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Wie funktioniert eigentlich ein Runflat-Reifen?

Technologie

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14/12/2018
 

Assistenzsysteme helfen Unfälle zu vermeiden. Auf VisionZeroWorld erklären wir, wie ABS, ESP & Co eigentlich funktionieren. Heute: der Runflat-Reifen.


Eine einsame Landstraße, Dunkelheit, Nieselregen – und auf einmal zieht das Auto vehement nach rechts, lässt sich nur noch mit Mühe auf der Straße halten. Anhalten, aussteigen, nachsehen. Schöne Bescherung: ein Plattfuß vorne rechts, irgendwo im Nirgendwo. Eine Reifenpanne unter solchen Umständen ist der Alptraum vieler Autofahrer. Doch auch ein platter Reifen bei Sonnenschein im Stadtverkehr ist zumindest ärgerlich – und natürlich bedeutet ein plötzlicher Druckverlust im Pneu immer auch ein Unfallrisiko. Allerdings: Jeder Autofahrer erlebt im Schnitt eine Fußball-WM häufiger als eine Reifenpanne – nur alle fünf bis sieben Jahre, so die Statistik, bleibt man hierzulande als Pkw-Fahrer mit einem Plattfuß liegen. Moderne Runflat-Reifen schaffen dieses Risiko sogar komplett aus der Welt.

Verliert ein herkömmlicher Autoreifen Luft, wird die Seitenwand vom Gewicht des Fahrzeugs plattgedrückt. Durch Walkbewegungen der Felge auf dem Reifengummi entsteht Hitze, der Reifen wird nach kurzer Zeit irreparabel beschädigt und kann sogar von der Felge springen. Foto: Continental

 

Seit rund zwei Jahrzehnten gibt es Reifen, deren Fahreigenschaften bei Druckverlust kaum beeinträchtigt werden: so genannte Runflat-Reifen, auf Deutsch umschrieben: Reifen mit Notlaufeigenschaften. Heute haben nahezu alle großen Reifenhersteller solche Pneus im Programm, teilweise mit unterschiedlichen Technologien. Doch alle mit dem gleichen Effekt: nach einem Reifenschaden eine sichere und kontrollierte Fortsetzung der Fahrt zu ermöglichen.

 

Runflat-Reifen sind, vereinfacht umschrieben, eine Kombination aus Normal- und Ersatzreifen. Verliert ein herkömmlicher Reifen Luft, drückt das Fahrzeuggewicht die Seitenwände des Pneus immer weiter platt. Ein Reifenwechsel ist unumgänglich, denn bei einer Weiterfahrt würde sich der Reifengummi aufgrund der Walkarbeit stark erhitzen und möglicherweise sogar von der Felge rutschen. Bei einem Runflat-Reifen jedoch sind die Reifenflanken an der Innenseite derart verstärkt, dass sie auch bei einem vollständigen Druckverlust nicht zusammengedrückt werden, sondern stabil bleiben. So kann das Auto über eine begrenzte Strecke von 80 Kilometern und mit einer Geschwindigkeit von maximal 80 km/h sicher gefahren werden – zum Beispiel bis zur nächsten Fachwerkstatt.

Das Foto zeigt einen Querschnitt durch einen SSR-Reifen von Continental (Self Supporting Runflat-Tire). Erkennbar sind die besonders verstärkten Seitenwände, die selbst bei völligem Druckverlust dafür sorgen, dass der Reifen stabil und das Auto sicher fahrbar bleibt. Foto: Continental

 

Eine andere Technik, um Reifen mit Notlaufeigenschaften mitzugeben, war ein so genannter Stützring auf der Felge, der im Falle eines Druckverlustes der Lauffläche Halt gab und das vollständige Zusammendrücken des Reifens verhinderte. Dieses System erforderte jedoch spezielle Felgen, war teurer und aufwändiger und hat sich daher nicht durchgesetzt. Stattdessen gelten Runflat-Reifen mit verstärkten Seitenwänden als aktuell beste und sicherste Technologie, um trotz einer Reifenpanne die Weiterfahrt zu ermöglichen. Erlaubt sind Reifen mit Notlaufeigenschaften allerdings nur in Verbindung mit einer Reifendruckkontrolle. Der Grund: Die Pneus sind inzwischen so ausgereift, dass ein Autofahrer unter Umständen gar nicht bemerken würde, wenn ein Reifen Luft verliert. Vom Reifendruckkontrollsystem jedoch wird er darüber informiert und kann sein Fahrverhalten entsprechend anpassen.

Ein SSR-Reifen von Continental (Self Supporting Runflat-Tire) mit verstärkten Seitenwänden. Durch diese Technologie bleibt das Auto sicher beherrschbar, auch wenn die Luft aus einem Pneu völlig entweicht. Foto: Continental

 

Reifen mit Notlaufeigenschaften werden von Continental seit rund 20 Jahren produziert und verkauft. Bei Continental tragen sie das Kürzel SSR, das für „Self Supporting Runflat-Tire“ steht, und sie sind mit allen Standardfelgen kompatibel. Neben der Pannensicherheit verweist der Reifenhersteller noch auf zwei weitere Vorteile von SSR-Reifen: Weil sie das Reserverad überflüssig machen, sinkt auch das Fahrzeuggewicht um einige Kilogramm, was den Spritverbrauch reduziert. Und bei Bedarf gibt es nun dort, wo sonst das Ersatzrad untergebracht ist, bis zu 80 Liter mehr Stauvolumen für Gepäck.

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