu bewegen und auf sein Körpergefühl zu hören. Die Durchblutung anzuregen, das Wohlbefinden zu verbessern oder die Kopfschmerzen durch viel frische Luft zu lindern, sind vernünftige Strategien. Wer glaubt, sich nach einer durchzechten Nacht im Training quälen zu müssen, hat ein ganz anderes Problem als den „Kater“. 

 

10. Ich bin auf Geschäftsreise und habe nur die normalen Sneaker dabei

Wer seine optimalen Sportschuhe nicht dabei hat, muss nicht mit dem Sport pausieren. Es ist leicht, die Art und Intensität des Trainings der Ausrüstung anzupassen. Mit Allround-Sneakern bewege ich mich zum Bespiel etwas kürzer als mit meinen optimalen Laufschuhen und streue mehr Pausen und etwas Gymnastik ein. Anders formuliert: ein entspannte innere Einstellung zu Trainingsplänen und –zielen tut vielen Lauffreaks gut. Manchmal sogar sehr gut.

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