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Wie funktioniert eigentlich das Reifendruckkontrollsystem?

Technologie

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16/10/2018
 

Assistenzsysteme helfen Unfälle zu vermeiden. In einer neuen Serie auf VisionZeroWorld erklären wir, wie ABS, ESP & Co eigentlich funktionieren. Heute: das Reifendruckkontrollsystem.


Erst einmal erschrickt man. Wieso zieht das Auto plötzlich so komisch nach links? Ist die Lenkung kaputt? Dann fällt es einem wieder ein: Es könnte am Luftdruck liegen. Gleich darauf meldet sich das schlechte Gewissen – weil man sich gar nicht mehr erinnern kann, wann man zuletzt einen Luftdruckprüfer in der Hand gehabt hat. Mit älteren Fahrzeugen erlebt man solche Situationen immer mal wieder. Und wer den Führerschein schon etwas länger besitzt, erinnert sich vielleicht noch an das Mantra des Fahrlehrers beim theoretischen Unterricht: „Und denken Sie daran, bei jedem Tanken auch den Reifendruck zu kontrollieren!“ Ein wichtiger Ratschlag – den  jedoch nur wenige beherzigten.

Den Unterschied macht der Reifendruck: Der Bremsweg eines Fahrzeugs mit zu niedrigem Reifendruck (hier: 1,6 bar) ist deutlich länger als der eines Autos mit korrektem Reifendruck. Gemessen wurde auf nasser Straße bei einer vorausgegangenen Geschwindigkeit von 100 km/h. Grafik: Continental

 

Noch vor zehn Jahren veröffentlichte die Unfallforschung regelmäßig Zahlen, nach denen etwa zwei Drittel der Pkw in Deutschland mit dem falschen Luftdruck unterwegs waren – mit teils fatalen Folgen. Denn falscher Luftdruck in den Reifen macht das Lenkverhalten unpräzise, verlängert den Bremsweg und verschlechtert die Spurtreue. Außerdem führen zu viel oder zu wenig Druck im Reifen zu erhöhtem Spritverbrauch und Verschleiß. Diese physikalischen Gesetze gelten natürlich noch immer – doch es gibt glücklicherweise immer weniger Autos, die mit falschem Luftdruck fahren.

 

Der Grund sind Reifendruckkontrollsysteme (kurz: RDKS, engl. Tyre Pressure Monitoring System, TMPS), die seit 2014 in der EU für neu zugelassene Pkw und Wohnmobile vorgeschrieben sind. Ein RDKS übernimmt – salopp gesagt – den Job, den man früher bei jedem Tankstopp selbst hätte erledigen sollen, nämlich die Kontrolle des Luftdrucks in den Reifen. Allerdings geschieht dies jetzt permanent und automatisch – und sobald der Druck in einem der vier Reifen um 0,2 bar vom Sollwert abweicht, wird das dem Fahrer durch eine Warnleuchte im Cockpit signalisiert.

Dank des Reifendruckkontrollsystems von Continental fahren auch Lkw deutlich sicherer. Foto: Continental

 

Bei den Reifendruckkontrollsystemen wird grundsätzlich zwischen zwei unterschiedlichen Typen unterschieden, nämlich zwischen direkt und indirekt messenden RDKS. Bei direkt messenden Systemen – wie etwa „ContiPressureCheck“ – sind in allen Reifen Druck- und Temperatursensoren installiert, meist direkt am oder in der Nähe des Ventils. Diese Sensoren übertragen ihre Messdaten permanent per Funk an ein Steuergerät, das diese Daten auswertet. Wird eine Abweichung registriert, erhält der Fahrer über eine Cockpitanzeige die entsprechende Information: Etwa an welchem der vier Räder eine Druckdifferenz aufgetreten und wie groß diese ist. Direkt messende RDKS arbeiten vergleichsweise genau, da in jedem Reifen ein Sensor sitzt – natürlich auch in den Winterreifen, die in der kalten Jahreszeit aufgezogen werden. Zudem arbeiten die Sensoren mit Batteriestrom, und diese Mini-Akkus müssen nach fünf bis zehn Jahren erneuert werden.

Ist der Reifendruck zu niedrig, wird dies im Cockpit angezeigt. Foto: Continental

Der korrekte Reifendruck ist entscheidend, um der Vision Zero, einer Welt ohne Unfälle, näher zu kommen. Foto: Continental

 

Bei den indirekt messenden RDKS gibt es keine Sensoren in den Reifen, sondern es werden die Daten der Radsensoren genutzt, die ihre Messwerte beispielsweise auch für die Sicherheitssysteme ABS oder ESP zur Verfügung stellen. Die Logik dahinter: Wenn sich der Luftdruck in einem Reifen verändert, dann ändert sich auch dessen Abrollradius und damit das Abrollverhalten und die Drehzahl. Solche Änderungen können durch den ständigen Abgleich aller vier Radsensoren ermittelt werden. Indirekt messende RDKS reagieren etwas langsamer und etwas weniger genau auf Druckveränderungen als direkt messende. Da sie jedoch bereits vorhandene Sensoren und Steuergeräte nutzen, sind sie billiger – und es entstehen keine Zusatzkosten bei der Umrüstung des Autos auf andere Reifen.


Doch ganz gleich wie das Reifendruckkontrollsystem arbeitet: Wenn es korrekt kalibriert ist, bedeutet es einen erheblichen Sicherheits- und Komfortgewinn für den Fahrer. Vorausgesetzt natürlich, dieser reagiert auf die Warnmeldungen des Systems.

 


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