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Wo Mumien zuschauen

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15/01/2019
 

Vorbei an alten Inkagräbern und über den größten Salzsee der Welt: Das "Ultra Bolivia Race" ist ein harter Wettkampf auf spektakulärer Bühne.


Knirschend graben sich die Schuhe der Ultrasportler in den hell gleißenden Untergrund. Stundenlang hetzen die Läufer durch das endlose Weiß. Was aussieht wie ewiges Eis bis zum Horizont ist tatsächlich die größte Salzwüste der Welt: die Salar de Uyuni in Bolivien. 140 Kilometer in der Länge und 110 Kilometer in der Breite misst die weiße Fläche. Ein unwirtliches, unnahbares Gelände, in dem kaum Menschen anzutreffen sind. Nur alle zwei Jahre für wenige Tage ist das anders: Dann ist die Salar de Uyuni Bühne für einen der anstrengendsten Laufwettbewerbe der Welt, das "Ultra Bolivia Race".

 

Eingeteilt ist der Ultralauf in sieben Etappen. Die Athleten starten in der kleinen Ortschaft Salinas de Garcí Mendoza. Von dort aus kämpfen sie sich durch eine der beeindruckendsten Regionen Südamerikas. Während der ersten vier Etappen laufen die Sportler um den Tunupa, einen schlafenden Riesen, den sie besser nicht wecken sollten. Über 5000 Meter hoch streckt sich der Vulkan in den bolivischen Himmel. Seine vielfarbigen Gesteinsschichten und teils skurril geformten Felsen lassen den Berg aus den Anden herausstechen. Für das indigene Volk der Inka war der Tunupa ein heiliger Ort. Um die Fruchtbarkeit des Landes sicherzustellen, brachten sie dem Vulkan vor hunderten von Jahren Menschenopfer dar. Die trockene, dünne Luft im Hochland hat diese Mumien fast vollständig konserviert. Noch heute sind sie deshalb in den Gräbern von Alcaya zu sehen, an denen die Sportler während der Etappen drei und vier vorbeilaufen.

Das faszinierende Muster der Salzoberfläche erinnert an Eisschollen. Die Sonne strahlt so hell, dass die Athleten verpflichtet sind, Sonnenbrillen zu tragen. Foto: Gabriel Pielke

 

Doch für die Inkakultur werden die meisten Sportler kaum ein Auge haben. Für sie sind andere Dinge entscheidend. Zum Beispiel der Schutz vor der Sonne in der Salzwüste Salar de Uyuni, die von den Sportlern ab der fünften Etappe durchquert wird. Cremen sich die Athleten nicht vernünftig mit Sonnenschutz ein, droht ihnen gar die Disqualifikation durch die Rennleitung. Die weite, ebene Oberfläche der Salzpfanne gleicht einem Spiegel und reflektiert das einfallende Sonnenlicht. Sonnenmilch mit extrem hohem Lichtschutzfaktor wird von den Veranstaltern deshalb vorausgesetzt – genau wie das ständige Tragen einer Sonnenbrille. Beim Lauf ohne Sonnenbrille in der Salzwüste könnten Teilnehmer aufgrund der starken Reflektion des Sonnenlichts bereits nach kurzer Zeit erblinden. Der gesamte Lauf findet zudem durchgängig in über 3600 Metern Höhe statt. Die sehr dünne und trockene Luft lässt so manch einen Sportler zusätzlich an seine Grenzen kommen.

 

Dazu kommt, dass es sich beim Bolivien-Ultra um einen Selbstversorger-Lauf handelt. Die Läufer tragen also Lebensmittel und Kleidung während des gesamten Rennens im Rucksack mit sich herum. Nur Wasser und Zelte werden vom Veranstalter ins jeweils nächste Camp gebracht. Das letzte Camp liegt mitten auf dem Salzsee. Normalerweise ist das Übernachten in der grellen Salzhölle nicht erlaubt. Der schnellste Athlet des Ultralaufs bisher ist übrigens der Franzose Emmanuel Fabre, der das Rennen in etwas mehr als 25 Stunden für sich entscheiden konnte. Herausgefordert werden kann er erst wieder in knapp zwei Jahren. Der nächste Startschuss fällt am 21. September 2020.