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Die Bürostuhl-Champions

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22/08/2019
 

Ein Wettlauf – mit einem Bürostuhl zwischen den Beinen? In Asien begeistert eine skurrile Laufserie die Fans. Erfunden allerdings wurde der Wettkampf mit rollenden Schreibtischstühlen in der Schweiz.


Mit dem Startschuss geht es los: Mehr als 50 Läufer hetzen die lange Gerade entlang, da kommt die erste Kehre, gleich mehrere Teilnehmer trägt es aus der Kurve. Kein Wunder, dies ist kein normaler Wettlauf. Alle Starter laufen rückwärts – und mit einem Bürostuhl zwischen den Beinen. Ja, wer glaubt, bereits alles in Sachen Laufwettbewerbe gesehen zu haben: In der Kleinstadt Hanyu in der japanischen Provinz Saitama auf der Insel Honshu, nur gut 50 Kilometer von Tokio entfernt, wird man eines Besseren belehrt. Hier fand kürzlich erneut das sogenannte „ISU-1 Endurance Race“ statt. 55 Teams mit je drei Läufern kämpften darum, Champion in Sachen Bürostuhl-Marathon zu werden. Zwei Stunden lang ging es durch einen abgesteckten Rundkurs. Als reine Spaßveranstaltung lässt sich das große Stühle-Rücken nicht abtun. Die Teilnehmer nehmen die Veranstaltung durchaus ernst. „Mein Körper ist völlig am Ende“, beschrieb beispielsweise der 45-jährige Satoru Taguchi seine Erfahrungen, die er beim diesjährigen „ISU-1 Endurance Race“ in Hanyu sammelte. 

Da ging es zur Sache: Aufruf zu einem Bürostuhl-Rennen in Singapur im Jahr 2017. Foto: ISU-1 Endurance Race

 

Das „ISU-1 Endurance Race“ wurde erstmals 2009 in der japanischen Stadt Kyoto ausgetragen. Damals war es noch ein PR-Gag eines Büromöbel-Herstellers. Heute ist der Bürostuhl-Cup zum Kult-Phänomen geworden und wird in immer mehr Ländern ausgetragen. Allein in Asien gab es bislang mehr als 50 Rennen, neben Japan auch in Malaysia, Singapur, Taiwan und China. Das Ziel des Bürostuhl-Rennens ist simpel formuliert: In zwei Stunden müssen die Teilnehmer des Wettkampfes so viele Runden wie möglich auf ihrem Gefährt zurücklegen. Dafür wird ein 200 Meter langer Rundkurs abgesteckt und abgesperrt. Zusammenstöße mit anderen Verkehrsteilnehmern wollen die Veranstalter unbedingt verhindern. Jeder, der schon mal Langeweile im Büro hatte und mit seinem Bürostuhl ein wenig umhergefahren ist weiß, dass so ein Möbel seine Tücken hat und alles andere als einfach zu manövrieren ist. Jedes noch so kleine Hindernis kann die Fahrt beenden und den tollkühnen Fahrer ins Schlingern und schließlich zu Fall bringen. Und: So ein metallenes Stuhlbein in der eigenen Hacke tut auch ganz schön weh. Deshalb sind die Teilnehmer des Bürostuhl-Grand-Prix bei den Rennen auch mit Schienbeinschonern, Helmen und sonstiger Schutzkleidung ausgestattet.

Abfahrt auf dem Bürostuhl. Anders als bei den Rundkurs-Rennen in Asien heizen die Teilnehmer beim Bürostuhlmarathon in der Schweiz eine 200 Meter lange Strecke hinab. Foto: Bürostuhlrennen Schweiz

 

Als Vorbild für das erste „ISU-1 Endurance Race“ im Jahr 2009 dienten die Formel 1 und das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Besonders spektakulär war der Ableger des Rennens, der 2017 in Singapur stattfand. Ausgetragen wurde der Wettkampf nämlich in der Boxengasse der Formel-1-Rennstrecke Marina Bay Street Circuit. Dort wird seit 2008 jährlich der Große Preis von Singapur ausgetragen. Boxenstopps gab es beim „Kleinen Preis von Singapur“ zwar nicht, Reifenwechsel aber auf jeden Fall. Denn das ein oder andere Teil, besonders das ein oder andere Rad, blieb auch beim Duell der Bürostuhl-Renner auf der Strecke. Die Sportler sind rückwärts unterwegs. Zumindest bei erfahrenen Bürostuhl-Fahrern hat sich nämlich eine Technik durchgesetzt, bei der die Fahrer – den Kopf stets über die eigene Schulter gedreht – rückwärts über den Asphalt laufen. Nackenstarre vorprogrammiert.

Ein Siegerpodest der etwas anderen Art: Diese Bürostühle sind in den Farben Bronze, Silber und Gold gefärbt. Foto: Bürostuhlrennen Schweiz

 

Die Bürostühle werden den Athleten vom Veranstalter zur Verfügung gestellt. Den Chefsessel mit edlem Lederbezug und verstellbarer Arm- und Rückenlehne nutzt deshalb keiner der Athleten. Auf Sitzkomfort legen die Sportler bei der Auswahl ihres Gefährtes zudem eh wenig Wert. Wichtig ist ihnen einzig das Handling des Stuhls und ein möglichst geringes Gewicht. Wesentlich mehr auf die Waage bringt da die Siegprämie. Sie besteht nämlich aus einem 90 Kilogramm schweren Sack, gefüllt mit Reis aus der Region.

Bei den Bürostuhl-Weltmeisterschaften in der Schweiz sind auch eher ungewöhnliche Büro-Utensilien auf der Piste unterwegs, wie etwa diese exquisite Skateboard-Chefsessel-Kombination. Foto: Bürostuhlrennen Schweiz

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