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Wie funktioniert eigentlich der Notbremsassistent?

Technologie

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24/09/2018
 

Assistenzsysteme helfen Unfälle zu vermeiden. In einer neuen Serie auf VisionZeroWorld erklären wir, wie ASB, ESP & Co eigentlich funktionieren. Heute: der Notbremsassistent.


Stockender Verkehr auf der Autobahn – da kann der Weg nach Hause zur Geduldsprobe werden. Vor allem nach einem langen und stressigen Arbeitstag. Müdigkeit macht sich breit, der Magen knurrt. Die untergehende Sonne taucht den Himmel in rötliches Licht und mitten in dem schönen Panorama zieht ein Heißluftballon seine Bahnen. Welch' ein Anblick. Nur einen kleinen Blick riskieren – doch dann knallt es. Aus dem stockenden Verkehr wurde ein Stau, aus dem Sicherheitsabstand ein Auffahrunfall. Ist man abgelenkt, können entscheidende Meter verloren gehen. Bei einem Tempo von fünfzig Stundenkilometern bedeutet das: Blickt man eine Sekunde aus dem Fenster, verlängert sich der Bremsweg um rund fünfzehn Meter. Nicht aber mit einem Notbremsassistenten.

Notbremsassistenten von Continental sind auch mit Fußgängererkennung gekoppelt. Foto: Continental

 

Denn der Notbremsassistent ist nie abgelenkt, er ist der aufmerksame Beifahrer, der eingreift, wenn’s eng wird. Hersteller wie Continental schaffen mit der Entwicklung neuer Generationen von automatischen Bremsassistenten immer mehr Sicherheit auf den Straßen. Doch wie funktioniert so ein "Autonomous Emergency Braking"-System (AEB) eigentlich? Ein Notbremsassistent ist ein vorausschauendes Fahrerassistenzsystem für Autos, das bei Gefahr vorbeugend eine Notbremsung unterstützt oder sogar selbstständig mit dem Ziel einleitet, Kollisionen mit Hindernissen aller Art auf intelligente Weise zu vermeiden. Falls das nicht möglich ist, heißt das Ziel maximale Reduzierung der Aufprallgeschwindigkeit. Die Basis der AEB-Technologie sind vernetzte Sensoren, die permanent sowohl die elementaren Fahrzustände wie Geschwindigkeit, Beschleunigung und Abstände, als auch Pedalstellungen und Lenkwinkel ermitteln sowie bewerten. Diese Sensoren registrieren dabei beispielsweise, wenn sich der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug zunehmend verringert. Ein Bordcomputer errechnet aus den ermittelten Geschwindigkeits-  und Abstandsdaten, wann der Fahrer das Fahrverhalten ändern müsste, um einen Aufprall zu verhindern. Bleibt eine erforderliche Reaktion wie zum Beispiel Gaswegnahme oder Bremsen aus, leitet das System selbst geeignete Maßnahmen ein. Experten gehen davon aus, dass sich durch den konsequenten Einsatz moderner Notbremsassistenten rund 35 Prozent aller Unfallverletzungen im Straßenverkehr vermeiden ließen.

Notbremsassistenten schaffen mehr Sicherheit auf den Straßen. Grafik: Continental.

 

Notbremsassistenten unterscheiden drei verschiedene Einsatzanforderungen: Fußgänger (Pedestrian), Stadt (City) und Autobahn/Landstraßen (Inter-Urban). Während die Regelalgorithmen für den Stadtverkehr insbesondere auf Kolonnenfahrten, häufiges Abbremsen/Anfahren und Kreisverkehre optimiert werden, arbeiten die Systeme auf Autobahnen und Landstraßen angepasst an höhere Geschwindigkeiten und größere Sicherheitsabstände. Das Fußgänger-AEB verfügt beispielsweise über spezielle Sensoren, die Personen im Umfeld, die plötzlich vor das Fahrzeug treten könnten, jederzeit identifizieren können. Ideal ergänzt wird die AEB-Technik durch zusätzliche Systeme zum Insassenschutz. Wird ein Aufprall auf ein Hindernis unvermeidbar, können diese Systeme binnen Sekundenbruchteilen die Sicherheitsgurte vorspannen, Rückenlehnen aufrichten und umgeklappte Kopfstützen aufstellen. Und selbst nach dem Aufprall sind die Einflussmöglichkeiten noch nicht erschöpft. Ist beispielsweise das Airbagsteuergerät ins System integriert, kann der Bordcomputer das Fahrzeug nach Auslösen der Airbags über die ESC-Steuereinheit selbstständig stabilisieren und abbremsen, um zumindest Folgekollisionen weitestgehend zu vermeiden.

 

In Deutschland wurde der Assistent erstmals in der Mercedes CL-Klasse 2006 verbaut. Nach dem Top-Down-Prinzip ist der intelligente Beifahrer mittlerweile auch in vielen Mittelklassewagen serienmäßig mit an Bord. Doch die Experten warnen auch. Die Entscheidungsgewalt liegt immer beim Fahrer, der Notbremsassistent wurde nur für den Notfall entwickelt und ersetzt nicht das eigentliche Bremsen.

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