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Gruß aus der Küche

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19/11/2018
 

Am Anfang stand ein Missgeschick am Herd – die Geschichte des Reifens ist ein besonders spannendes Kapitel der modernen Mobilität. Ein kurzer Abriss über die Historie eines eher unscheinbaren Produkts, das einen großen Beitrag zur Sicherheit auf den Straßen leistet. Seit 150 Jahren maßgeblich dabei: Continental.


Was haben Vaseline, Eis am Stiel, Penicillin oder Kartoffelchips mit Gummi gemeinsam? Etwas sehr Grundsätzliches, denn alle diese Produkte wurden durch Zufall erfunden. Im Fall von Gummi ereignete sich dieser Zufall im Jahr 1839 im Städtchen Woburn im US-Bundesstaat Massachusetts. Dort lebte Charles Goodyear, ein gelernter Kaufmann und Selfmade-Chemiker. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, aus dem Naturmaterial Kautschuk wasserdichte Schuhe, Jacken oder Hüte herzustellen. Das Problem dabei: Kautschuk war so klebrig, dass er sich nur zwischen zwei Gewebeschichten verarbeiten ließ. Zudem wurde das Material bei Kälte rasch brüchig. Goodyear experimentierte über Jahre, um Kautschuk gefügiger zu machen. Auch an jenem Tag im Jahr 1839, als ihm in der heimischen Küche aus Versehen einige dicke Tropfen eines Kautschuk-Schwefel-Gemisches auf eine noch heiße Herdplatte fielen. Als er die Klumpen abschabte, hielt er als erster Mensch elastisches Hartgummi in der Hand.


Goodyear hatte durch Zufall den Stoff entdeckt, nach dem er so lange gesucht hatte. Und zugleich das Verfahren entschlüsselt, wie aus Kautschuk und etwas Schwefel unter Einfluss von Hitze Gummi entsteht – die Vulkanisation. Etliche Versuche und fünf Jahre später, am 15. Juni 1844, erhielt der unverdrossene Tüftler darauf das US-Patent Nummer 3633. Goodyear fertigte in der Folge Möbel, Handschuhe, Zelte und sogar Spazierstöcke aus Gummi, doch wirtschaftlich genießen konnte er seine Entdeckung nicht. Er starb, völlig verarmt, im Jahr 1860.

Am 8. Oktober 1871 wird die Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie als Aktiengesellschaft in Hannover gegründet. Im Stammwerk an der Vahrenwalder Straße werden unter anderem Weichgummiwaren, gummierte Stoffe und Massivbereifungen für Kutschen und Fahrräder hergestellt. Foto: Continental

 

Der neue Werkstoff Gummi jedoch setzte zu einer Weltkarriere an. Das fiel auch einer Gruppe Bankiers und Industriellen in Hannover auf. Mit einem Grundkapital von 300.000 Talern – nach heutigen Maßstäben etwa 6,3 Millionen Euro – gründeten die neun Herren am 8. Oktober 1871 in Hannover-Vahrenwald eine Aktiengesellschaft namens „Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie“. Die etwa 200 Beschäftigten des jungen Unternehmens, das sich auf die Herstellung von Weichgummiwaren spezialisierte, fertigten vor allem Puppen, Wärmflaschen und Vollgummi-Reifen – zunächst für Kutschen, bald auch für Fahrräder. Bereits Mitte der 1880er-Jahre war Continental Marktführer für Vollgummi-Fahrradreifen in Deutschland, Frankreich und England.


Der neue Werkstoff Gummi jedoch setzte zu einer Weltkarriere an. Das fiel auch einer Gruppe Bankiers und Industriellen in Hannover auf. Mit einem Grundkapital von 300.000 Talern – nach heutigen Maßstäben etwa 6,3 Millionen Euro – gründeten die neun Herren am 8. Oktober 1871 in Hannover-Vahrenwald eine Aktiengesellschaft namens „Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie“. Die etwa 200 Beschäftigten des jungen Unternehmens, das sich auf die Herstellung von Weichgummiwaren spezialisierte, fertigten vor allem Puppen, Wärmflaschen und Vollgummi-Reifen – zunächst für Kutschen, bald auch für Fahrräder. Bereits Mitte der 1880er-Jahre war Continental Marktführer für Vollgummi-Fahrradreifen in Deutschland, Frankreich und England.

Continental fertigt als erste deutsche Firma Fahrrad-Luftreifen – sogenannte Pneumatics. Foto: Continental

 

Etliche Fahrzeuge jedoch rumpelten zu dieser Zeit noch auf – teils mit Eisenstreifen bereiften – Holzrädern durch die Gegend. Oder sogar über die Dielen von Häusern. Letzteres war der Fall bei Familie Dunlop im irischen Dublin, wo sich Vater John Boyd Dunlop, ein Tierarzt, immer wieder über den Lärm aufregte, den die Holzräder des Dreirads seines Sohnes machten. Bis er eines Tages eine Idee hatte und etliche weiche Gummiplatten zu drei Schläuchen verklebte, diese mit einer Ballpumpe aufblies und sie mit einem Stoffstreifen auf den Rädern des Spielgefährts befestigte. Dann war Ruhe. Und das Dreirad rollte auch noch sehr viel besser. Dunlop hatte den Luftreifen erfunden, am 7. Dezember 1888 meldete er das Patent für den ersten Fahrradluftreifen der Welt an.

Continental produziert ab 1905 Nietengleitschutz-Reifen, die den späteren Spikes-Reifen ähneln. Das Bild zeigt ein Werbemotiv für Spikes-Reifen aus den 1960er Jahren. Foto: Continental

 


Dass rund drei Jahre zuvor Karl Benz den Motorwagen erfunden hatte, kann man als glückliche Fügung, erstaunlichen Zufall oder logische Folge der technischen Entwicklung zu dieser Zeit interpretieren. Jedenfalls fand sehr bald zusammen, was perfekt zusammenpasste: Das Automobil und der Luftreifen. 1895 nahm das erste Auto, das mit Luftreifen des französischen Unternehmers Edouard Michelin bestückt war, am Rennen Paris-Bordeaux-Paris teil. Fahrer und Wagen erreichten zwar das Ziel, wurden jedoch disqualifiziert wegen mehrerer Reifenwechsel, die unterwegs nötig geworden waren. Das war zwar ärgerlich, doch die Alltagstauglichkeit von Luftreifen für Automobile war erwiesen. Ab 1898 begannen schließlich mehrere Firmen, solche Reifen zu produzieren; auch Continental in Hannover, wo sie unter dem Produktnamen „Pneumatics“ verkauft wurden. Der Fortschritt durch die luftgefüllten Gummischläuche war unmittelbar erfahrbar, denn die Fahrzeuge mit diesen Reifen rollten viel geschmeidiger und komfortabler über die damals meist ruppigen Straßen. Sie ließen sich auch präziser lenken und sicherer abbremsen. Einziger Nachteil waren die häufigen Reifenpannen, doch gerade dieses Manko spornte die Reifenhersteller zu stetigen Verbesserungen an.

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Innovationen aus der Frühzeit des Autoreifens im Schnelldurchgang: 1904 fertigte Continental den weltweit ersten Autoreifen mit einem Profil, so genannten Querrippen. 1905 bot Continental erstmals „Nietengleitschutz-Reifen“ an, also eine Art frühen Spikes-Reifen. 1906 gewann ein Renault den ersten Grand Prix der Welt – vor allem weil Fahrer und Beifahrer die Reifen viel schneller wechseln konnten, da ihr Rennwagen mit abnehmbaren Radfelgen von Michelin ausgerüstet war. 1918 setzte sich die Zugabe von Ruß zur Gummimischung durch und erhöhte die Abriebfestigkeit und damit die Haltbarkeit von Reifen – und sie machte sie schwarz. 1922 stellte Dunlop den ersten Autoreifen mit einem Stahldraht im Wulst vor, die Bauweise ist bis heute gebräuchlich.

Der Zusatz von Ruß verleiht den Reifen ab 1926 höhere Abriebfestigkeit, bessere Alterungsbeständigkeit und schließlich auch die charakteristische schwarze Farbe. Foto: Continental

 

Das Innovationstempo in der Reifenindustrie blieb auch in der Folge ungebrochen. Erfindungen wie der synthetische Gummi, der schlauchlose Reifen oder der Radialreifen prägten die Branche und das Autofahren ebenso wie die Ausdifferenzierung in Sommer- und Winterreifen ab den fünfziger Jahren oder die Entwicklung der Breitreifen für besonders sportliche Fahrzeuge ab den Siebzigern.


Ein zentraler Aspekt bei allen Reifen-Innovationen ist die Sicherheit. Denn zwischen Auto und Fahrbahn gibt es lediglich die vier Kontaktflächen von jeweils der Größe einer Postkarte, die von den Reifen gebildet werden. Auf diesen wenigen Quadratzentimetern müssen alle Kräfte übertragen werden, sämtliche Lenk-, Beschleunigungs- oder Bremsbefehle, alle Impulse von Sicherheitssystemen wie ABS, ESP oder Notbremsassistent. Auch die Reifen selbst tragen zu mehr Sicherheit bei, etwa durch die inzwischen in modernen Autos obligatorische Luftdruckkontrolle oder etwa Notlaufeigenschaften, die auch im Falle einer Panne ein kontrolliertes Weiterfahren ermöglichen. 

Neueste Technologie für sicheren Grip im Winter 2018/2019: Der Continental WinterContact TS 860. Foto: Continental

 

Welche Rolle gerade die Reifen für die Fahrsicherheit spielen, wird vielen Autofahrern vor allem im Winter bewusst, wenn Nässe oder Glätte die Straßen rutschig machen und das Fahrzeug dennoch sicher die Spur hält. Winterreifen von Continental beispielsweise erhalten seit Jahrzehnten Bestnoten bei Reifentests. So auch der aktuelle Continental WinterContact TS 860, der dank Traktionslamellen, breiten Profilblöcken an der Reifenschulter und einer speziellen Profilrille in der Mitte der Lauffläche – auch „Bremsband“ genannt – herausragende Fahr- und Sicherheitseigenschaften auch bei winterlichen Straßenverhältnissen bietet. Ohne Hightech-Gummitechnologie wäre das alles undenkbar – und ohne diesen Zufall in einer Küche in Woburn im Jahr 1839 auch.

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