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Wie funktioniert eigentlich ein Gurtstraffer?

Technologie

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17/12/2018
 

Assistenzsysteme helfen Unfälle zu vermeiden. Auf VisionZeroWorld erklären wir, wie ABS, ESP & Co eigentlich funktionieren. Heute: der Gurtstraffer.


Trotz der Digitalisierung des Automobils und neuer Sicherheitssysteme, die durch Hightech-Elektronik möglich werden, ist der simple und völlig analoge Dreipunktgurt nach wie vor die wichtigste Sicherheitsausstattung im Fahrzeug. Seit 1970 gilt in Deutschland die Anschnallpflicht für Fahrer und Beifahrer, seit 1976 müssen alle Insassen angeschnallt sein. Doch damit der Sicherheitsgurt im Falle eines Unfalls seine optimale Wirkung entfalten kann, ist ein Detail nötig, das 1981 auf dem Autosalon in Genf in der Mercedes S-Klasse erstmals vorgestellt wurde: der Gurtstraffer, der damals übrigens als „Gurtstrammer“ bezeichnet wurde.

Auf dem Autosalon in Genf 1981 stellte Mercedes-Benz die neue S-Klasse vor. Die Limousine war das erste Modell, in dem ein Airbag sowie ein Gurtstraffer – der damals noch „Gurtstrammer“ hieß – angeboten wurden. Foto: Mercedes

 

Dabei handelt es sich um System, dass bei einer Kollision vom gleichen Sensor wie der Airbag ausgelöst wird: Mittels einer pyrotechnischen Treibladung wird binnen weniger Millisekunden der Sicherheitsgurt um 10 bis 15 Zentimeter gestrafft. Das bewirkt zweierlei: Erstens wird der angeschnallte Passagier dadurch schon in einer sehr frühen Phase des Aufpralls abgebremst, und zweitens wird er durch den gestrafften Gurt in einer Position gehalten, in der Airbags und Kopfstütze die optimale Schutzwirkung erzielen können. Das ist besonders sinnvoll, wenn etwa in älteren Fahrzeugen die Sicherheitsgurte schon etwas ausgeleiert sind oder wenn – beispielsweise im Winter – dicke Kleidung den Sicherheitsgurt nicht optimal am Körper anliegen lässt.

 

Platziert ist die Gurtstraffertechnik entweder im Gurtaufroller oder aber unterhalb des Gurtschlosses. Das blitzartige Einziehen des Gurtes wird meist durch eine kleine Sprengladung bewirkt; es gibt aber auch Systeme, die mit vorgespannten Federn arbeiten. Zusätzlich kommt bei modernen Autos ein Gurtkraftbegrenzer zum Einsatz. Dieser wiederum verhindert, dass der Sicherheitsgurt zu stark angezogen wird, was unter Umständen auch zu einer Verletzung des Fahrzeuginsassen führen kann.

Diese Grafik zeigt, wie der Gurtstraffer dafür sorgt, einen Passagier so auf dem Fahrzeugsitz zu positionieren (rechtes Bild), dass die Sicherheitssysteme ihre optimale Schutzwirkung entfalten können. Grafik: Continental

 

Gurtstraffer mit Pyro- oder Federtechnik können nur einmal auslösen. Waren sie bei einem Unfall im Einsatz, müssen sie bei der Reparatur des Wagens ersetzt werden. Anders ist das bei reversiblen, elektromechanischen Gurtstraffern, die vergleichsweise teuer sind und bislang nur in wenigen Oberklassemodellen angeboten werden. Dort strafft ein Elektromotor den Sicherheitsgurt – und kann ihn auch wieder lösen.

 

Diese Funktion, also das kurzzeitige Anziehen des Sicherheitsgurtes mittels eines elektromechanischen Gurtstraffers, nutzen die Ingenieure von Continental beispielsweise als Aufmerksamkeitssignal beim automatisierten Fahren. So könnte in Zukunft ein kurzes Anspannen des Gurtes den Fahrer darauf hinweisen, selbst das Steuer zu übernehmen oder einen Hinweis im Bordcomputer zu registrieren.

Moderne Gurtstraffer kombinieren eine elektromechanische Funktion mit einem pyrotechnischen System, das hier gezeigte Bauteil stammt vom Zulieferer ZF. Die Impulse, den Gurtstraffer auf die eine oder andere Art zu aktivieren, stammen wiederum von Steuergeräten, wie sie Continental millionenfach herstellt. Foto: ZF

 

Continental stellt zwar keine Gurtstraffer her, wohl aber jene Steuergeräte, die für das Auslösen von Airbags und Gurtstraffern zuständig sind. Werden solche Steuergeräte in Verbindung mit reversiblen Gurtstraffern eingesetzt, verfügen sie zudem über die Funktion „Active Emergency Belt Control“. Diese Technik tritt nicht erst unmittelbar nach einem Aufprall in Aktion, sondern auch dann schon, wenn das Auto ins Schleudern gerät – etwa auf einer vereisten Fahrbahn. Dann wird vorsichtshalber der Sicherheitsgurt strafft, um das Risiko von Verletzungen zu minimieren, falls es doch zu einem Aufprall kommt. In diesem Fall macht die Digitalisierung auch altbewährte mechanische Sicherheitstechnik deutlich intelligenter und wirkungsvoller.

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