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„Schweinehund ausgetrickst“

Interviews

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05/12/2019
 

Frank Schumann war Teil des GripTeams – der von Continental ins Leben gerufenen und geförderten Laufgruppe. Schumann, früher ein 120-Kilo-Mann, läuft auch zwei Jahre später immer noch: Zuletzt schaffte er seinen ersten Ironman-Wettkampf. Im Interview mit GripWorld erzählt er von der Faszination des Laufens, warum er gerne in eiskaltem Wasser schwimmt – und welcher verrückte Wettbewerb noch ganz oben auf seiner To-Do-Liste steht.


Moin Frank, erst einmal herzlichen Glückwunsch: Du hast dieses Jahr in Hamburg Deinen ersten Ironman-Lauf absolviert. Marathon ist keine Herausforderung mehr für Dich?

Doch, natürlich! Aber so ein Ironman-Wettkampf ist schon eine Sache für sich. Eigentlich wollte ich das ja nie machen. Die einzelnen Disziplinen sind für sich betrachtet kein Problem: 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und eine Marathondistanz laufen. In Summe aber war mir das immer mindestens eine Nummer zu groß. Dann lief mir ein guter Freund über den Weg, der sich gerade ein Ironman-Tattoo stechen ließ. Und er fing an, mich zu pushen und anzutreiben. Ich hätte doch schon so viel erreicht, bräuchte ich nicht jetzt eine neue Herausforderung? Da fing ich an zu grübeln. Ich bin das Jahr zuvor eh aufgrund einer Verletzung an der Achillessehne viel auf dem Fahrrad und im Schwimmband gewesen. Irgendwann kam ich zum Schluss: Theoretisch müsste ich das schaffen.

 

Dann hast Du gleich mit dem Training begonnen?

Nein, es brauchte tatsächlich noch ein weiteres Schlüsselerlebnis. Mein innerer Schweinehund war zu groß. Dann saß ich bei einem Essen zufällig neben Michael Raabe, dem ehemaligen Triathleten, der schon den Ironman auf Hawaii gelaufen ist. Der hat mich ordentlich bearbeitet. Dann machte ich die große Weserrunde, eine 300 Kilometer lange Rennradfahrt, mit. Lange Radfahrten also sollten auch kein Problem sein. Das Ende vom Lied war dann: Ich hatte mich für den Ironman in Hamburg angemeldet. Dabei hatte ich keinen echten Plan. Ich bin einfach regelmäßig gelaufen, geschwommen und Fahrrad gefahren, ohne wirklich professionellen Trainingsplan. Einfach jede Woche von allem ein bisschen.

Frank Schumann, 54, ist Programmierer bei Siemens – und begeisterter Läufer. Wenn er mal nicht läuft, schwimmt oder Fahrrad fährt, produziert er Videos für seinen YouTube-Kanal „Hannover Marathon Botschafter“, über den er Interessierte über seine Aktivitäten auf dem Laufenden hält. 2017 war Schumann ein Jahr lang Mitglied des neunköpfigen ContinentalGripTeams, einer von Continental initiierten und geförderten Gruppe von Hobbyläufern. Hier ist er 2017 beim Hannover-Marathon zu sehen – ein Mitglied des Continental GripTeams klatscht ihn während des Wettkampfs ab. Foto: Wesselhöft / Büro 504

 

Wir haben ein Video von deinem Zieleinlauf in Hamburg gesehen: Man sieht, Du bist glücklich – und am Ende. Kannst Du dich noch erinnern, was Dir für Gedanken durch den Kopf gingen?

Es war ein unglaubliches Gefühl! Als ich das erste Mal Marathon gelaufen bin, da habe ich gemerkt, dass es ein paar Schulterklopfer gab, ein paar „Toll gemacht“. Aber ich merkte auch, dass es viele Leute gibt, für die das normal ist. Ich war einer von sehr vielen Marathon-Finishern. Aber ich kenne nur wenige, die die IRONMAN-Langdistanz gepackt haben. Die Nummer ist schon relativ heftig. Beim Briefing vor dem Start wurde uns gesagt: Ihr lauft da eine Wahnsinnsstrecke. Wenn ihr es schafft ins Ziel zu kommen, genießt es. Bei der letzten Laufrunde wenige Kilometer vor dem Ziel dachte ich dann: Gleich ist es soweit, gleich hast Du etwas Wahnsinniges geschafft. Und dann habe ich den Moment voll und ganz ausgekostet.

 

Du warst schon im Continental GripTeam der Mann für Besonderes, hattest bereits im Bewerbungsvideo erzählt, dass dich Neues wahnsinnig fasziniert. Was hast Du noch ausprobiert in den letzten Jahren? 

Letztes Jahr habe ich über Facebook etwas gesehen, das mich direkt elektrisiert hat: Eisschwimmen. Da ging es um einen Wettbewerb am Silbersee bei Hannover im Winter, die ersten Norddeutschen Eisschwimm-Meisterschaften. Ich bin einfach mal zum freien Training gegangen – und am nächsten Tag gleich an den Start. Da waren erfahrene Eisschwimmer aus allen möglichen Ländern dabei. Ich war zwar nicht der Schnellste, aber das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht.

 

Rückblickend, welche Rolle hat das Continental GripTeam für deine Laufkarriere gespielt?

Ich habe wichtige Freundschaften geschlossen. Alexander Koerfer zum Beispiel ist ja bis heute extrem engagiert im Laufsport und ein echter Freund geworden. Alex hat mir einen Tag vor dem Ironman eine Videobotschaft geschickt, die hat mich tatsächlich zu Tränen gerührt. Das war so persönlich, so emotional und motivierend – einfach Gänsehaut pur. Vor der Zeit im GripTeam habe ich außerdem zumeist nur Sport für mich gemacht – und das war’s. Aber mal ein bisschen Öffentlichkeitsarbeit machen, mal Markenbotschafter sein, mal im Team einen Wettbewerb angehen, so etwas kannte ich vorher nicht. Und jetzt bin ich in solchen Dingen wahnsinnig aktiv. Wie zum Beispiel Botschafter für den Hannover-Marathon.

Eine unglaubliche Leistung für einen Hobbyläufer, der vor wenigen Jahren noch 120 Killogramm wog: Frank Schumann Im Ziel des IRONMAN-Laufs in Hamburg. Foto: privat

 

Ihr seid damals sehr schnell zu einem Team zusammengewachsen, Ihr habt euch zum Beispiel beim Extremwettkampf Steelman gegenseitig über die Hindernisse geholfen. Wie wichtig ist laufen in der Gruppe für Dich?

Sehr wichtig. Manchmal möchte man natürlich alleine laufen, um etwa eine bestimmte Strecke in einer definierten Zeit zu schaffen. Aber wenn man locker laufen will, macht das zusammen am meisten Spaß. Ist man grade in einer Wettkampfvorbereitung, pusht man sich gegenseitig enorm. Außerdem begegnen sich in Laufgruppen die verschiedensten Leute. Da laufen so viele Menschen, Berufe und Schicksale nebeneinander her. Als ich vor einiger Zeit meinen Sohn zum Arzt begleitet habe, stellte sich heraus, dass sein Arzt und ich uns aus einer Laufgruppe kennen. Das war schon witzig: Der Sohn wird gesiezt, aber man selbst geduzt.

 

Wer warst du eigentlich vor deiner Laufkarriere? „Mein Name ist Frank Schumann. Essen ist meine Leidenschaft – und sportlich bin ich auch nicht.“  – So begann damals dein Bewerbungsvideo für das GripTeam…

Damals hatte ich einfach überhaupt keine sportlichen Hobbies. Ich saß, auch aufgrund meiner Programmierer-Tätigkeit, viel am Computer, habe viel Fernsehen geguckt – und war überhaupt nicht sportlich unterwegs. Wenn man träge herumsitzt, dann isst man auch mehr. Das ist ein Teufelskreis. Wenn so ein Kreislauf durchbrochen wird, man nur ein bisschen mehr Sport treibt, ein bisschen weniger isst und plötzlich feststellt, dass die Kilos sich verabschieden, dann entwickelt sich das in eine andere, in eine positive Richtung. Es brauchte viele kleine Erlebnisse, bis ich überhaupt realisiert hatte, dass ich mich verändern muss – wenn die Waage plötzlich dreistellig anzeigt oder die eigene Frau einen auf die „Rettungsringe“ am Rücken aufmerksam macht. Da dachte ich: Jetzt reicht’s. Das bin ich nicht.

 

Das Problem zu realisieren ist ja meistens leicht – es aktiv anzugehen, kann aber ganz schön Überwindung kosten. Wie hast Du das geschafft?

Ich habe mit vielen Leuten gesprochen und das perfekte Rezept für mich gefunden. Ich gebe auch heute immer den gleichen Tipp: Mach‘ es nicht von heute auf morgen! Mach‘ es langsam, gehe Schritt für Schritt zum Erfolg. Nie Sport gemacht, aber dann alle zwei Tage ein paar Kilometer joggen – das wird nichts. Die Ernährung von heute auf morgen komplett umstellen, auch das geht meistens nach hinten los. Ich habe damit angefangen, erstmal nur Süßgetränke wie Cola wegzulassen. Irgendwann gab es mittags dann nur noch Salat. So habe ich mit kleinen Veränderungen über Monate Stück für Stück an den Rädchen gedreht. Auch beim Sport habe ich mit zwei Mal dreißig Minuten Kraftsport pro Woche ganz klein angefangen. Dann habe ich Fahrstuhlfahrten gestrichen und die Treppe genommen. Die vielen kleinen Änderungen, die ich ganz langsam vorgenommen habe: Nur so habe ich den Schweinehund ausgetrickst – und er hat nichts bemerkt. (lacht)

Frank Schumann liebt Marathon-Wettbewerbe – hier ist er gerade durchs Brandenburger Tor beim Berlin-Marathon gelaufen. Foto: privat

 

Und wann hast Du gemerkt, dass die anfängliche Qual in eine Leidenschaft umschlug?

Auch an Kleinigkeiten. Wenn ich früher einkaufen ging, war die Sportabteilung für mich zum Beispiel immer uninteressant. Wenn ich jetzt in einem Kaufhaus bin, gehe ich als erstes in die Sportabteilung. Das hat sich langsam entwickelt. Nach meinem ersten Halbmarathon war ich dermaßen am Boden, dass ich zwei Wochen durch die Firma gehumpelt bin. Nie wieder, dachte ich. Aber dann merkt man, dass Körper und Geist routinierter werden. Nach meinem ersten Marathon hatte ich unglaublich starke Schmerzen in den Beinen – heute habe ich nur leichte Ermüdungserscheinungen.

 

Was ist denn jetzt die nächste Herausforderung für Dich?

Ich habe da etwas im Hinterkopf. Es gibt einen verrückten Typen, der macht Baumstammlaufen. Der hat kürzlich das erste Mal ein kleines Rennen veranstaltet. Da nimmt man einen Fünf-, Zehn- oder Zwanzig-Kilo-Baumstamm auf den Buckel und läuft los. Der Typ hat mal bei einem Triathlon mit einem Baumstamm auf dem Rücken teilgenommen, wurde aber nachträglich vom Veranstalter disqualifiziert. Er hat es aber trotzdem gemacht, um Aufmerksamkeit, Fotos und Freude zu generieren. Meine Aufmerksamkeit hat er. Wenn da mal wieder ein Event ansteht, bin ich sofort dabei!