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Das Contidrom

20/10/2021
  • Continental testete seit 1967 in Jeversen rund 1,5 Millionen Reifen
  • Wetterunabhängige, automatische Testanlage AIBA ist seit neun Jahren in Betrieb
  • Neubau einer virtuellen Reifentestanlage hat begonnen

Hannover, im Oktober 2021. Das Contidrom in Jeversen, „Prototyp“ und Referenz aller Reifenteststrecken von Continental, wird weiter ausgebaut. Bei seiner Eröffnung stand zunächst das bis heute imposante Hochgeschwindigkeitsoval mit seiner Länge von 2,8 km zur Verfügung; die anderen Strecken wie der Nasshandlingkurs und die Trockenhandlingstrecke, jeweils 1,8 km beziehungsweise 3,8 km lang, kamen in weiteren Ausbaustufen der Testanlagen dazu. Wichtige Tests auf den Versuchsbahnen sind seit 2012 auch wetterunabhängig und automatisiert in der AIBA-Halle möglich. Derzeit investiert Continental in einen neuartigen dynamischen Fahrsimulator, um die Premiumreifen für das Ersatz- und Erstausrüstungsgeschäft noch effizienter, nachhaltiger und exakter auf die Anforderungen der Kunden abgestimmt zu entwickeln. Die Hightech-Anlage soll Mitte 2022 fertig gestellt werden.

Seit der Eröffnung hat Continental in Jeversen rund 1,5 Millionen Reifen getestet. Derzeit sind rund 100 Mitarbeiter auf dem Testgelände beschäftigt. Die Teststrecke in der Gemeinde in der  Südheide ist mit ihren vielfältigen, präzisen Möglichkeiten über die Jahre wichtiger denn je geworden, um die Weiterentwicklung von Reifen für Pkw, Transporter, Nutzfahrzeuge und Motorräder zu ermöglichen. Continental kann hier neue Produkte für die Erstausrüstung und das Ersatzgeschäft präzise testen, um Fortschritte in der Reifenentwicklung zu ermöglichen. Durch neue Testmöglichkeiten wie beispielsweise die Mitte 2022 in Betrieb gehende virtuelle Testanlage ist das Contidrom auch dem Unternehmensziel Nachhaltigkeit verpflichtet. Dazu dienen auch viele der Testergebnisse, die nicht nur sichere Reifeneigenschaften, sondern auch niedrigen Rollwiderstand sowie hohe Laufleistung der Continental-Reifen sichern.

Die fortschrittlichste im Betrieb befindliche Testanlage auf dem Contidrom ist der AIBA (Automated Indoor Braking Analyzer). In der wetterunabhängigen Einrichtung können können bis zu 100.000 Bremsversuche jährlich auf trockener, nasser und sogar vereister Fahrbahn durchgeführt werden. Continental hat mit der präzise messenden Anlage weitere Fortschritte in der Entwicklung von Pkw-, SUV- und Transporterreifen gemacht. Die Anlage ist in eine 350 m lange, bis zu 30 m breite Halle integriert.

Der AIBA beschleunigt ein unbemanntes Testfahrzeug vollautomatisch auf bis zu 120 km/h und bremst es dann auf verschiedenen, hydraulisch austauschbaren Straßenoberflächen mit standardisierten Fahrbahnbelägen mit einem Bremsroboter bis zum Stillstand ab. Seit dem letzten Jahr ist ein neues Testfahrzeug in Betrieb, das so genannte AVA (Analytic Vehicle AIBA). Beim klassischen Nassbremsversuch werden Fahrzeuge aus einer Geschwindigkeit von beispielsweise 85 km/h abgebremst und die Bremswege ermittelt. Im selbst entwickelten dreiachsigen Testfahrzeug AVA sorgen zwei Elektroantriebe aus dem Hause Continental für eine konstante Geschwindigkeit des Fahrzeugs, während die Testreifen auf der dritten Achse gleichzeitig gebremst werden. Die Kraftübertragung zwischen Reifen und Fahrbahn während unterschiedlicher Schlupfzustände, die sogenannten „µ-Schlupf-Kurven“, lassen sich so reproduzierbar und präzise ermitteln. Die Entwickler erhoffen sich mit dieser fortschrittlichen Testmethode tiefer gehende Analysen der dynamischen Reifeneigenschaften. Die Prüfanlage AIBA ist ISO-zertifiziert; hier können auch die für das EU-Reifenlabel wichtige Bremstests vorgenommen werden.

Gerade im Bau ist ein neuartiger dynamischen Fahrsimulator, mit dem Reifen für das Ersatz- und Erstausrüstungsgeschäft künftig noch effizienter, nachhaltiger und exakter auf die Anforderungen der Kunden hin entwickelt werden können. Die Hightech-Anlage soll Mitte 2022 fertig gestellt werden. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Driver-in-the-loop Simulator (DIL), der exakte fahrdynamische Parameter der Reifen und die des jeweiligen Testfahrzeugs berechnet. Durch seine hohe Beweglichkeit kann der Simulator den professionellen Testfahrern subjektive Fahreindrücke vermitteln, genau wie bei Reifentests auf der Teststrecke. So können neu entwickelte Reifen in den vielfältigsten virtuellen Testszenarien und Fahrsituationen erprobt werden.

Der neue Fahrsimulator bringt deutliche Vorteile für die Reifenentwicklung – und damit für die Kunden von Continental. Die künftige Verlagerung von entscheidenden Entwicklungsschritten in die virtuelle Welt spart Zeit, Kosten und wertvolle Ressourcen. Der Aufwand von Reifentests am Fahrzeug wird deutlich reduziert, da entscheidende Parameter bereits im Simulator geprüft werden können. Der Simulator wird mit den Daten des jeweiligen Fahrzeugmodells „gefüttert“, für das der neue Reifen entwickelt wird. Dazu kommen Daten von Continental wie die Performance der Gummimischung, der Reifenkonstruktion und Profilgestaltung. Nach den Tests im virtuellen Versuch folgen jedoch immer gezielte Abstimmungsfahrten auf den Versuchsstrecken, um die mit dem Simlator gewonnenen Fahreindrücke auch in der realen Welt zu bestätigen.

Da für die virtuellen Tests kein Fahrzeug eingesetzt werden muss, werden Kraftstoff, CO2 und Rohstoffe für Versuchsreifen eingespart sowie die hohe körperliche und physische Belastung von Mitarbeitern im Fahrzeug und bei der Reifen- und Radmontage vermieden.

Von Anfang an entwickelten die Testingenieure Standards, die in den Continental-Reifentests weltweit eingesetzt werden, um Ergebnisse einheitlich zu interpretieren und vergleichbar zu machen. Dabei wurden immer wieder neue, bahnbrechende Verfahren verwendet. So drehte Mitte der 70er Jahre ein fahrerloser Mercedes vom Typ „/8“ Runde um Runde im Oval, um diverse Versuche durchführen zu können. Auch diese frühe Vorstufe des AIBA machte den persönlichen Eindruck der Testingenieure nicht überflüssig. Viele Versuche wie zum Beispiel Handling im Grenzbereich, Nässeverhalten, Lenkeigenschaften und Komfort werden von speziell ausgebildeten Ingenieuren vorgenommen.

Zum Oval und den beiden Handlingstrecken sind in der Folgezeit diverse andere Versuchs- und Messtrecken hinzugekommen. So werden seit 1985 Versuche zum Brems- und Aquaplaningverhalten auf Testbahnen mit Schienenführung durchgeführt. Zwei Kreisbahnen unterschiedlicher Größe dienen vor allem dem Reifenversuch auf nasser Straße. Während der große Kreis vor allem die Situation des plötzlichen Aquaplanings in der Kurve simuliert, ist der kleinere Kreis mit unterschiedlichen bewässerten Fahrbahnbelägen ausgestattet. Beide Situationen sind im realen Verkehr sehr kritisch für Autofahrer und müssen daher bei der Reifenentwicklung besonders umfassend geprüft werden. Rückschlüsse auf die Sicherheitsreserven des Reifens bei schleichendem Luftdruckverlust erlaubt ein weiterer Test auf einer Kreisbahn: Ein Pkw fährt mit 55 km/h in die Kreisbahn. Bei jeder Runde wird der Reifendruck um 1/10 bar verringert – bis dass der Pneu buchstäblich von der Felge springt. Entsprechend wird die Strecke „Abwurfkreis“ genannt.

Um Mobilität umweltfreundlich zu gestalten, müssen Reifen nicht nur einen möglichst niedrigen Rollwiderstand haben, sondern auch leise abrollen. Diese Eigenschaft wird auf zwei Messstrecken untersucht, die etwas abseits von den übrigen Versuchsbahnen angeordnet sind und auf denen das Reifen- / Fahrbahngeräusch ermittelt wird. Auf genormten Untergründen werden hier Außen- und Innenmessungen durchgeführt. Dazu sind Motoren, Getriebe und Antriebe der Fahrzeuge so gekapselt, dass nur das Abrollgeräusch gemessen wird. Da die Messstrecken ISO-zertifiziert sind, führt Continental hier die für das EU-Reifenlabel nötige Reifengeräuschmessung durch.

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Patrick Erdmann
Patrick Erdmann

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