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Achtung, Starkregen!

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29/03/2019
 

Plötzliche, heftige Regengüsse sind eines der gefährlichsten Wetterphänomene für den Straßenverkehr – und könnten nach neuen Wetterstudien in Zukunft immer häufiger auftreten, gerade auch im Sommer. Die große Gefahr dabei: Aquaplaning. Innovative Assistenzsysteme helfen, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen – und Unfälle zu vermeiden.


Warmer Wind weht durch die halb geöffneten Fenster, die Sonne steht tief, im Radio spielen sie mal wieder „Summer of 69“ von Bryan Adams. So macht Autofahren Spaß. Doch manchmal kann es auch ganz schnell anders kommen. Wo der Himmel eben noch verführerisch leuchtete und ein idyllisches Panorama präsentierte, hängen plötzlich dichte Wolken. Die Landschaft wird in eine fast bedrohliche Dunkelheit getaucht.


Nein, das ist kein Szenario aus einem Endzeit-Blockbuster aus Hollywood. Mit solch Drohkulisse kündigt sich in der Regel ein Wetterphänomen an, das aktuellen Radardaten der „Deutschen Meteorologischen Gesellschaft“ zufolge künftig immer häufiger in Europa auftreten kann: Starkregen. Die Auswirkungen sind drastisch. Riesige Wassermassen stürzen in kürzester Zeit hinab, Erdreich und Kanalisation sind überfordert, Landschaft und Straßen überfluten. Vor allem auch im Frühjahr und Sommer sind solch heftige Niederschläge häufiger zu beobachten. Das Besondere: Starkregen tritt meist plötzlich und lokal auf und trifft selten eine ganze Region – dementsprechend überfordert sind zum Beispiel Wetter-Apps. Die Einfahrt in den Tunnel bei Sonnenschein garantiert also noch lange keine trockene Ausfahrt. Autofahrer, die gerade zum Beispiel zu „Summer of 69“ bei in den Feierabend durchstarten, werden urplötzlich mit Aquaplaning konfrontiert. Denn wenn innerhalb kurzer Zeit die Fahrbahn überflutet wird, kann es trotz eigentlich perfekter Bereifung vorkommen, dass das Reifenprofil die Wassermassen nicht mehr zur Seite drängen kann und sich ein Wasserkeil vor dem Reifen bildet. Der Keil schiebt sich unter den Reifen, das Auto schwimmt auf und verliert den Kontakt zur Fahrbahn – und der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug. Wenn solche Aquaplaning-Verhältnisse entstehen, helfen selbst Assistenzsysteme wie die Elektronische Stabilitätskontrolle (ESC) oder das Antiblockiersystem (ABS) nicht mehr weiter. Rund 39 Prozent aller Verkehrsunfälle gehen auf Kosten solcher extremen Wetterbedingungen.

Kameras erkennen ein spezifisches Spritz- und Sprühmuster, so dass bereits sehr früh vor einer drohenden Aquaplaning-Gefahr gewarnt werden kann. Foto: Continental

 

Doch neueste Sicherheits-Technologien helfen nun Fahrern und Fahrzeugen, die Gefahr des Aquaplanings zu verringern. Continental ist ganz vorn dabei. "Plötzlich auftretendes Aquaplaning ist trotz bester Reifen immer ein Schreckmoment. Auf Basis von Sensorinformationen und Software entwickeln wir eine leistungsstarke Technologie, die das Gefahrenpotential von Aquaplaning erkennt und den Fahrer frühzeitig warnt“, erläutert Frank Jourdan, Continental Vorstandsmitglied und Leiter der Division Chassis & Safety. Um die übermäßige Wasserverdrängung zu erkennen, setzt Continental auf Bilder der sogenannten Surround-View-Kameras. Diese Weitwinkel-Kameras sind in den Seitenspiegeln sowie im Kühlergrill und im Heck der Continental-Entwicklungsfahrzeuge eingebaut. „Wenn viel Wasser auf der Straße ist, zeigen die Kamerabilder ein spezifisches Spritz- und Sprühmuster der Reifen. Dieses Muster nutzen unsere Algorithmen, um eine Aquaplaning-Gefahr zu identifizieren“, erklärt Bernd Hartmann, Leiter der Projektgruppe Fahrerassistenz & Reifen-Interaktionen im Bereich Advanced Technology der Division Chassis & Safety bei Continental. So werden die Fahrer rechtzeitig gewarnt und können ihre Geschwindigkeit im Vorfeld noch besser anpassen. Ein erster Serieneinsatz der in der Vorentwicklung befindlichen Technik ist in der nächsten Fahrzeuggeneration vorstellbar.

Die perfekte Bereifung bringt bei starken Regenfällen ein deutliches Plus an Sicherheit – und intelligente Fahrerassistenzsysteme ebenso. Foto: Continental

 

Dazu wird künftig, dank Digitalisierung und zunehmender Konnektivität, auch der folgende Verkehr bereits frühzeitig gewarnt. Mittels „V2X“-Technologie (Vehicle to X) informiert das vom Aquaplaning betroffene Fahrzeug nachfolgende Autos über die nahende Gefahr. Zum Einsatz kommt hierbei das Continental-System eHorizon, eine Big-Data-Cloud, die Fahrzeugen eine Vorschau auf vorausliegende Strecken bietet und an die Fahrerassistenzsysteme weiterleitet. Lauert etwa hinter der nächsten Kurve ein Wasserfilm auf der Fahrbahn, sind die Fahrer längst informiert, das Tempo kann reduziert und die Unfallgefahr minimiert werden.

 

Hinzu kommen Informationen aus dem Reifen selbst, die durch die im Reifen sitzenden Continental eTis-Sensoren (electronic-Tire Information System) bereitgestellt werden. Das System erkennt nicht nur die Profiltiefe der Reifen und errechnet aufgrund der Informationen über den Zustand der Fahrbahn eine angemessene Geschwindigkeit, sondern nutzt auch die Beschleunigungssensoren, um Aquaplaning frühzeitig zu identifizieren. Kann das Reifenprofil das Wasser nicht mehr ableiten, registriert das System sofort dieses bestimmte Muster und zeigt das Aquaplaning-Risiko an.

Der „Wet Mode“ im neuen Porsche 911 arbeitet mit Akustiksensoren, die in den beiden vorderen Radhäusern verbaut sind. Wird Spritzwasser aufgewirbelt, registrieren das die Sensoren. Foto: Porsche AG

 

Das Problem zunehmender Aquaplaning-Gefahr haben auch die großen Autohersteller erkannt. Porsche zum Beispiel hat die neue Generation des 911 mit einem sogenannte „Wet Mode“ ausgerüstet. Die Technologie der Zuffenhausener arbeitet mit Akustiksensoren, die in den beiden vorderen Radhäusern verbaut sind. Wird Spritzwasser aufgewirbelt, registrieren das die Sensoren – und die sind sogar so intelligent, dass sie Wasser von Sand oder Schmutz unterscheiden können. Entscheidend dafür ist das unterschiedliche Frequenzbild. Sobald die Sensoren eine kritische Menge an Wasser auf der Fahrbahn registrieren, erhält der Fahrer die Empfehlung, den „Wet Mode“ zu aktivieren. Mehrere Fahrzeugsysteme werden angepasst: Der Motor reagiert langsamer auf Befehle des Gaspedals, die Getriebesteuerung wird angepasst, ABS und ASR reagieren sensibler, die vorderen Luftklappen werden voll geöffnet und der Heckspoiler wird aktiviert, die Aerodynamik steht auf maximalem Abtrieb. Die Fahrstabilität steigt. Zusätzlich aktiviert auch dieses System die Car-to-Car-Kommunikation und teilt die gesammelten Daten mit anderen Fahrzeugen. Es entsteht ein solidarisches Auto-Netzwerk, das sich gegenseitig mit entscheidenden Informationen für mehr Fahrsicherheit versorgt.

Porsche hat für den neuen 911er ein System entwickelt, das vor Aquaplaning warnt und die Fahrt auch im Sportwagen bei Regen sicherer macht. Foto: Porsche AG

 

Jahren in Europa vermehrt auftreten könnten. Doch werden solche Technologien natürlich nicht nur für europäische Märkte entwickelt. Es wird global gedacht, denn die „Vision Zero“, eine Vision vom unfallfreien Fahren, kennt keine Grenzen. Indien etwa, wo Continental derzeit rund 8000 Mitarbeiter beschäftigt und zwei weitere Werke baut, verzeichnet in den letzten Jahren stetig wachsende Zahlen in der Automobilproduktion – und ist vor allem zwischen Juni und September von heftigen Niederschlägen gezeichnet. Die Aquaplaning-Gefahr ist hoch. „Indien wird der drittgrößte Autoabsatzmarkt der Welt," prognostiziert Günter Butschek, CEO des indischen Autoherstellers Tata Motors. Wenn die Motorisierung der 1,3 Milliarden Inder weiter so voranschreitet, muss vor allem auch für die Regenzeit vorgesorgt werden. Systeme wie von Continental und von anderen Entwicklern können das leisten – und sind damit ein weiterer Schritt in eine Zukunft ohne Verkehrsunfälle.

Richtiges Verhalten bei Aquaplaning

Grundsätzlich gilt: Überprüfen Sie, ob die Autoreifen genügend Profil haben. Empfohlen wird für Sommerreifen eine Profiltiefe von mindestens 3 Millimetern und bei Winterreifen eine Tiefe von 4 Millimetern. Achten Sie auf den richtigen Reifendruck. Die Angaben dafür finden Sie an Ihrem Fahrzeug.

Aquaplaning kündigt sich durch eindeutige Warnsignale an – nicht nur durch die Geschwindigkeit der Scheibenwischer: kräftiges Wasserrauschen von unten und eine zunehmend schwammigere Lenkung. So sollte man sich dann verhalten:

1.) Lenkrad mit beiden Händen festhalten

2.) Fuß vom Gas, Tempo langsam drosseln – aber nicht bremsen.

3.) Abstand zum Vordermann vergrößern

4.) Lenk- und Bremsversuche unterlassen. Schleudergefahr!

5.) Leerlauf einlegen und Fahrzeug ausrollen lassen, bis die Reifen wieder auf der Straße haften


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