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Wodka auf Eis

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03/09/2019
 

Kalte Füße – das ist bei diesem Marathon kein Zeichen für Angst. Beim Baikal Ice Marathon in Sibirien sind Temperaturen von bis zu minus 50 Grad keine Seltenheit. Der gesamte Lauf findet auf dem zugefrorenen Baikalsee in Russland statt. Kein Wunder, dass zum Wettkampf auch ein ungewöhnlicher Heißmacher zählt: ein Glas Wodka. Wer am 1. März 2020 dabei sein will, muss spätestens jetzt mit dem Training beginnen…


Der Blick nach unten: gespenstisch. Tiefschwarz, unergründlich, eisig kalt – 1600 Meter geht es hier in die Tiefe des ältesten Sees der Erde. Jetzt im März ist er meterdick zugefroren. Bisweilen aber ist das Eis kristallklar, der Schnee wurde vom ewigen Wind fortgeblasen: Das Eis des Baikalsees erlaubt Blicke ins tiefe, ins dunkle Nichts. Die meisten Läufer haben dafür allerdings keine Augen. Ihr Blick geht nach vorne – auch dort breitet sich scheinbar endlose Weite aus. Eine gleißende, eine grellweiße Landschaft, der Horizont zerschnitten von den Umrissen ferner Berge. Die Laufschuhe knirschen im Schnee, Spikes graben sich ins Eis. Am Fuße der Bergkette schimmert jetzt ein silbern glitzerndes Band: die Transsibirische Eisenbahn auf ihrem Weg zum fernen Uralgebirge. Die Szenerie erinnert an einen Science-Fiction-Film, der auf irgendeinem fernen Eisplaneten spielt. Dies aber ist der zugefrorene Baikalsee in Sibirien, Austragungsort des Baikal Ice Marathons, einer der extremsten Laufwettbewerbe der Welt.

Achtung, Glatteis: An vielen Stellen laufen die Teilnehmer über blankes Eis, Schuhe mit Spikes gehören zur Grundausstattung. Foto: Andrei Sidorov

 

Jedes Jahr im März geht es für die Teilnehmer 42,195 Kilometer über das gefrorene Wasser, bei zweistelligen Minusgraden und eisigen Winden. Der Baikalsee ist ein majestätisch großes Binnengewässer. In Russland nennt man ihn auch „das heilige Meer Sibiriens“. Mit 650 Kilometern Länge und bis zu 82 Kilometern Breite ist der See so groß wie Belgien, mit 25 Millionen Jahren der älteste Süßwassersee der Erde. Er steht für 20 Prozent aller Süßwasserreserven der Welt, sein Reservoir würde reichen, um die gesamte Weltbevölkerung 50 Jahre mit Wasser zu versorgen.

 

Wenn die Durchschnittstemperatur im Winter Minus 20 Grad beträgt und der See gefriert, dann ist die wilde Natur des Sommers wie verwandelt: Geländewagen, motorisierte Schneemobile und Mountainbiker jagen über die Eisstraßen, die von Dezember bis Mai mitten über den zugefrorenen See verlaufen und die Ufer-Dörfer miteinander verbinden. Und im März kommen die Marathoni, bereit, eine besonders harte Herausforderung zu meistern. Doch einfach mal anmelden – das geht nicht. Denn die Bedingungen sind extrem. Temperaturstürze auf minus 50 Grad sind zu dieser Jahreszeit nicht selten. Die Veranstalter prüfen ganz genau, wer zu ihrem Extrem-Event zugelassen wird. Bevor also der obligatorische Visa-Antrag für Russland eingereicht werden kann, müssen die Teilnehmer des Laufs nicht nur ein ärztliches Attest vorlegen, sondern auch einen Läufer-Lebenslauf präsentieren, der zeigt, dass sie für diesen Wettbewerb geeignet sind.

Der Baikalsee ist der älteste Süßwassersee der Erde. Im Winter wird das Eis nicht nur von Motorschlitten, sondern auch Lastwagen befahren. Foto: Aleksey Sedov

 

Ist das Baikal-Casting bestanden, geht es ans Training. Mit dem normalen Programm im heimischen Park ist es natürlich nicht getan. Möglichst authentische Realbedingungen müssen geschaffen werden. Wer im März in Sibirien in Topform sein möchte, sollte die Wintermonate viel im Schnee, auf zugefrorenen Gewässern oder, wenn möglich, schon jetzt im Spätsommer und im Herbst in einer Eissporthalle trainieren. Nicht zuletzt muss auch die spezielle Ausrüstung erprobt werden. Denn nicht nur mehrere Lagen isolierender Kleidung und Gesichtsschutz sind Voraussetzung, sondern auch Laufschuhe mit Spikes. Ist es dann soweit, geht es via Moskau ins sibirische Irkutsk. Nach 70 Kilometern weiterer Busfahrt landen die Teilnehmer in dem 1500-Seelen-Ort Listvjanka am Westufer des Baikalsees. Dieser Ort ist Basiscamp und Ziel zugleich Knapp zwei Tage haben die Athleten Zeit, sich zu akklimatisieren. Ein paar Proberunden auf dem Eis zu laufen, ein Eisbad in einem mit einer Motorsäge ausgehobenen Loch im See zu nehmen.

 

Nach der sibirischen Zeremonie, in der mit einem Glas Wodka dem Wassergott gehuldigt wird, geht es dann los. Es wird nicht der letzte Wodka sein, denn der gehört auch bei den Verpflegungsstationen zur Grundausrüstung – allerdings wird eher selten ein Läufer gesichtet, der während des Rennens Hochprozentiges zu sich nimmt. Mit Hovercraft-Luftkissenbooten, Minibussen und Motorschlitten werden die Teilnehmer auf die andere Uferseite befördert. Und dann stehen sie da, dick vermummt an der Startlinie. Am 1. März 2020 ist es wieder soweit. „Tri, dva, odin“ – zu deutsch Drei, zwei, eins – wird es aus dem Megafon schallen. Dann geht es in die weiße Eiswelt.

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