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Was für ein unterirdischer Lauf!

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22/03/2019
 

Da schaut man in die Röhre: Nach jahrelanger Renovierung haben Marathonläufer in Hamburg endlich wieder den Tunnelblick. Am 2. Juni findet erstmals wieder der Elbtunnel-Marathon im Hamburger Hafen statt – 48 Runden unter einem der bedeutendsten Flüsse Europas.


Der Kopf schmerzt, die Beine fühlen sich an wie Pudding. Nein, beschrieben werden hier nicht die Symptome eines Katers, obwohl Rotlichtbezirk und Reeperbahn nicht weit entfernt liegen vom Alten Elbtunnel. Tatsächlich klagen die Teilnehmer eines ganz besonderen Marathons bisweilen über Kopfschmerzen und weiche Knie: Beim Elbtunnel-Marathon in Hamburg laufen die Sportler nämlich durchgehend unter Wasser. 48 Runden gegen den Uhrzeigersinn geht es durch das historisch bedeutsame Bauwerk an den Landungsbrücken, immer hin und wieder her durch beide Röhren des Tunnels. Der tiefste Punkt des Elbtunnels befindet sich 21 Meter unter dem Mittleren Hochwasser der Elbe, eines der bedeutsamsten Binnengewässer Europas. Hier kreuzt, mitten im Hamburger Hafen an den berühmten Landungsbrücken, der Alte Elbtunnel den Fluss. Die Tiefe kann je nach Veranlagung dem ein oder anderen schon ein wenig die Sinne vernebeln.

Tunnelblick: Der St. Pauli Elbtunnel verbindet die Hamburger Stadtteile St. Pauli und Steinwerder miteinander. /Foto: Wittler

 

Diese leichten Unannehmlichkeiten sind allerdings nicht zu vergleichen mit den Arbeitsbedingungen, die im Elbtunnel herrschten, als der Tunnel vor über 100 Jahren gebaut wurde. Die Arbeiter hielten den dauerhaften Temperaturen von über 40 Grad und der Druckluft häufig einfach nicht stand. Über 200 Arbeiter fielen bereits in den ersten drei Monaten Bauzeit der sogenannten Taucherkrankheit zum Opfer, bei der sich aufgrund der Drucksituation Gasblasen im Körperinneren bilden. Keine Sorge: Das kann so heute nicht mehr passieren. Im Tunnel ist es angenehm kühl, von wirklicher Druckluft kann ebenfalls keine Rede sein.

 

Eröffnet wurde das heute traditionelle Bauwerk 1911 mit typisch norddeutscher Euphorie: durch einen Wachtmeister, der einmal in seine Trillerpfeife blies. Der Elbtunnel war seinerzeit der erste Tunnel unter Wasser und galt als technische Sensation. Er wurde zu einer der wichtigsten Verbindungen Hamburgs, ist für Fußgänger, Radfahrer und Autos befahrbar und verbindet seitdem die Stadtteile St. Pauli und Steinwerder. Das Besondere: Autos werden mit großen Aufzügen von oben nach unten und am anderen Ende wieder nach oben transportiert. 1923 unterquerten über 19 Millionen Menschen die Elbe durch den St. Pauli-Elbtunnel. Zum Schichtwechsel der im Hafen ansässigen Unternehmen kam es regelmäßig zu langen Staus. Der Alte Elbtunnel verlor in den 1970er Jahren allerdings, spätestens aber mit Eröffnung des neuen Elbtunnels auf der Autobahn A7 Ende 1974, an Bedeutung und ist heute nur noch eine beliebte Touristenattraktion. Etwa 800.000 Menschen strömen jedes Jahr durch das alterwürdige Tunnelgewölbe. Doch zwei Weltkriege, mehrere Elbvertiefungen und über 100 Jahre Hamburger Geschichte hinterließen ihre Spuren im Tunnel. Risse an den Wänden, giftige Böden und defekte Aufzüge führten zu umfassenden Renovierungsmaßnahmen.

Schick, schick. Im Anzug posieren hier Arbeiter und Funktionäre. Der Elbtunnel wurde im September 1911 eröffnet. Im November durften auch Autos und Kutschen durch den Tunnel fahren. /Foto: Hamburg Port Authority 

 

Seit 2009 musste deshalb auch der Elbtunnel-Marathon aussetzen, der 2000 zum ersten Mal ausgetragen worden war – und damit der erste Marathon war, der komplett unterirdisch ausgetragen wurde. Beide Röhren sollten saniert werden. Einst waren Kosten von 16 Millionen anvisiert worden und beide Röhren sollten schon im Jahr 2011 im neuen Glanz erstrahlen. Inzwischen sind es 60 Millionen Euro geworden – für nur eine Röhre. Damit haben die Hamburger Erfahrungen, man muss sich nur den Werdegang der neuen Elbphilharmonie anschauen. Die Sanierung einer Röhre dauerte damit mehr als doppelt so lang wie der komplette Bau des Alten Elbtunnels von 1907 bis 1911. Das Team des Elbtunnel-Marathons guckte leider viele Jahre in die Röhre. Aber nun ist endlich wieder Licht am Ende des Tunnels. Die Wiedereröffnung der Weströhre wird im April 2019 gefeiert, dazu spielen Ende Mai 140 Musiker eine extra komponierte Tunnelsymphonie. Das sportliche Highlight stellt aber eindeutig der Elbtunnel-Marathon dar, der am 2. Juni ausgerichtet wird. Umgeben sind die Läufer übrigens von diversen Tunneltieren, von Krebsen, Schweinswalen, Aalen und Robben. Aber kein Grund zum hysterischen Kreischen: Leben tut keines dieser Tiere. Es handelt sich lediglich um Reliefs von Wassertieren, die einige der über 400.000 Kacheln an den Tunnelwänden zieren. Wer sich allerdings unbedingt im Elbtunnel sportlich betätigen will, dem sei gesagt: Der Alte Elbtunnel ist ganzjährig für Fußgänger kostenlos geöffnet – und die je 132 Treppenstufen bringen einen auch schon ordentlich ins Schwitzen.

 

Nähere Informationen gibt es unter http://100marathon-club.de/elbtunnel.html.