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Der Da-Vinci-Code

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03/09/2018
 

Er malte die Mona Lisa – und erfand das erste autonom fahrende Auto. Ja, Leonardo da Vinci war vor 500 Jahren seiner Zeit weit voraus. Überhaupt ist die Geschichte des Autonomen Fahrens voll von unglaublichen Anekdoten. Da wären zum Beispiel auch die "Phantomautos von New York"…


Die Renaissance war das Zeitalter des Umbruchs. Der wohl bekannteste Kopf dieser Zeit ist Leonardo da Vinci. Er war Maler, Naturwissenschaftler, Erfinder und Philosoph. Die Mona Lisa, das bekannteste Gemälde aller Zeiten, stammt von ihm. Viele seiner Erfindungen waren zukunftsweisend. So entwarf er beispielsweise den ersten Fallschirm der Welt, einen Tauchanzug und verschiedene Fluggeräte – hunderte Jahre, bevor sich tatsächlich der erste Mensch in die Lüfte erheben sollte. Dass das Multi-Talente-Genie auch als Pionier eines heute ganz und gar aktuellen Automobiltrends gilt, machen sich die wenigsten bewusst. Aber – Leonardo da Vinci entwarf das erste autonom fahrende Automobil.

Das Konzeptauto "Firebird III" von General Motors, hier auf einer Messe 1962 in Seattle, war bereits mit einem Tempomaten ausgerüstet. Foto: Seattle Municipal Archives

 

1478 skizzierte da Vinci einen vierrädrigen Wagen, der nur von einer gespannten Feder angetrieben wurde. Seine Zeichnung gilt als weltweit erste Abbildung eines selbstangetriebenen Fahrzeugs und kann somit getrost als Startschuss in der Geschichte des autonomen Fahrens angesehen werden. Mehr als 500 Jahre vergingen, ehe gelüftet werden konnte, ob da Vincis Entwurf überhaupt fahrtüchtig war. Alle bis dahin unternommenen Rekonstruktionsversuche scheiterten. Erst im Jahr 2004 gelang es dem Museum für Wissenschaftsgeschichte in Florenz den Da-Vinci-Auto-Code zu knacken und seinen Entwurf als voll funktionsfähigen Prototypen umzusetzen. Da Vinci war der erste, der sich mit autonomem Fahren beschäftigte – und für viele Jahre war er auch der einzige.

 

Als nächster Meilenstein gilt erst das „Linrrican Wonder“. Das Wunderauto fuhr 1925 scheinbar wie von Geisterhand durch einen New Yorker Stau.  Das Modell zählte zu den sogenannten "Phantomautos von New York", die in den 1920er und 1930erJahren populär waren. Sie wurden gebaut, um der andauernden Skepsis gegenüber der Sicherheit im Autoverkehrs entgegenzuwirken. Bei den Phantom-Autos handelte es sich allerdings letztlich nicht um selbstfahrende Fahrzeuge. Gesteuert wurden die Wagen nämlich manuell via Fernsteuerung über Funk und Antenne – und nicht automatisiert von einem Computer.

 

Deutlich näher kamen die Amerikaner dem autonomen Fahren 1933 – allerdings zunächst bei der Luftfahrt. Da entwickelte die US-Firma Sperry Gyroscope Company den ersten Autopiloten für ein Flugzeug. „Mechanical Mike“ hieß der und ermöglichte es Wiley Post als erstem Piloten, in sieben Tagen, 18 Stunden und 49 Minuten allein um die Welt zu fliegen. Noch im selben Jahrzehnt präsentierte der US-amerikanische Automobilkonzern General Motors 1939 auf der New Yorker Weltausstellung seine Vision des Autos der Zukunft: funkgesteuerte Fahrzeuge, die sich durch elektromagnetische Felder bewegen. Es sollte zunächst bei einer Vision bleiben.


Die Nachkriegsjahrzehnte brachten einige weitere futuristische Visionen hervor. Da wäre zum Beispiel der Chevrolet Firebird III aus den 50er Jahren, eine fast verrückt zu nennende GM-Studie, die aussah wie eine Kreuzung aus Düsenjet und Sportwagen. Neben Gasturbinenantrieb, Antiblockierbremsen und einem Touchscreen war die Studie mit einem „Auto-Guide"-System ausgestattet – einer Vorläufertechnik des autonomen Fahrens. Spulen an den Vorderrädern nahmen Signale von Kabeln in der Straße auf und hielten das futuristische Auto so automatisch auf Spur. In Großbritannien erprobte das Transport Research Laboratory zwei Jahre später die gleiche Technologie und ließ einen umgebauten Citroen DS mit magnetischen Sensoren Kabeln in der Straße folgen. Ein interessantes Kapitel, das aber rasch sein Ende fand. Stromspulen und elektromagnetische Felder brauchen Autos heute nicht zur Orientierung. 

1994 ließ Mercedes ein „Prometheus“-Forschungsfahrzeug autonom mehr als 1000 Kilometer über eine Autobahn fahren – mit bis zu Tempo 130! Foto: Mercedes

 

Dennoch wurden auch Systeme entwickelt, die das autonome Fahren tatsächlich voranbrachen. Eine äußerst holprige Fahrt mit seinem Chauffeur brachte den US-Ingenieur Ralph Teetor etwa dazu, den Vorgänger des modernen Tempomaten zu entwickeln. Bereits im Jahr 1945 meldete Teetor das Patent für seine Erfindung an, 1958 wurde die „Cruise Control" im Chrysler Imperial zum ersten Mal verbaut. 1962 zog dann auch Mercedes als erster europäischer Hersteller nach und bot eine Geschwindigkeitsregelanlage an. Der Tempomat ist nicht die einzige Technologie, die schon kurz nach dem Krieg ihren Lauf nahm. Die USA und die Sowjetunion leisteten sich ab Ende der 50er einen Wettstreit darüber, wer als erster den Mond erreichen würde. Und auch die Autoindustrie profitierte davon. An der Stanford University wurde zu der Zeit eigentlich an einem Fahrzeug für die Mondlandung gearbeitet. Das „Stanford Car“ sollte von der Erde aus ferngesteuert werden, wurde aber auch mit einer Kamera ausgestattet, um die Verzögerung zwischen Sender und Empfänger über die riesige Distanz ausgleichen zu können. Die Kamera ermöglichte es dem Stanford Car, einer weißen Linie völlig autonom zu folgen. Das Stanford Car wurde auch auf der Erde auf seine autonomen Eigenschaften getestet. Parallelen zu heutigen Assistenzsystemen wie beispielsweise dem Spurhalteassistenten lassen sich nicht leugnen. Auch hier werden meist Kameras zur Orientierung verwendet.

 

Doch nicht nur die Amerikaner waren am autonomen Fahren interessiert. Auch ein Deutscher leistete rund 20 Jahre nach der Mondlandung einen wesentlichen Beitrag. Der Robotiker Ernst Dieter Dieckmanns war seinerzeit Professor an der Bundeswehruniversität München und Initiator des Projektes „Prometheus“, das sich Mitte der 1980er begann, mit dem selbstfahrenden Auto zu beschäftigen. 1994 ließ „Prometheus“ einen Mercedes-Transporter autonom mehr als 1000 Kilometer über eine Autobahn fahren – mit Tempo 130! Der Mercedes wechselte von selbst die Spur und überholte sogar autonom. Abstandhaltetempomat und Notbremsassistent stammen aus dieser Forschung und sind heute etabliert.

Tesla bietet mit dem Model S ein Auto an, dass schon viele Funktionen an Bord hat, die zum autonomen Fahren benötigt werden. Foto: Tesla

 

Einen neuerlichen Sprung machte das autonome Fahren mit Gründung der Darpa, einer Behörde des US-Verteidigungsministeriums, die auf selbstfahrende Autos spezialisiert ist. Mit dem Roboter-Auto-Wettbewerb „Darpa-Challenge“ wollte die Behörde das autonome Fahren besser in der Öffentlichkeit platzieren. Die Geschichte des autonomen Fahrens nimmt seit 2010 massiv an Fahrt auf. 2012 wurde erstmals in der Automobilgeschichte ein autonom fahrendes Auto für den Straßenverkehr freigeschaltet und fuhr anschließend durch Las Vegas. 2015 führte der Autohersteller Tesla ein Software-Update für sein Model S ein, das über einen semiautonomen Autopiloten verfügt. Der Tesla kann den Abstand zum Vordermann beibehalten, selbständig die Spuren halten und wechseln, Parklücken und rote Ampeln erkennen. Seit diesem Jahr fahren in Las Vegas erste Robotertaxis durch die Straßen. Ganz autonom sind die aber nicht. Denn zwar bremsen, lenken und beschleunigen die Autos von selbst, doch hinter dem Steuer sitzt immer noch ein Fahrer – für den Notfall. Auch aus rein rechtlichen Gründen: Denn wer haftet, wenn ein autonomes Auto einen Unfall baut?

 

Sobald diese Frage geklärt ist, sind die Rahmenbedingungen für vollautonome Autos gegeben. Prognosen des Fraunhofer-Instituts gehen davon aus, dass sich das fahrerlose Fahren ab dem Jahr 2030 im Straßenverkehr verbreiten wird. Wenn das Leonardo da Vinci sehen könnte: Sein Code wurde geknackt, und er wird seit 500 Jahren perfektioniert.

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