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Gipfelstürmer auf hoher See

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14/02/2019
 

Triathlon bizarr: Segeln, Radfahren und Laufen inklusive Bergsteigen sind die Disziplinen beim „Three Peaks Yacht Race“, dem wohl härtesten Multisport-Rennen der Welt.


Abenteuerlich, so müssen sie für den Arzt Rob Haworth geklungen haben. Jene Geschichten, die ihm sein Patient H. W. Tilman damals Anfang der Siebzigerjahre erzählte. Tilman, Sohn eines britischen Zuckerhändlers, Soldat in zwei Weltkriegen und ehemaliger Kaffeebauer in Kenia, hatte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts grandiose Reisen unternommen. Er hatte viele Gipfel der Welt erklommen, war am Mount Everest geklettert, hatte das Kilimandscharo-Massiv allein bestiegen, die Erde umsegelt. Tilman suchte nach Gold in Afrika, auf dem Fahrrad fuhr er von Kenia bis an die afrikanische Westküste, bereiste die Gewässer der Arktis und Antarktis auf der Suche nach Bergen, die noch nie einer bestiegen hatte. Ja, dieser Mann, nachdem sogar ein Gebirgskamm in der Antarktis benannt ist, war ein richtiger Abenteurer. Das dachte sich auch Arzt Rob Haworth, der den wilden Geschichten Tilmans bei seinen Hausbesuchen lauschte. Und er ließ sich inspirieren – zu einer ebenso abenteuerlichen Idee.

Foto: Rob Howard / Three Peeks Yacht Race

 

Denn Rob Haworth wollte Urlaub machen, damals in den Siebzigern. Doch keinen gewöhnlichen Urlaub, nein, etwas Besonderes. Er plante den, wie er es nannte, „Mini Tilman“. Ein ambitioniertes Vorhaben: Vom walisischen Barmouth aus, der Ort, in dem auch Tilman lebte, wollte er die Segel setzen, in die Irische See stechen und auf diesem Weg das schottische Fort William erreichen und nebenbei die drei höchsten Berge von Wales, England und Schottland erklimmen. Als er die geplante Route auf seinem Küchentisch an einem Winterabend im Jahre 1976 nachstellte, kam die eigentliche Idee: Würde sich diese Tour nicht für ein aufregendes Rennen eignen? Der Küchentisch wurde zum Modell der Irischen See, Trinkflaschen dienten als Berge, es wurde verschoben, geplant, getüftelt. Und der „Mini Tilman“ wurde zu einem der härtesten Sportwettkämpfe der Welt, heute als „Three Peaks Yacht Race“ bekannt. Mittlerweile gibt es sogar ähnliche Rennen in Hongkong und Australien. Der Klassiker aber ist die britische Ur-Version.

 

Seit gut 40 Jahren nun wird der britische Wettkampf jährlich ausgetragen. Angetreten wird in Teams aus maximal fünf Personen – zwei davon gelten als Läufer. Alljährlich werden im Juni in Barmouth die Segel gehisst. Es geht hinaus auf die Irische See mit Kurs gen Westen, dann gen Norden. Vier Tage lang schippern die Teams über die See und folgen dabei eben jener Route, die schon 1976 am Küchentisch skizziert worden war. Nur mit der Kraft des Windes, Motoren dürfen nur im Hafen zum Manövrieren angeworfen werden. Um im ersten Etappenziel, in Caernafon, anzulegen, muss die westlichste Spitze der Lleyn-Halbinsel in der walisischen Grafschaft Gwynedd umschifft werden. Kein einfaches Manöver, wohl nicht umsonst trägt die Küste vor der Halbinsel den furchteinflößenden Namen „Hell’s Mouth“ (dt.: Höllenschlund). Nach rund 115 Kilometern ist das erste Etappenziel erreicht.

Foto: Rob Howard / Three Peeks Yacht Race

 

Verschnaufpause? Nicht für alle, denn für zwei Teammitglieder steht jetzt der erste Anstieg auf dem Programm. Das Ziel liegt auf 1085 Metern Höhe, auf dem Snowdon, dem höchsten Berg von Wales. Die Strecke ist 38 Kilometer lang. Das Handicap: Der Berglauf wird für gewöhnlich bei Dunkelheit ausgetragen. Doch das ist nur die erste Etappe. Die nächste wartet schon. Ahoi, heißt es sodann, weiter geht es Richtung Whitehaven im Nordwesten von England. 185 Kilometer übers Meer. Auf die Landathleten wartet in England die längste Etappe – und, natürlich, mit dem Scafell Pike der höchste Berg Englands. Der ist zwar nur 978 Meter hoch. Doch die Distanz vom Hafen auf den Gipfel und retour beträgt 64 Kilometer. Die erste Hälfte des Anstiegs wird per Fahrrad bewältigt, die zweite wird gelaufen. Zeit, um oben auf dem Gipfel des Scafell Pike zu feiern bleibt nicht, denn unten auf Normalnull warten schon die Teammitglieder, die längste See-Etappe vor Augen.

 

Auf geht’s dann nach Schottland, ins 420 Kilometer entfernte Fort William. Für die Segler markiert die Etappe den Showdown. In der Meerenge von Corran lauert die Ebbe – und nicht selten laufen hier Boote kurz vor dem Ziel auf Grund. Die Läufer blicken gebannt gen Norden. Denn dort tut er sich auf, der höchste Berg Schottlands, der höchste Berg des Wettkampfes auch, der Ben Nevis. Und während die Segler anlegen, müssen die Läufer nachlegen. Es wartet die Schluss-Etappe mit rund 28 Kilometern – und hoch oben auf dem Ben Nevis, auf 1345 Meter Höhe, die lang ersehnte Ziellinie.


Weitere Informationen unter www.threepeaksyachtrace.co.uk