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Mit der Macht von 5G

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27/06/2019
 

Continental entwickelt in Kooperation mit Vodafone ein Digitales Schutzschild vor allem auch für Fußgänger und Fahrradfahrer. Rob Gee, Telematik Engineering Manager bei Continental, erklärt im Interview wie die neue Technologie die Straßen sicherer macht – und was das innovative System mit der „Macht“ in den „Star Wars“-Filmen gemeinsam hat.

Continental entwickelt in Kooperation mit Vodafone ein Digitales Schutzschild, um Fahrradfahrer und Passanten besser im Straßenverkehr zu schützen. Foto: Continental

 

Herr Gee, Continental entwickelt ein „Digitales Schutzschild“ für Fußgänger und Fahrradfahrer, um ihnen mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu bieten. „Schutzschild“, das klingt fast nach „Star Wars“, nach Abwehrmaßnahmen gegen die imperialen Truppen… Ist Ihren Ingenieuren die Idee zu dieser neuen Technologie an einem gemeinsamen Kinoabend gekommen?

Ein gemeinsamer Filmabend ist natürlich immer eine gute Idee. Aber natürlich steht hinter dieser neuen Technologie ein ernstes Anliegen. Schauen wir auf die Unfallzahlen, denn die sprechen für sich: Jeden Tag sind allein in Deutschland mehr als 7000 Verkehrsunfälle zu verzeichnen. Die Statistik ist alarmierend: Wir sprechen hier von 1060 Verletzten und neun Todesfällen täglich. Dagegen müssen wir etwas tun. Als eines der führenden Technologieunternehmen der Automobilindustrie haben wir als Ziel in unsere Vision Zero: eine Welt ohne Verkehrsunfälle.

 

Insbesondere Fußgänger und Fahrradfahrer gehören zu den Leidtragenden von Unfällen. Wie wird das neue digitale Schutzschild sie vor gefährlichen Situationen bewahren?

Das Digitale Schutzschild ist eine wesentliche Innovation, die durch unsere Kooperation mit Vodafone vorangetrieben wird. Wir entwickeln diese Technologie gemeinsam gerade auch zum Schutze schwächerer Verkehrsteilnehmer. Ein Viertel aller Verkehrstoten in Deutschland gehören zur Gruppe der Fußgänger und Fahrradfahrer. Die Frage also ist: Wie kann man alle Verkehrsteilnehmer besser schützen, eben auch jene, die kein Assistenzsystem dabeihaben? Die Lösung liegt auch in dem Vorteil, dass fast alle Menschen ein Smartphone mit sich führen. Dazu ist mittlerweile die Hälfte der weltweit verkauften neuen Automobile mit Mobilfunk-Technologie ausgestattet. Wir lassen nun also das Smartphone eines Fußgängers oder Fahrradfahrers mit den Fahrzeugen kommunizieren. Dafür muss eine App aufs Mobiltelefon geladen werden. Diese sendet Informationen zu Position, Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit über das Mobilfunknetz auf unseren Server. Der wiederum schickt die Informationen in Sekundenbruchteilen an all jene Fahrzeuge, die Mobilfunk-Telematik-Anwendungen oder V2X-Technologie an Bord haben, also Technologien, die die Kommunikation von Fahrzeugen mit der Infrastruktur außerhalb des Automobils ermöglichen. In Kombination mit Daten aus dem Fahrzeug – Geschwindigkeit, Blinker-Aktivierung oder Einschlagwinkel des Lenkrads – ergibt sich ein schlüssiges Bild. Das System warnt, sobald die Wege eines Autos und etwa eines Fahrrads sich gefährlich kreuzen.

Continental kooperiert mit dem Telekommunikationsunternehmen Vodafone, um neue Lösungen zum besonders schnellen und effektiven Austausch von Informationen im Straßenverkehr voranzutreiben. Foto: Continental. 

 

Ist das die Zukunft der Mobilität? Dass jeder mit jedem vernetzt ist?

Ja. Aber mit Einschränkungen. Natürlich hat jeder Mensch die Wahl, ob er Teil eines Netzwerkes werden möchte, das ihm und anderen mehr Sicherheit bringt. Es wird für Fußgänger oder Fahrradfahrer sicher keine Verpflichtung sein, sich die entsprechende App auf dem Handy zu installieren. Sorge muss man nicht haben: Es werden über V2X-Technologie keine Daten weitergegeben, die einen Rückschluss auf die beteiligten Nutzer zulassen. Auch werden zum Beispiel die Informationen von der Handy-App eines Fußgängers über dessen Position und Bewegungsrichtung nur exakt den Fahrzeugen zugespielt, die tatsächlich auf einem potenziellen Kollisionskurs mit der betreffenden Person liegen. Und auch die sind komplett anonymisiert. Letztlich ist es kein großer Unterschied zu heute: Verkehrsteilnehmer kommunizieren miteinander und tauschen Informationen aus. Ein Autofahrer beobachtet zum Beispiel beim Abbiegen die sich nähernden Passanten, Fußgänger wiederum schauen, wie schnell sich aus welcher Richtung Fahrzeuge nähern. Wenn es nun gelingt, diese Kommunikation zu automatisieren und Computer mögliche Folgen berechnen zu lassen, bekommen wir eine deutlich präzisere Vorhersage zu möglichen Risiken.

 

Das System verlangt aber danach, dass möglichst viele Verkehrsteilnehmer ein intelligent vernetztes Auto fahren – oder ihr Smartphone in der Tasche haben.

Das ist kein Problem. Es gibt mittlerweile immer mehr Geräte und Anwendungen, die sich statt eines Smartphones in unser System integrieren lassen: Smart Watches, Fitness-Tracker, kabellose Lautsprecher, MP3-Player und Ähnliches. Immer mehr Menschen führen zumindest eines dieser Geräte oder ein artverwandtes Gerät bei sich. Sogar Kleidung wird mittels kleinster Steuereinheiten im Stoff heute intelligent. Dazu gibt es Fahrradcomputer, die Daten erheben oder vor Diebstahl schützen. Es eröffnen sich immer mehr Möglichkeiten, Teil des smarten Netzwerkes zu werden – auch ohne Smartphone in der Tasche. Entscheidend ist, dass ein elektronisches Gerät in der Lage ist, Informationen zu übermitteln. Unser System ist dabei für die unterschiedlichsten Kommunikationsstandards ausgelegt. Das Praktische an dieser Lösung ist es ja gerade, dass wir all die Geräte und Gadgets, die die Menschen sowieso mit sich führen, in das Digitale Schutzschildsystem integrieren. Niemand muss sich eigens ein spezielles Gerät kaufen. 

Rob Gee ist Telematik Engineering Manager bei Continental – mit seinem Team entwickelt er unter anderem innovative Technologien für einen besseren Schutz von Fußgängern und Fahrradfahrern.

 

Dennoch werden Daten erhoben und weitergeleitet, die Informationen über den Standort und den Weg eines Verkehrsteilnehmers beinhalten. Könnten Nutzer sich nicht überwacht und kontrolliert fühlen?

Das Problem sehe ich nicht. Schon heute geben viele Menschen freiwillig deutlich mehr Informationen von sich preis, als unser System erheben wird. Viele Smartphone-Apps arbeiten mit Funktionen, die eine genaue Ortung des Geräts ermöglichen. Wer online ist, wer Suchmaschinen aktiviert oder auf Social-Media-Plattformen aktiv ist, ist ebenfalls Teil eines in weiten Teilen öffentlichen Netzwerkes. Das Digitale Schutzschild arbeitet nur mit einem Bruchteil der Menge an Informationen, die viele Menschen jeden Tag an die Öffentlichkeit gibt. Die Daten, die ausgetauscht werden, sind anonym und nur dafür ausgelegt, potenzielle Unfallgefahren zu minimieren. Es ist ja ein deutliches Plus an Sicherheit, das man mit einem letztlich eher geringen Informationsaustausch erhält.

 

Continental kooperiert unter anderem für die Entwicklung des Digitalen Schutzschildes mit Vodafone. Ist das ein Zeichen einer neuen Mobilität: Dass Automotive-Unternehmen mit Telekommunikationskonzernen Hand in Hand arbeiten?

Durchaus. Neue Kooperationen sind notwendig, um Innovationen voranzutreiben. Fahrzeuge müssen sich heute, und künftig noch viel mehr, sicher im Straßen- und im Datennetz bewegen. In der Kooperation mit Vodafone bringen wir Experten aus beiden Welten zusammen, der Automobilindustrie und dem Telekommunikationssektor. Continental bringt das Knowhow für Telematik-Lösungen und Connectivity-Technologien im Automotive-Bereich an den Tisch, Vodafone seine Expertise zum Beispiel beim Thema 5G und bei Mobilfunktechnologien. So können wir unser Ziel der Vision Zero noch effektiver verfolgen. Smarte Kommunikationstechnologien wie 5G, Mobile Edge Computing und Cellular V2X helfen, die Straßen sicherer zu machen. Das Digitale Schutzschild ist dafür ein gutes Beispiel.

Das ist die Zukunft einer sicheren Mobilität: Vernetzte Autos tauschen über modernste Kommunikationskanäle wie 5G Informationen untereinander aus – und kommunizieren auch mit der Infrastruktur. Foto: Continental

 

Wir sprachen eingangs auch über „Star Wars“ an. Beziehen Sie tatsächlich Inspirationen aus Science Fiction? Es gibt viele Filme, in denen Hollywood kommende technologische Entwicklungen vorausahnte. Das sprechende Auto K.I.T.T in der Fernsehserie „Knight Rider“ hatte einen sehr smarten Sprachassistenten an Bord, James Bond ließ seinen Wagen schon autonom fahrend gegen Gangster kämpfen…

Wer wünscht sich nicht, einen Blick in die Zukunft werfen zu können? Wir haben unsere eigenen Ansätze, wie wir vermeintliche Science-Fiction-Szenarien zu echter Science machen, zum Teil unseres realen Alltags. Ich gebe Ihnen aber insofern Recht: Letztlich sind zum Beispiel kabellose V2X-Kommunikationstechnologien nichts anderes als eine intelligente Interpretation der voraussehende „Macht“ in „Star Wars“ oder die hellseherische Intuition Spidermans.

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